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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 01:36 Uhr

Gesellschaft : Kämpfer für die Inklusion

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ron Paustian aus Buchholz setzt sich seit langem für die Integration von Menschen mit Handicap ein. Neues Projekt ist ein Inklusionsbüro.

„Mein Leben lässt sich derzeit am besten mit einer rasanten Achterbahnfahrt beschreiben, bei der es ständig auf und ab geht“, sagt Ron Paustian. Mit seinem Inklusionsprojekt „New Metal Media“ wurde der 38 Jahre alte Familienvater aus dem Dithmarscher Buchholz für den diesjährigen Deutschen Bürgerpreis Schleswig-Holstein nominiert. Für den Sieg reichte es am Ende jedoch nicht. Ausgezeichnet wurde ein Theaterstück mit Flüchtlingen. „Natürlich ist etwas Enttäuschung vorhanden. Wenn man es auf die Nominierungsliste geschafft hat, dann möchte man selbstverständlich auch die Auszeichnung für sein ehrenamtliches Engagement mit nach Hause nehmen“, sagt der gelernte Bürokaufmann. Doch jetzt konzentriert er sich auf ein anderes Projekt.

Aufgrund einer schizophrenen Erkrankung gilt Ron Paustian selber seit einigen Jahren als berufsunfähig. Seine Inklusionsarbeit ist für ihn zu so etwas wie eine Lebensaufgabe geworden. In ihr steckt sein Herzblut. Seit über sechs Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für Menschen mit Behinderungen. Das vermittelt ihm das Gefühl, trotz seines Handicaps weiterhin ein gleichberechtigter Teil in der Gesellschaft zu sein. „Für Menschen, die mir nahestehen wollen, ist es nicht immer einfach. Meiner Frau wurde dies zu viel. Sie hat für sich die Reißleine gezogen und geht nun losgelöst von mir, einen anderen Weg, was ich durchaus nachvollziehen kann“, erzählt Ron Paustian offen.

Doch seine ehrenamtliche Arbeit steht auf der Prioritätenliste derzeit nun einmal ganz oben. Insbesondere, da er gerade dabei ist, neben „New Metal Media“ weitere Inklusionsprojekte auf den Weg zu bringen. Sein wichtigstes Vorhaben ist die Gründung eines Inklusionsbüros in Itzehoe. Dieses soll im Februar mit ihm als ehrenamtlichem Geschäftsführer an der Spitze eröffnet werden. Vier Vollzeitarbeitsplätze werden geschaffen. Zwei für Menschen mit Behinderungen. „Eigentlich wollte ich dieses Konzept erst in drei Jahren angehen, doch manchmal kommt es im Leben eben anders, als man denkt.“

Bei einem Businessplanwettbewerb für soziale Organisationen hatte sich Paustian mit seiner Idee für ein Inklusionsbüro „einfach mal eingeschrieben“. Die Jury des gemeinnützigen Vereins „Startsocial“, der sich aus Unternehmern zusammensetzt, die unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel soziale Projekte unterstützen, erkannten das Potenzial seiner Idee. Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ erhielt er daraufhin ein viermonatiges Beratungsstipendium. Gemeinsam mit Experten aus der Wirtschaft, dem öffentlichen Sektor und dem Non-Profit-Bereich arbeitet der Buchholzer seit einigen Wochen an der Weiterentwicklung und Realisierung seiner Idee. Ganz eng gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit der Hamburger Redakteurin des Magazins „Geo“, Hanne Tügel, und dem Leiter der Unternehmensentwicklung der Itzehoer Softwareschmiede Stehli Software Dataworks GmbH, Daniel Schultz. „Es ist ganz unglaublich, welches Ausmaß meine Idee plötzlich unter dem Beistand der beiden Experten annimmt. Darauf war ich gar nicht eingestellt“, sagt Paustian.

Begeistert von der Entwicklung zeigt sich auch Cathleen Münzberg. Gemeinsam teilen sie die Leidenschaft für Musik der etwas härteren Gangart. Über die Musik haben sie sich kennen gelernt, sind zu Freunden geworden. Ab und an schreibt sie Konzertberichte für seine Internetseite New-Metal-Media. Vertrauensvoll wandte sich Ron Paustian an Cathleen Münzberg, als die Pläne der Gründung eines Inklusionsbüros Form annahmen. „Mich beeindruckt es enorm, wie enthusiastisch Ron an die Sache herangeht. Als er mich fragte, ob ich ihm bei der Gründung helfen könnte, konnte ich dies einfach nicht verneinen“, erläutert die Hamburgerin ihre Beweggründe, ihre Freizeit in den Dienst des guten Freundes zu stellen.

„Obwohl sich die Unternehmung noch in der Gründungsphase befindet, haben wir schon erste Anfragen aus Brandenburg. Dort sollen wir ehrenamtliche Helfer für die Inklusionsarbeit schulen“, zeigt sich Ron Paustian überrascht über die Wellen, die seine Idee bereits schlägt. Durch seinen Sitz im Inklusionsnetzwerk Steinburg sowie seine erfolgreichen, in dieser Form bislang einmaligen Internetprojekte „New Metal Media“ und „Inklusion muss laut sein“ unterhält Ron Paustian unzählige Kontakte. Über diese verbreiten sich Neuigkeiten schnell.

>Infos: www.ne-metal-media.de


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