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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 02:54 Uhr

Kampf für vergessene Streuobstwiesen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Kellinghusen Projektleiter Frank Steiner hat Nachfragen nach Anpflanzungen aus dem ganzen Land.

von
erstellt am 01.Apr.2017 | 16:57 Uhr

Streuobstwiesen gehörten einst zum typischen Landschaftsbild – heute sich diese Kulturflächen fast verschwunden. Dagegen kämpft der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein mit seinem Projekt „Streuobstwiesen und Bienen“ an. Ausgehend vom Kreis Steinburg initiiert und fördert die Organisation das Anlegen von neuen Streuobstwiesen. Landesweit sind jetzt acht hinzugekommen, drei davon im Raum Kellinghusen. „Die Nachfrage nach Streuobstwiesenanpflanzungen aus dem gesamten Landesgebiet ist enorm hoch und übertraf unsere Erwartungen bei Weitem“, sagt Frank Steiner. Der Kellinghusener ist Projektleiter für Streuobst im Naturschutzbund Schleswig-Holstein und Länderkoordinator im entsprechenden Bundesfachausschuss Streuobst.

Mit finanzieller Unterstützung des Lebensmittelkonzerns Rewe, der die Anpflanzungen mit 17  000 Euro förderte, bereitete Steiner für dieses Jahr insgesamt 160 Obstbäume zum Einsetzen vor – allein 23 davon pflanzte das Ehepaar Ristau an seinem Hof in Wittenbergen. „Wir standen schon seit längerem in Kontakt und freuen uns, dass es jetzt geklappt hat“, sagt Esther Lahann-Ristau, die von Familie, Freunden sowie Garten- und Landschaftsbauer Lars Falk unterstützt wurde.

Für Michael Steiner ist es wichtig, Streuobstwiesen als wichtige Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Obstbaumpflanzungen seien zwischen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1940er Jahren in Schleswig-Holstein oft im Anschluss an bäuerlichen Gehöften noch zu Selbstversorgungszwecken vorgenommen worden. Doch der Wegfall der Eigenversorgungsfunktion, Rodungsprämien, Siedlungsdruck sowie die mangelnde, aber notwendige nachhaltige Pflege hätten zu empfindlichen Einbußen geführt. Ab Mitte der 1990er Jahre seien zwar wieder Obstbaumbestände angelegt worden, doch die jahrzehntelange Pflanzlücke sei dennoch nicht wieder ausgeglichen worden. Außerdem seien viele Bestände überaltert und würden absterben. „Wenn wir das Kulturgut erhalten wollen, müssen wir es jetzt pushen. Sonst verschwindet es.“ Das Hauptaugenmerk des Naturschutzbundes liegt dabei auf alte, regionale und lokale Sorten, die teilweise wiederentdeckt und neu veredelt worden seien, so Steiner. Dazu zählen der Altländer Jacobsapfel und der Poyenberger Waldapfel. Für Vielfalt hat sich auch die Familie Ristau in Wittenbergen entschieden. Dort gibt e jetzt nicht nur Äpfel der Sorten „Stine Lohmann“, „Boiken“ und „Knebusch“, sondern auch Maibigarreau-Kirschen und Birnen der Sorte „Prinzessin von Lübeck“. „Wichtig bei allem ist eine nachhaltige Pflege und der richtige schnitt“ sagt Steiner. Nur so würden sich der gewünschte Ertrag und Geschmack ergeben. Der Naturschutzbund Schleswig-Holstein unterstützt die Resthofbesitzer, Nebenerwerbs- oder Hobbylandwirte deshalb auch mit Pflanzvorführungen und Kursen zu Obstbaumschnitten, sodass die regelmäßig notwendige und nachhaltige Pflege der Bäume sichergestellt werde, betont Steiner. Interessenten könnten sich bei ihm melden. Auch wer selbst eine Streuobstwiese anlegen möchte, kann sich mit dem Streuobstexperten in Verbindung setzen.
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Kontakt: Frank Steiner, Projektleiter Streuobst Nabu Schleswig-Holstein, 04822/8398, E-Mail frank-steiner@gmx.de


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