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Schließung droht : Kampf um die Gemeinschaftsschule

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umfrage in Schenefeld: Bürgermeister, Lehrer, Elternvertreter, Väter und Mütter nennen viele Gründe für einen Erhalt des Schulstandorts.

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 12:20 Uhr

Seit einigen Monaten läuft in der Gemeinde Schenefeld eine große Kampagne zum Erhalt der Gemeinschaftsschule. Dieser war wegen einer rückläufigen Schülerzahl mit einem eventuell nur noch einzügigen fünften Schuljahr für das kommende Schuljahr stark gefährdet. Eine große Informationsveranstaltung in der Schule mit weit über 300 Teilnehmern war ein großer Erfolg, ebenso wie die Fragebogenaktion für Eltern und Schüler, die bereits 45 positive Rückmeldungen gebracht hat. Info-Flyer, der Info-Stand auf dem Schenefelder Weihnachtsmarkt und persönliche Aufklärungsarbeit durch die Schulausschuss-Mitglieder, die Schulleitung und die Elternvertreter haben zum bisherigen Erfolg beigetragen. In einer kleinen Umfrage bei der Schulleitung, bei Lehrern, Eltern und Schülern sowie ehemaligen Schülern der Schenefelder Gemeinschaftsschule wurden viele gute Gründe genannt, weshalb es so wichtig ist, diese Schule für Schenefeld und das große Einzugsgebiet zu erhalten.

Hans-Heinrich Barnick, Bürgermeister von Schenefeld: ,,Viele Generationen von Schülern und Schülerinnen haben unsere Schule besucht. Früher noch die Dörfergemeinschaftsschule, später dann die Grund- und Realschule mit Hauptschulteil und heute die Grund- und Gemeinschaftsschule. Mit 30 Lehrkräften, davon elf überwiegend an der Grundschule, 18 in der Sekundarstufe 1, einer Gymnasial-Lehrerin und zwei Lehrkräften aus dem Förderzentrum, sind wir personell hervorragend aufgestellt. Unsere Fachlehrer wissen bei Elternsprechtagen noch, von welchem Kind die Rede ist, da es hier an der Schenefelder Schule noch überschaubar ist. Das System der Differenzierung, das heißt, dass keine fest stehende Zuordnung für einen Bildungsgang vorliegt, läuft gut. Nicht zuletzt die Tatsache, dass 40 Prozent der Realschüler des diesjährigen Abgangsjahrgangs bei landesweit einheitlicher Prüfung die Möglichkeit hatten, an ein Gymnasium überzuwechseln, belegt diesen Aspekt. Das Amt als Schulträger ist weiterhin gerne bereit, für eine nach wie vor sehr gute Ausstattung der Schule mit ihren Fachräumen, 22 Klassenräumen sowie der Mensa und des Lehrschwimmbeckens zu sorgen. Es kann nicht sein, dass ein so großes Amt wie Schenefeld mit seinen 22 Gemeinden in Zukunft nicht mehr in der Lage sein soll, den nachfolgenden Schülergenerationen ein angemessenes Bildungsangebot zu machen.“

Reinhold Bößer, Schulleiter der Schenefelder Grund- und Gemeinschaftsschule: ,,Ich freue mich über die positive Resonanz und über die zahlreiche Beteiligung an unserem Informationsabend zum Erhalt des Gemeinschaftsschulteils der Grund- und Gemeinschaftsschule Schenefeld. Es ist an diesem Abend einer breiten Öffentlichkeit deutlich geworden, welches Potenzial unsere Schule besitzt und welche Bedeutung ein Schulstandort für die nördliche Region des Kreises Steinburg hat. Ich hoffe, dass die Informationen zu dem nötigen Impuls geführt haben, um eventuell noch unentschlossene Kinder und Eltern von den Vorzügen der Schule gerade im sächlichen Bereich und in personeller Hinsicht zu überzeugen.

Ganz herzlich bedanke ich mich für die tolle Unterstützung durch den Schulausschuss und den Schulelternbeirat. Die vielfältigen Aktionen dieser Gremien haben die Schule in den Mittelpunkt des Interesses in der Bevölkerung gerückt und zu fruchtbaren Diskussionen angeregt. Der Rücklauf der Umfragebögen lässt uns für die Zukunft hoffen. Sollten noch Fragen hinsichtlich unserer Gemeinschaftsschule bestehen, stehen wir sowohl telefonisch als auch persönlich gerne zur Klärung bereit.“

