Jungjäger im Kreis Steinburg legen „grünes Abitur“ ab

Nachwuchs für die Jägerschaft: Die frischgebackenen Jungjäger mit ihren Ausbildern und Prüfern nach der Verleihung der Urkunden.
Nachwuchs für die Jägerschaft: Die frischgebackenen Jungjäger mit ihren Ausbildern und Prüfern nach der Verleihung der Urkunden.

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22. Mai 2015, 17:14 Uhr

Am Ende des langen Prüfungstages war die Erschöpfung nicht nur den Teilnehmern des diesjährigen Jäger-Kurses im Kreis Steinburg deutlich anzusehen. Auch die Mitglieder der Prüfkommission, die die 14 Kandidaten auf den Jagdschein in der Gastwirtschaft „Zur Linde“ in Herzhorn schriftlich und mündlich geprüft hatten, waren geschafft: „Jetzt reicht es auch“, sagte Prüferin Maren Uecker-Rohweder.

Dass die Jägerprüfung kein Selbstgänger ist, zeigt auch das Ergebnis: Hatten die praktische Schießprüfung noch alle angehenden 14 Prüflinge bestanden, konnten zwei Kandidaten in der theoretischen Prüfung die Prüfkommission unter Leitung von Kreisjägermeister Matthias Sagebiel nicht von ihrer Befähigung zum Führen des Jagdscheines überzeugen. Sie können die Prüfung binnen eines Jahres wiederholen.

Die anderen zwölf Kandidaten konnten stolz ihre Urkunden entgegen nehmen. In über 300 Stunden Unterricht hatten sie sich ein halbes Jahr lang auf die Prüfung vorbereitet, die nicht umsonst häufig als „grünes Abitur“ bezeichnet wird. Der Stoff ist enorm vielseitig und reicht von Themen wie Lebensmittelhygiene über Waffenkunde bis hin zur Gesundheitsvorsorge bei Jagdhunden. Größte Hürde aus Sicht von Prüfer Sagebiel: die juristischen Feinheiten des Jagd- und Naturschutzrechtes. „Stoffmäßig ist das gar nicht das umfangreichste Fach. Bei der Wildtierkunde ist beispielsweise deutlich mehr zu lernen“, sagt der Kreisjägermeister. „Aber das fällt vielen Anwärtern auch leichter: Ein Dachs ist immer ein Dachs, während die Paragrafen hochkomplex sind und sich oft auch noch in den letzten Jahren mehrfach geändert haben.“

Um reines Auswendiglernen von Wissen soll es aber ohnehin nicht gehen in der Jägerausbildung. „Wir lehren immer anwendungsorientiert und versuchen die Ausbildung so praxisnah wie möglich zu gestalten“, sagt Kursleiter Christian Rosenow, der mit sieben anderen Ausbildern die angehenden Jäger schulte. Beispielsweise lernten die Teilnehmer die verschiedenen Jagdhunde auf einer Exkursion aus nächster Nähe bei der Arbeit, etwa bei der Bau- oder Schweißarbeit, kennen. Und die eigentliche Lehrzeit der Teilnehmer fange sowieso erst an, wenn sie jetzt in den Revieren unterwegs sein werden, gab Matthias Sagebiel den Prüflingen mit auf den Weg. Sven Heesch, Vorsitzender der gut 1000 Steinburger Jäger, appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der neuen Waidleute: „Sie sind nun berechtigt, der Natur eine Kreatur zu entnehmen. Gehen Sie stets achtsam mit der Verantwortung um. Es geht immer um Leben und Tod.“

Erfreut zeigten sich die Vorstandsmitglieder der Kreisjägerschaft über den steigenden Anteil der jugendlichen Kursteilnehmer – auch wenn der Jahrgang insgesamt etwas kleiner ausfiel als in den vergangenen Jahren.

Die jüngste war in diesem Jahr Jana Suhr aus Brokdorf. Als 16-Jährige bekommt sie nun zunächst von der Jagdbehörde einen Jugendjagdschein, der mit dem Führerschein mit 17 vergleichbar ist: Sie darf noch nicht selbstständig eine Schusswaffe führen, kann aber in Begleitung eines älteren Jägers bereits an bestimmten Jagden teilnehmen. Mit Erreichen der Volljährigkeit kann sie dann ohne weitere Prüfung den Jagdschein beantragen. Jana Suhr war auch die einzige weibliche Kursteilnehmerin dieses Jahrgangs – und fühlte sich als „Küken“, wie sie selbst sagt, wohl in der Männergemeinschaft: „Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt wie wir in den vergangenen Monaten, wird man schon fast so was wie eine Familie.

> Die Prüfung bestanden haben: Jana Suhr, Tim Garbers, Christoph Schnöwitz, Savio Dias, Martin Reich, Rainer Schipmann, Ernst-Robert Fischer, Torben Fischer, Jonas Karstens, Stefan Michaelis, Henning Harms, Oliver Liskow.

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