„Kahlschlag“ bei Flowserve Sihi

Den Mitarbeitern  von Flowserve Sihi weht harter Wind ins Gesicht. 100 Stellen sollen abgebaut werden.
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Den Mitarbeitern von Flowserve Sihi weht harter Wind ins Gesicht. 100 Stellen sollen abgebaut werden.

100 Stellen sollen gestrichen werden / Jeder fünfte Job bei dem Pumpenbauer in Gefahr

Andreas Olbertz. von
11. Juni 2020, 14:28 Uhr

Itzehoe | Es ist der erste größere Jobabbau in der Corona-Krise im Kreis Steinburg: 100 Stellen will der Pumpenbauer Flowserve Sihi abbauen – knapp 50 davon am Standort Itzehoe. Das Werk im nordfriesischen Tönning mit 45 Mitarbeitern soll komplett schließen, acht Stellen seien in Stuttgart betroffen, so hat es die IG Metall im Unternehmen erfahren. „Das ist ein Fünftel der Belegschaft bei Flowserve“, erklärt Kai Trulsson von der IG Metall Unterelbe: „Die Kolleginnen und Kollegen haben geahnt, dass was kommen wird, aber nicht in dem Umfang. Da war schon Entsetzen spürbar. Wir sind aber nicht bereit, das so hinzunehmen.“

Wie Trulsson erläutert, sei der Anlagenbau seit Jahren defizitär. „Das waren Managementfehler. Corona hat das jetzt noch mal beschleunigt“, so der Gewerkschaftssprecher: „Man will sich aus dem Anlagenbau verabschieden.“ Das werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen. „Das Öl- und Gasgeschäft bleibt vielleicht drei Jahre im Keller. Der Ölpreis wird aber doch nicht so niedrig bleiben, wie er jetzt ist“, ist Trulsson überzeugt. Es sei nachvollziehbar, dass Öl-Konzerne ihre Investitionen zurückstellten. Trulsson: „Wenn es wieder anläuft, wird Flowserve nicht mehr dabei sein. Wenn das Know-How erst mal weg ist, war es das.“

Angekündigt sei der Abbau von 100 Stellen. Kai Trulsson erläutert: „Die sprechen ja von FTE – also Fulltime-Equivalent. Mit Teilzeitstellen kann das am Ende auch 110 Köpfe bedeuten.“ Was den Gewerkschafter besonders ärgert: „Die Bundesregierung ist bemüht, in der Krise so viele Jobs wie möglich zu retten und hier wird mal eben abgebaut. Dann hilft auch kein Konjunkturpaket mehr.“

Gewerkschaft und Betriebsrat wollen mit der Geschäftsführung über andere Maßnahmen verhandeln. „Kurzarbeit und Arbeitszeitabsenkungen müssen in dieser Situation Vorrang haben vor einem kurzsichtigen Kahlschlag beim Personal“, so Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg mit Blick vor allem auf Tönning: „Wir erwarten von der Unternehmensleitung, mit uns in einen ernsthaften Dialog über Alternativen zum Personalabbau zu treten. Wir benötigen ein Konzept für die Zeit nach der Krise, um das Know-How aller Beschäftigten in Itzehoe und Tönning zu sichern.“ Dabei gebe man sich nicht der Illusion hin, durch Verhandlungen alle Kündigungen verhindern zu können. Trulsson ergänzt: „Das ist ein amerikanischer Konzern. Da drüben weiß man doch gar nicht, was es hier an Arbeitsmarktinstrumenten gibt.“

Die Gewerkschaft werde die Geschäftsführung zu Verhandlungen über einen Sozialtarif auffordern. Die Kampfbereitschaft der Mitglieder sei sehr hoch. „Vor allem in Tönning“, so Trulsson, „die haben ja nichts mehr zu verlieren.“

Wegen Corona kann die Belegschaft nicht komplett während einer Betriebsversammlung informiert werden. Da man auf eine Videokonferenz bewusst verzichtet habe, bekomme Abteilung für Abteilung die schlechten Nachrichten jeweils in kleinem Rahmen überbracht. In Tönning wurde am Mittwoch der Anfang gemacht. Gestern waren die Itzehoer an der Reihe. Die Geschäftsführung war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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