Jugendzentrum : JuZe für Viele ein Familienersatz

Sie sind praktisch die JuZe-Eltern:Thies Claußen und Assistentin Meike Halley.
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Sie sind praktisch die JuZe-Eltern:Thies Claußen und Assistentin Meike Halley.

Jugendliche fürchten, dass das Burger Jugendzentrum zum 1. Januar geschlossen wird. Am 18. Dezember sollen die Nutzer des JuZe im Gemeinderat zu Wort kommen.

shz.de von
04. November 2013, 11:45 Uhr

Die Besucher des Burger Jugendzentrums (JuZe) haben Angst um ihr ,,zweites Zuhause“, wie viele von ihnen das vor neun Jahren extra für Burgs Jugend über dem FC-Heim am Sportplatz gebaute JuZe nennen. Denn der Jugendtreff steht plötzlich zur Disposition, die Schließung droht.

Rückblick: 1995 hatte Burgs späterer Bürgermeister Georg Herwig einen großen Container für wenig Geld besorgt. Den stellte man als Burgs neues Jugendzentrum auf dem Pferdemarkt auf. Ein Anwohner störte sich jedoch daran und brannte das JuZe am 28. April 2001 nieder. Am 29. April 2005 eröffnete Bürgermeister Peter von Osten das neue JuZe über dem FC-Heim am Sportplatz. Das wollen Burgs Politiker nun zum 1. Januar 2014 schließen.

Die Empfehlung dazu fiel bereits im August im nicht-öffentlichen Teil des Jugend- und Sportausschusses. Vordergründig wurden einige Zwischenfälle angeführt, bei denen offenbar sogar die Polizei anrücken musste. Tatsächlich dürfte Burgs finanzielle Schieflage der wahre Grund sein, denn der Luftkurort geht mit fast einer halben Million Minus ins Jahr 2014 und wird dann aller Voraussicht nach Fehlbedarfsempfänger, wie es Marne und Brunsbüttel seit längerem sind. Eine Schließung der dortigen Jugendzentren steht nicht an.

Es gäbe ein breitgefächertes Angebot der Burger Vereine, da würde jeder etwas finden, lautet das Argument der Burger Gemeindevertreter, warum man kein JuZe in Burg mehr brauche.

Oft sind es Kinder aus sozial schwachen Familien, die in JuZe-Leiter Claußen und seinen Assistentinnen Meike Halley und Svenja Röhrl Gehör und Zuspruch finden. Und: Das Jugendzentrum schafft Raum für eine Auszeit vom Familienalltag. Viele Jungen und Mädchen kommen auch aus ganz normalen Familien. ,,In 18 Jahren habe ich hier mindestens 2000 Jugendliche kennen gelernt“, sagt Claußen.

,,Gerade in diesem Jahr läuft das JuZe gut. Im ersten Halbjahr haben wir täglich 30 bis 50 Kinder und Jugendliche begrüßen können“, sagt der 51-jährige Erzieher, der den Burger Jugendtreff seit 1995 leitet. Drogen- und Aidsprävention sind Dauerthemen. Hierzu kommen alljährlich Referenten. Doch auch auf das Internet haben die Verantwortlichen einen Blick. Besonders beliebt ist die monatliche Disko. Im Mai erst erhielt das JuZe eine neue Musikanlage. DJ Mark Hallenga erweist sich als professionell im Umgang mit der Technik. ,,Es ist doof, das das JuZe geschlossen wird. Alle, die Zuhause Stress haben, kommen her und reden mit Thies, er baut sie wieder auf.“ Am Freitag war wieder wieder ein Diskoabend. Einige Mädchen hatten sogar einen Auftritt einstudiert.

In der Küche standen Claußen und Halley beim Pizzabacken. Durch die große Durchreiche haben die Erzieher alles fest im Blick dabei. 500 Euro Kochzuschuss hat die Gemeinde dem JuZe 2013 gewährt. Claußen sieht auf den Cent: Für 20 Euro müssen auch 20 Personen satt werden, lautet sein Motto. Zum Pizzaessen kamen auch die Fußballer des JuZe. Sie hatten wie jeden Freitag in der kleinen Turnhalle trainiert.

Dann hatte die Mädchengruppe ihren großen Auftritt. Die Stimmung unter den 40 Kindern und Jugendlichen war ausgelassen. Patrick Tank (17) hatte ein wachsames Auge darauf, das niemand Alkohol konsumiert. Der Bau- und Metallmalerlehrling hilft seit Jahren mit in ,,seinem“ Jugendtreff. ,,Hier ist immer gute Laune, mit Betreuerin Svenja können wir immer über alles reden“, sagte Lena Arndt (15). ,,So oft wir können sind wir hier“, fügte Pascal Braun (17) hinzu.

Gibt es noch eine Hoffnungsschimmer für Burgs Jugend? ,,Am 18. Dezember findet die Gemeindevertretersitzung im kleinen Saal der Bökelnburghalle statt. Dort haben die Jugendlichen Gelegenheit, sich noch einmal zum JuZe zu äußern. Anschließend wird entschieden ob und wann geschlossen wird“, sagt Bürgermeister Hermann Puck. ,,Fest steht es noch nicht“, betont Rolf Ladwig (SPD).

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