Jugger - die Jagd nach dem Hundeschädel

Gut ausgerüstet in den Kampf (v. li): Florian Reimers, Mathes, Justin, Finn, Herwig, Simon, Lars, Jean Lûc und Thore sowie (vorne Mitte) Joshua, Nikita und Lehrer Kai Gruber. Foto: brandao
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Gut ausgerüstet in den Kampf (v. li): Florian Reimers, Mathes, Justin, Finn, Herwig, Simon, Lars, Jean Lûc und Thore sowie (vorne Mitte) Joshua, Nikita und Lehrer Kai Gruber. Foto: brandao

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25. September 2012, 06:58 Uhr

itzehoe | "Drei, zwei, eins...Jugger!" Auf Kommando stürmen rund zwölf Mann mit ohrenbetäubendem Gebrüll aufeinander zu. Ihre Mission: Den Hundeschädel, der in der Mitte des Spielfeldes liegt, auf dem Mal der gegnerischen Seite zu platzieren.

Was im ersten Moment wie die Szene aus einem mittelalterlichen Gladiatorenkampf wirkt, ist in Wirklichkeit ein Spiel. "Jugger" heißt der Mannschaftssport, bei dem es nicht nur um Ausdauer und Geschicklichkeit, sondern auch um Taktik und Strategie geht. Das Spiel ist einer von 15 neuen Kursen, die im Rahmen des Ganztagsangebotes am Sophie-Scholl-Gymnasium stattfinden, und bei den Schülern der absolute Renner. "Wir mussten aus einem sogar zwei Kurse machen, weil wir so viele Anmeldungen hatten", freut sich Schulleiterin Angelika Hartmann.

Seinen Ursprung hat das "Juggern" in der Rollenspieler-Szene. Basierend auf dem gleichnamigen Film aus den 1980er Jahren adaptierten einige Rollenspieler rund zehn Jahre später das Prinzip des Films und kreierten daraus ein Spiel. Zwei Mannschaften mit je fünf Spielern versuchen, den "Jugg" (Spielball) in Form eines Hundeschädels in das Mal der anderen Mannschaft zu spielen. Die Gegenspieler versuchen dabei, sie mit den so genannten "Pompfen" - gepolsterten Sportgeräten - sowie Schutzschilden und Ketten, daran zu hindern. Obwohl es zunächst wie Kampfsport wirkt, ist die Sache weitgehend ungefährlich. Statt zu schlagen, werden die Treffer durch das bloße Berühren des Gegners erzielt. Wer erwischt wird, darf sich mindestens acht Sekunden lang nicht bewegen.

Den richtigen Durchbruch hatte der Mannschaftssport bisher nicht - dabei finden bereits seit 1998 deutsche Meisterschaften statt, seit 2006 ist "Jugger" sogar eine anerkannte Sportart. Seit einigen Jahren findet das martialisch anmutende, jedoch harmlose Spiel Einzug in immer mehr Schulen. Der Sport ist nicht nur neu und unkonventionell und deshalb bei jungen Leuten beliebt, sondern eignet sich auch besonders gut zur Aggressionsprävention. Denn: "Fairness ist dabei enorm wichtig, und man kann nur als Mannschaft gewinnen", sagt Lehrer Kai Gruber, der den Kurs zusammen mit dem Sozialpädagogen Florian Reimers leitet. Ein Grund, warum es auch der "Sport der Gentlemen" genannt werde, fügt er hinzu.

Ob es nun am Kampfgeschrei oder an der gladiatorenartigen Ausrüstung liegt - bisher haben sich fast nur Jungs für den Kurs angemeldet. "Es kann eigentlich wunderbar auch von Mädchen gespielt werden, weil es überhaupt nicht auf Kraft ankommt", erklärt Gruber. Die Jungs jedenfalls scheinen eine neue Trendsportart entdeckt zu haben. "Ich hab das vorher schon mal bei Galileo gesehen und wollte das unbedingt ausprobieren", sagt der zwölfjährige Nikita. Eigentlich spielt er eher Volleyball oder Fußball, aber seit diesem Kurs ist er im "Jugger"-Fieber.

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