Bildungspolitik : Kampf gegen Lehrermangel

Mit einem Info-Stand vor der Stadtkirche machte die Gewerkschaft GEW auf den landesweiten Missstand des Lehrkräftemangels aufmerksam: (v.l.) Tina Menzel, Birgit Rettmer, Lisa-Marie Silking, Heidrun Lorenzen-Schmidt, Kristina Gosemann, Heike Reese
Mit einem Info-Stand vor der Stadtkirche machte die Gewerkschaft GEW auf den landesweiten Missstand des Lehrkräftemangels aufmerksam: (v.l.) Tina Menzel, Birgit Rettmer, Lisa-Marie Silking, Heidrun Lorenzen-Schmidt, Kristina Gosemann, Heike Reese

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft informiert Bürger vor der Stadtkirche in Glückstadt.

shz.de von
04. Juni 2018, 05:26 Uhr

In der Bundesrepublik Deutschland herrscht akuter Lehrermangel. Auch in Glückstadt stellt sich die Situation zwar noch nicht dramatisch, „aber bei steigenden Schülerzahlen in jedem Fall bedrohlich“ dar. Das sagt Heike Reese, GEW-Kreisvorsitzende (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Auch hier werden unbedingt ausgebildete Lehrkräfte benötigt.

Auf den Missstand Lehrermangel macht die (GEW) mit landesweiten Aktionen aufmerksam. An einem Infostand konnten sich auch in Glückstadt Interessierte über den Stand der Dinge informieren.

„Besonders in den südlichen Kreisen und an der Westküste gelingt es schon seit längerem nicht mehr, befristete Verträge mit ausgebildeteten Lehrerinnen und Lehrern zu besetzen. Volle Planstellen bleiben unbesetzt“, sagt Heike Reese.

Auch in Glückstadt werden unbedingt ausgebildete Lehrkräfte benötigt. Auf Grund der Mangelsituation kommt es dazu, dass immer mehr branchenfremde Menschen Schüler und Schülerinnen unterrichten – ohne entsprechendes Hochschulstudium oder eine andere Qualifikation. Dieses verdeutlichte die GEW mit Figuren, die den Postboten als Sachkundelehrer, die Reisekauffrau als Mathematiklehrerin darstellten.

Heike Reese: „Begleitet werden sie dabei von den Lehrerinnen und Lehrern an unseren Schulen, die nicht nur ihren eigenen Unterricht vor- und nachbereiten müssen, sondern auch Unterricht und Beaufsichtigung dieser Lehrkräfte, die uns zur Seite gestellt werden und eine scheinbare Versorgung der Stellen gewährleisten.“

Diese mangelnde Wertschätzung sei laut GEW verletzend und demotivierend. „Die Politik hat schon vor Jahren versäumt, rechtzeitig und umfassend Lehrkräfte auszubilden und einzustellen“, stellt Heike Reese fest.

Als Mutter schilderte Birgit Rettmer aus Glückstadt die Situation. Ihre Tochter sei viele Monate durch den Ausfall einer Lehrkraft ausschließlich von Aushilfen unterrichtet worden: „Ein unerträglicher Zustand; das Lernziel war in Frage gestellt.“

Kristina Gosemann, Glückstädterin und Lehrerin in Wilster: „Wir als Lehrkräfte erreichen häufig die Grenze der Belastbarkeit durch Mehrfachbelegungen in den Unterrichten; dazu sollen wir Branchenfremde ausbilden und beaufsichtigen.“ Von einer qualifizierten Benotung der Schülerinnen und Schüler ganz zu schweigen.

Als Problem stelle sich auch dar, dass in Flächenländern junge Lehrkräfte eher in Ballungszentren bleiben als „aufs Dorf“ zu gehen. „Und“, so Heike Reese, „man muss auch die monetäre Situation beachten. Während andere Bundesländer die Besoldung der Lehrkräfte an Grundschulen angehoben haben, vertröstet das Land Schleswig-Holstein die Beschäftigten mit einer stufenweisen Anhebung bis zum Jahr 2026.“

Und zur Information der Bürger sagt Heike Reese: „Politik sollte niemals vergessen: Eltern sind auch Wähler.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen