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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 17:32 Uhr

Wasserwirtschaft : Kampf gegen den Schlick

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Crowdfunding soll helfen, dass genug Geld für das Ausbaggern des Hafens an der Störmündung bei Borsfleth zusammenkommt.

Bei Ebbe und Ostwind sieht man kein Wasser mehr im Hafen des Sport-Schipper-Vereins (SSV). Der idyllisch gelegene Hafen an der Störmündung gleicht einer Wüste aus Schlick. Durch seine Sackgassenlage muss der Hafen jährlich ausgebaggert werden. Die Kosten dafür betragen etwa 34  000 Euro. Durch besondere Umstände der vergangenen zwei Jahre, verbunden mit Zahlungsverpflichtungen, ist der Verein dieses Jahr nicht in der Lage, diesen finanziellen Brocken zu stemmen. Deshalb will der Verein mit einer speziellen Aktion das Geld zusammenbekommen. Auf der Online-Plattform „www.wir-bewegen.sh“ sollen Spender und Förderer mit Crowdfunding für das Projekt begeistert werden.

Auf der Spendenplattform der Investitionsbank Schleswig-Holstein läuft die Aktion „Wir bewegen Schleswig-Holstein“. Und darauf wirbt der Sportschipperverein um Spenden. SSV-Vorsitzender Ludger Walterbusch: „Mit der Investitionsbank, unterstützt von den Sparkassen, haben wir einen seriösen Partner. Keiner muss Angst haben, dass seine Spende anderweitig verwendet wird.“ Denn wenn die Projektsumme von 34  000 Euro bis zum 4. März nicht erreicht wird, werden die eingegangenen Spenden zurückgezahlt.

Bisher sind erst 5000 Euro zusammengekommen – 54 Unterstützer haben meist Beträge zwischen 50 und 200 Euro gespendet. Deshalb will Ludger Walterbusch die nächsten Tage noch mal zum „Klinkenputzen“ losgehen: „Bisher haben wir überwiegend anonyme Kleinspenden von Vereinsmitgliedern bekommen. Ich suche noch die Unterstützung von regionalen Firmen und Vereinigungen.“

Die Verschlickung des Hafens hängt mit dem Bau des Störsperrwerks zusammen. Der Bau zum Hochwasserschutz des Hinterlandes wurde 1975 fertiggestellt. Dafür nutzte man die grüne Wiese auf der Wilstermarschseite. Der Flusslauf wurde anschließend verschwenkt. Danach wurde die bisherige Mündung mit einem Deich verschlossen und es verblieb der alte Störarm in einer Sackgassenlage.

Das war auch der Anlass, den Segelsportverein zu gründen und einen Sportboothafen einzurichten. Der Verein hat zurzeit 106 Mitglieder und bietet Liegeplätze für hundert Boote. „In der Saison kommen noch 50 Gastlieger dazu, denn unser naturnaher Hafen ist beliebt als Zwischenstopp für Segler aus Hamburg, die in die Nordsee wollen. Wir liegen etwa auf halber Strecke dazwischen“, beschreibt Walterbusch die Bedeutung des Hafens.

Da es keinen Wasserdurchfluss gibt, lagern sich im Laufe des Jahres die aufgespülten Sedimente von Elbe und Stör hier ab. Langfristig erscheint ein Durchstich zum jetzigen Flusslauf sinnvoll. „Das ist aber noch Zukunftsmusik, denn dazu müssen wir mit einem Strömungsgutachten erstmal nachweisen, dass dieser Durchstich das Verschlickungsproblem tatsächlich lösen kann.“

Wie wird der Schlick entfernt? Meist wird von „Ausbaggern“ gesprochen, aber in Wirklichkeit kommt kein Bagger und verlädt den Schlick auf Schuten. Das eingesetzte spezialisierte Räumungsschiff „Jetsed“ arbeitet mit dem Wasserinjektionsverfahren. Mit Düsen wird Wasser in den Schlick gedrückt, sodass er beweglich wird, ohne sich bis zur Wasseroberfläche zu verteilen. Mit dem Tidenstrom läuft der Schlick dann in tiefere Gewässerzonen der Stör und letztlich in die Elbe zurück.

Um den Hafen wieder tideunabhängig zu machen, muss zwei Meter Schlick abgetragen werden – das sind 80  000 Kubikmeter. Die Arbeiten unterliegen aber einigen Auflagen der Landesplanung. Nach den Naturschutzrichtlinien muss die Maßnahme vor dem Beginn des Vogelfluges abgeschlossen sein, und das Wasser darf nicht wärmer als zwölf Grad sein. „Dadurch haben wir ein enges Zeitfenster bis Ende März.“ Für die vorbereitenden Arbeiten und die Genehmigungen steuert der Verein selbst 9500 Euro bei.

Ob die geplante Elbvertiefung weitere Einflüsse auf die Verschlickung haben wird, ist für Walterbusch noch unklar. Aber er zeigt sich skeptisch: „Durch die höhere Fließgeschwindigkeit des Wassers in der Elbe wird auch gröberes Material wie Sand aufgewirbelt und bei uns angespült. Das könnten wir dann mit dem bisherigen Verfahren nicht mehr wegspülen.“

Das Crowdfundig soll eine einmalige Aktion bleiben: „Normalerweise können wir das Ausbaggern aus unserem Hafenbetrieb selbst finanzieren. Für dieses Jahr appelliere ich aber an alle Freunde des Vereins, uns bei der Aktion unter die Arme zu greifen. Es gibt auch eine Spendenbescheinigung.“ Weitere Infos über den Verein können auf der Internetseite „www.ssv-borsfleth.de“ eingeholt werden.

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