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Unterschriftenaktion : Kampf um den Erhalt des Juzes

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Förderverein des Jugendzentrums in Burg sammelt 700 Unterschriften. Damit soll für den Erhalt der Einrichtung gekämpft werden.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 05:01 Uhr

„Ich hoffe, dass sie den Tagesordnungspunkt 5 einfach von der Tagesordnung nehmen“, sagte Burgs Alt-Bürgermeister Hans-Peter von Osten beim jüngsten Treffen der Befürworter des Burger Jugendzentrums (Juze). „Betrieb des Jugendzentrums“, lautete der Tagesordnungspunkt, der derzeit für Aufregung im Luftkurort sorgt. Während ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr – die öffentliche Versammlung am morgigen Mittwoch ab 17.30 Uhr ist in den kleinen Saal der Bökelnburghalle verlegt worden – planen die Gemeindevertreter die Schließung des Burger Jugendzentrum.

Doch geht es nach von Osten, der 2002 den Neubau des Burger Jugendzentrums bewirkte, wird auch der kleine Saal nicht reichen. Zusammen mit dem ehemaligen Grünen aus dem Gemeinderat, Dietmar Steffens, organisiert von Osten derzeit den Widerstand gegen die Schließungspläne. Steffens gründete 1993 den Förderverein mit, der seit Aufstellung des Container-Juzes auf dem Pferdemarkt im Folgejahr, den Jugendlichen beisteht, Ausflüge, Ausstattung und Veranstaltungen mitträgt.

Vor wenigen Wochen, als die Schließungspläne der Politik bekannt wurden, kehrte Steffens zurück an die Spitze des Fördervereins. Burgs Gemeindevertreter hatten zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Weichen für die Juze-Schließung gestellt. Die Empfehlung war im Jugend- und Sportausschuss unter der Vorsitzenden Kerstin Dabelstein (SPD) getroffen worden. Am 18. September soll die Gemeindevertretung, ebenfalls im nicht öffentlichen Teil, die Empfehlung bestätigt haben. Allerdings ohne rechtliche Wirkung, da bei einer Einrichtungen der Jugendpflege zunächst die Betroffenen gehört werden müssen. Offiziell soll die Entscheidung zum Jugendzentrum nun laut Tagesordnung morgen fallen.

Welche Möglichkeiten noch Bestehen, die Meinung der Kommunalpolitiker zu ändern, ist offen, die Stimmung gegen das Jugendzentrum scheint deutlich. Es soll eine „geschlossene Front“ für die Schließung geben. Anlass für diesen radikalen Schritt soll die Summe mehrerer kleiner Vorfälle sein. Mal ging es um die Reinigung des Juzes, mal fehlte ein Türgriff, mal gab’s Zoff mit den Betreuern. In einem Fall sei sogar die Polizei zur Beruhigung der Situation gerufen worden.

Andererseits ist das Jugendzentrum der Ort, an dem Kinder und Jugendliche durch Erzieher und Leiter Thies Claußen und seine beiden Assistentinnen, Svenja Röhrl und Meike Halley, professionelle Ansprache erfahren. Besonders Claußen, von Anfang an dabei, weiß um die Nöte und Sorgen der Kinder. Er versteht es, ihnen positive Akzente und Denkanstöße zu vermitteln.

Den Gemeindevertretern stoßen inzwischen schon Kleinigkeiten auf. So monierten zwei Gemeindevertreterinnen kürzlich, dass Jugendliche die alten Möbel im Juze zu wenig achteten. Sie sahen, wie ein Junge über ein Sofa stieg. Hans-Peter von Osten hingegen bemängelt, dass die Gemeindevertreter noch nie im Juze getagt hätten. „Ich wünschte mir, die Gemeindevertreter würden vorbeischauen, um selbst zu erleben, was hier passiert“, sagte der ehemalige Bürgermeister, der mit dem Neubau 2002 auch ein klares Bekenntnis zur Fürsorgepflicht der Gemeinde für ihre Jugendlichen ablegte. Von Osten wie auch Steffens zeigten sich skeptisch bezüglich der morgigen Sitzung. Zum Auftakt sollen die Jugendlichen gehört, anschließend soll über die Zukunft des Jugendzentrums entschieden werden. Steffens will den Gemeindevertretern vor der Abstimmung die Unterschriftenlisten überreichen, die seit dem Weihnachtsmarkt in Burg auslagen. Rund 700 Bürger, darunter auch viele ältere, haben sich klar für den Erhalt des Juzes ausgesprochen.

Von Osten zeigte sich sachkundig, wie der Ablauf einer Befragung der Jugendlichen auf der anstehenden Sitzung aussehen sollte, damit ein Beschluss standfest ist. Die Aussagen der Jugendlichen sind zu protokollieren. Die Befragung sollte eine in der Jugendarbeit erfahrene Person vornehmen, zum Beispiel eine Mitarbeiterin des Jugendamts. Danach sollte man die gewonnenen Aussagen diskutieren. Dass direkt im Anschluss eine Entscheidung fallen soll, hält von Osten für kaum tragbar. „Die einzige Heilung wäre, dass man das ganze Verfahren von vorn anfängt“, lautete denn auch von Ostens Fazit. So hoffen er und Steffens, dass morgen Nachmittag die Entscheidung über die Juze-Zukunft von der Tagesordnung gestrichen wird. Dann könnten die Gemeindevertreter die gewonnene Zeit nutzen, um sich im Juze ein eigenes Bild von der Einrichtung zu machen.

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