Birte Heyden, Gymnasiallehrkraft und Koordinatin der Sekundarstufe 1 an der Schenefelder Gemeinschaftsschule: ,,Ich liebe meine Arbeit an dieser Schule mit Schülern und Schülerinnen, die ich als offen, freundlich und lernbereit erlebe.
Die Zusammenarbeit im Kollegium ist sehr gut, ebenso wie die Unterstützung durch die Eltern. Den Rückhalt für jeden einzelnen Lehrer durch die Schulleitung habe ich von Anfang an als sehr positiv empfunden. Außerdem ist die Ausstattung der Fachräume gut. Viele unserer Schüler und Schülerinnen gehen nach dem mittleren Bildungsabschluss erfolgreich weiter zur Schule. Wegen der überschaubaren Größe ist die Atmosphäre an unserer Schule familiär, was sowohl Lehrer- als auch Schülerschaft gleichermaßen zugute kommt. Im Übrigen finde ich meine Schüler und Schülerinnen einfach fantastisch.“

Marlies Hauschildt, Konrektorin an der Schenefelder Grund- und Gemeinschaftsschule: ,,Ich fände es sehr bedauerlich, wenn unsere Gemeinschaftsschule nicht weiterbestehen würde. Wir Lehrkräfte haben viel Zeit und Arbeit in neue Konzepte und in neue Unterrichtsformen investiert. Kollegiale Freundschaften sind dabei entstanden.

Klassen, in denen die Schüler und Schülerinnen sich gemeinsam auf das Abitur, den mittleren Bildungsabschluss und die Berufsbildungsreife vorbereiten, funktionieren. Die Jugendlichen arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Inklusion, das heißt die Einbeziehung von Kindern mit den unterschiedlichsten Förderbedarfen, wurde bei uns schon gelebt, bevor das Wort in aller Munde war. Wir sind hier, aufgrund unserer verhältnismäßig kleinen Schülerzahl, eine große Lernfamilie, in der sich jeder aufgehoben fühlt.

Axel Kunkel, Bürgermeister von Wacken: ,,Der Erhalt und das Fortbestehen der Gemeinschaftsschule Schenefeld ist für die Kinder und Jugendlichen des Amtsbereichs Schenefeld sehr wichtig. Nach dem Motto ,kurze Beine – kurze Wege‘ ist der Schulstandort Schenefeld für die Fünft- und Sechstklässler, aber auch für alle anderen Jugendlichen, von sehr großer Bedeutung. Dank der enormen Bemühungen des Schulträgers verfügt die Schule über moderne Unterrichtsräume und einen ansprechenden Mensabereich. Vokabeln wie ‚Investitions-‘ oder ‚Unterhaltungsstau‘ sind hier fremd. Als Standortfaktor für die Gemeinden des Amts Schenefeld ist der Erhalt der Schule von großer Bedeutung. Geben Sie, liebe Eltern, unserer Schule eine Chance.

Mario Sievers, selbstständiger Bäckermeister in Schenefeld und Vater eines Sohnes in der fünften Klasse: ,,Ich habe meine eigene Schulzeit bis zum Realschulabschluss an der Schenefelder Schule absolviert. Durch das mir vermittelte Wissen und die erworbenen Kompetenzen konnte ich mich an den weiterführenden Schulen und Akademien immer gut behaupten und Abschlüsse wie die Meisterprüfung und Betriebswirt des Handwerks mit Auszeichnung erwerben. Wir machen regelmäßig gute Erfahrungen mit Auszubildenden, die von unserer Schenefelder Schule kommen. Einige von ihnen sind sogar Landessieger geworden. Zurzeit sind bei uns vier Schenefelder Schüler in der Ausbildung. Es unterrichten engagierte Lehrer an der GGS, das erfahre ich täglich durch meinen Sohn und seine Lernerfolge. Die Schließung der GGS Schenefeld hätte fatale Folgen für die Wirtschaft und das soziale Zusammenleben in unserer Region. Soll Gemeinsamkeit nur noch im Schulbus erlebt werden? Es ist an der Zeit, Farbe zu bekennen, zu unserer Schule zu stehen und unseren Kindern zuzutrauen, dass sie mit der Bildung aus Schenefeld ihren Weg machen.

