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Landwirtschaft : Kaltes Wasser gegen Frostschäden

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Obstbauer Henning Harms fürchtet Ausfälle bei der Kirsch- und Apfelernte. Nächtliche Minus-Temperaturen lassen Blüten sterben

Bundesweit leiden zahllose Landwirte unter den Wetterunbilden der vergangenen Wochen. Wind und Kälte bedrohen die Ernte. Besonders hart getroffen hat es die Obstbauern. Einer von ihnen ist Henning Harms aus Krempdorf. Der 28-Jährige ist Herr über 580 Kirsch- sowie rund 40  000 Apfelbäume. Vor allem die jüngsten Nachtfröste bereiten ihm Sorge. „Und es könnten ja noch weitere folgen“, kommentiert Harms die aktuellen Wetterprognosen.

Harms Hof liegt direkt an der Dorfstraße. Nur wenige Schritte hinter dem Haupthaus befinden sich die Kirschbäume, die erst vor zwei Jahren gepflanzt wurden. „Da habe ich dieses Jahr sowieso noch nicht mit großem Ertrag gerechnet“, sagt der 28-Jährige und macht gute Miene zum bösen Wetterspiel. Denn die Kirschen begannen bereits am 10. April zu blühen, als sich für ein paar Tage der Frühling ankündigte. Was folgte, waren kalte Tage und Nächte mit Temperaturen deutlich unter null Grad.

Entsprechend sehen viele der Kirschblüten momentan aus. Schlaff hängen sie im Wind, der durch die kleinen Bäume peitscht. Harms ist dennoch optimistisch: „Die meisten Blüten könnten es sogar noch schaffen.“ Was der Frost nicht vollbracht hat, könnten die Bienen vollenden. Oder besser: die nicht vorhandenen Bienen. Denn den Insektenvölkern ist es zurzeit viel zu ungemütlich draußen, und so bleiben sie lieber in ihren Bienenstöcken, bis sich der echte Frühling zeigt.

Wirtschaftlich weit wichtiger als die Kirschen sind für Henning Harms die Äpfel. Um zu seinen Apfelbäumen zu gelangen, muss vom Hof aus erst einmal die Bahnlinie passiert werden. Dahinter erstrecken sich unzählige Baumreihen, die allesamt schon Blütenansätze zeigen. „So richtig los geht es wohl Ende April, Anfang Mai“, wagt der Obstbauer eine Prognose. Immer vorausgesetzt, das Wetter wird besser. Um irreparable Frostschäden zu verhindern, hat Harms in den jüngsten beiden Frostnächten Wasser auf die Apfelbäume regnen lassen. 35000 Liter pro Hektar und Stunde. 16 Hektar Äpfel besitzt Harms, besprüht wurde von Mitternacht bis 7.30 Uhr morgens.

Das kühle Wasser schützt die Bäume vor dem Frost. Klingt unlogisch, ist aber simple Physik und hat etwas mit der Änderung des Aggregat-Zustandes zu tun. Für den Krempdorfer waren es durchwachte Nächte, denn „bei der Maschine kann natürlich immer mal was passieren“. Und genau das galt es zu verhindern, schließlich hängt der Hof am späteren Apfel-Ertrag. „Versicherungen gibt es nur für Hagelschäden, nicht für Frost“, verrät der Landwirt. Trotz aller Gegenmaßnahmen werden die Minustemperaturen für Ausfälle sorgen. „Wie hoch der ausfällt, kann ich noch nicht abschätzen.“

Einen kleinen Teil der Apfelernte verkauft Harms direkt auf seinem Hof, der überwiegende Teil läuft über eine Erzeugergemeinschaft aus dem Alten Land. Die Kirschen will Harms, wenn sie denn einmal groß und ertragreich sind, komplett selbst vermarkten. Doch dafür muss das Wetter mitspielen. Als nächste Klippe gilt es, die Eisheiligen zu umschiffen. Dann sollte erst einmal Ruhe herrschen. Es sei denn, Hagel oder Schädlinge kommen dem Obst in die Quere. „Ich bin froh, wenn die Blüte durch ist“, gibt Harms zu. Wenn es soweit ist, schauen wir bei ihm übrigens wieder vorbei.

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