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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 05:03 Uhr

Silvester : Kampf gegen Böller

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wolfgang Kroker wünscht sich mehr Rücksicht auf Senioren und Kinder

von
erstellt am 30.Dez.2013 | 11:45 Uhr

Böllerei zu Sylvester – für die einen ist die Begrüßung des neuen Jahres durch Raketen und Knallkörper eine unverzichtbare Tradition. Für die anderen schlicht eine lästige Krachmacherei. Längst ist der ursprüngliche Sinn, böse Geister zu vertreiben, verloren gegangen. Mit viel Glitzer, Farbe und Phonstärke geht es heute meist darum, das neue Jahr willkommen zu heißen.

„Niemand will den Menschen den Spaß an der Sylvesterfeier nehmen,“, sagt Wolfgang Kroker. Rücksicht genommen werden sollte nach Meinung des Kellinghuseners aber auf alte und kranke Menschen. Aus leidvoller Erfahrung weiß er, dass die Sylvesternacht für sie zur Qual werden kann. Eine betagte, kranke Angehörige litt sehr unter der nicht enden wollenden Beschallung durch Kracher und Donnerschläge. Seither bemüht der Pfarrer und ehemalige CDU-Ratsherr sich um eine Einschränkung der Sylvesterböllerei zumindest in der Nähe von Alten- und Seniorenunterkünften. Über eineinhalb Jahre ist er in der Sache am Ball. Seine Schreiben an verschiedene Adressaten und deren Antworten füllen eine fingerdicke Akte.

Einen Erfolg als Silberstreif am Horizont vermag der Kellinghusener aber nicht zu erkennen. Obwohl es eine gesetzliche Vorgabe gibt, die besondere Baulichkeiten wie Altenheime, Kindergärten und Kirchen schützt. „Dort darf im Umkreis von 200 Metern nicht geböllert werden“, sagt Kroker. Die Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates als höchstes europäisches Beschlussorgan habe auch die Bundesregierung in ihre Gesetzgebung aufgenommen. „Das nützt aber alles nichts, wenn die gesetzliche Vorlage nicht greift“, hat er feststellen müssen. Zum einen sei die Richtlinie mit dem sperrigen Namen „über das Inverkehrbringen pyrotechnischer Gegenstände“ vielfach gar nicht bekannt, zum anderen sei es gerade in der Sylvesternacht schwierig, sie in die Praxis umzusetzen.

Rat wusste auch die hiesige Europaparlamentarierin Britta Reimers nicht. Die FDP-Politikerin bestätigt in ihrer Antwort auf Krokers Brief zwar die Gesetzeslage und äußert Verständnis über sein Anliegen einer unangemessenen Verwendung von Feuerwerk und der daraus resultierenden Lärmbelästigung, verweist aber auf die Zuständigkeit von örtlicher Polizei und Ordnungsbehörde. Auch der Petitionsausschuss des Landtags, an den Kroker sich wandte, anerkennt die „rechtlich eindeutige Situation“ der ersten Sprengstoffverordnung und nennt als zuständige Behörde das Ordnungsamt. Mit der Einschränkung: „Wegen mangelnder Personalkapazität kann eine Ermittlung und Verfolgung von Verstößen nur selten erfolgversprechend durchgeführt werden.“ Nur ein kleiner Trost ist Kroker die Versicherung, dass die Polizeizentralstation Kellinghusen Beschwerden bezüglich der Schutzzonen in der Sylvesternacht eines jeden Jahres abgearbeitet würden. „Das die Polizei in der Nacht anderes zu tun hat, als die 200 Meter Zonen zu kontrollieren ist klar, die sind nicht in der Lage, da einen Schutzmann hinzustellen“, räumt Kroker ein. Mit einiger Verwunderung zitiert er jedoch aus einem Brief des Amtes Kellinghusen. „Die schreiben, dass sie nicht eingreifen können, weil der 31. Dezember ein dienstfreier Tag ist, soweit keine betriebliche Gründe dem entgegenstehen.“ Die Böllerei sei offenbar kein Grund, so Kroker. Vor diesem insgesamt enttäuschenden Hintergrund bleibe nur der Appell auf Rücksichtnahme an die Bevölkerung von Stadt und Land.

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