Susanne Lahann, Mitglied im Schulelternbeirat und in der neu gegründeten Projektgruppe ,,Außendarstellung Schule“: ,,An unserer Grund- und Gemeinschaftsschule hat die Schülervertretung anonym eine Schülerbefragung durchgeführt, in der diese ihrer Schule Noten geben durften. In dieser Befragung wurde die Schule mit der Note ‚gut‘, also einer glatten zwei bewertet. Wir haben das Gefühl, dass sich in den letzten Monaten ganz viel bewegt hat und auch weiterhin bewegen wird. Wir sind alle auf einem sehr guten Weg. 44 Schüler und Schülerinnen müssen es sein, die im kommenden Jahr zwei fünfte Klassen ermöglichen könnten. Mit diesem unglaublichen, gemeinsamen Engagement der Eltern, der Elternvertreter und der Schüler und Schülerinnen aus Schenefeld und den Umlandgemeinden, der Lehrerschaft sowie dem Schulausschuss und der Gemeinden ist dieses durchaus zu schaffen.“

Britta Kunkelmoor, Mutter von einer Tochter in der achten und einer Tochter in der vierten Klasse: ,,Ich möchte gerne, dass es hier weitergeht, nicht zuletzt weil hier die Differenzierung einfach hervorragend funktioniert. Diese Aussage machen sogar die Kinder, die mit einer Hauptschulempfehlung im Realschulbereich unterrichtet werden und deren Eltern. So wie es immer gewünscht wird, ziehen hier die stärkeren Schüler die schwächeren Schüler mit. Im übrigen finde ich es gut, dass man nach der Schulzeit an unserer Schule, an der sogar eine Gymnasial-Lehrkraft unterrichtet, die Möglichkeit hat, später auf ganz unterschiedlichen Wegen an weiterführenden Schulen das Abitur zu machen.“

 

Angela Wolfsteller, Schulelternbeiratsvorsitzende: ,,Ein Stück Lebensqualität ist es doch für uns alle, wenn wir wohnortnahe Schulen haben. Ist es von uns Eltern gewollt, dass wir morgens die Kinder eines Ortes in Bussen zehn, fünfzehn Kilometer weit oder noch weiter transportieren? Ich finde, dass dieser Gedanke nicht nur trostlos, sondern auch eine Verschwendung von Steuergeldern bedeutet. Wir haben hier eine Schule im nördlichsten Kreisgebiet, die gut aufgestellt ist, laufend Investitionen getätigt hat und wo noch genügend Freiraum vorhanden ist. Wenn Schüler den Heimatort morgens verlassen und meist erst am späten Nachmittag zurückkehren, lässt häufig auch ihr Engagement in örtlichen Vereinen und im gemeindlichen und kirchlichen Leben zwangsläufig nach.
Nicht nur die GGS Schenefeld hat es sich seit 2008 zur Kernaufgabe gemacht, die unterschiedlichen Talente und Potenziale der Kinder zu fördern. Gemeinschaftsschulen machen keine Auslese, denn dieses würde nur dem gemeinsamen Lernen schaden. Nicht nur von den Lehrern lernen die Schüler, sondern auch von ihren Mitschülern.
Als Bindeglied zwischen Eltern und Schule habe ich einen guten Einblick in den Schulbetrieb und kenne auch die Sorgen der Eltern und die der Lehrer. Wir haben es in Schenefeld mit einem sehr engagierten Lehrerkollegium zu tun, das immer bemüht ist zum Wohle aller Schüler und damit auch der Schule zu arbeiten.
Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass es auch an anderen Schulen Baustellen gibt und auch dort nur mit Wasser gekocht wird.“


Sonja Dierks, 1. Vorsitzende des Schulvereins Wacken: ,,Ich möchte an alle Eltern von Schülern und Schülerinnen der vierten Klassen appellieren, ihre Kinder, sollten sie keine Gymnasialempfehlung haben, an der Schenefelder Schule anzumelden. Dort erwartet die Kinder ein Super-Lehrerkollegium, hervorragende Räumlichkeiten mit allen notwendigen Fachräumen und einem guten Essen in einer freundlichen Mensa. Wir haben eine Schule vor Ort mit kurzen Verkehrswegen. Das ist doch das, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Lange Anfahrtswege in eine völlig überfüllte Schule können doch keine wirkliche Alternative sein. Für das Amt Schenefeld brauchen wir eine weiterführende Schule. Als Mutter einer Tochter in der dritten Klasse würde ich mich immer für die Schenefelder Schule entscheiden, schon um lange Busfahrten zu vermeiden und im Notfall schnell vor Ort sein zu können.

Christian Bork, Puls, Vater einer Tochter in der 9. Klasse: ,,Schon durch meine erste Tochter Michelle, die in Schenefeld eine hervorragende schulische Ausbildung erhalten hat und jetzt das RBZ in Itzehoe besucht, kann ich nur Gutes über unsere Gemeinschaftsschule berichten. Gleiches gilt für meine Tochter Mara, die zurzeit die neunte Klasse besucht. Als sehr angenehm empfindet unsere Familie die zum Glück nur kurzen Fahrten mit dem Schulbus und die meines Erachtens sehr gute Ausstattung der Schule. Ich bin der Meinung, dass sich unsere Schule im Vergleich mit anderen Gemeinschaftsschulen in keiner Weise verstecken muss.“

 




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