zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 18:51 Uhr

Jugendherbergen droht Finanzloch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einig waren sie sich alle – die Jugendherberge in Glückstadt ist ein Glücksfall. Nur die Konsequenzen aus der großen Politik sind ein Unsicherheitsfaktor. Denn als der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann aus Pinneberg die Einrichtung auf Einladung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) besuchte, um sich vor Ort ein Bild über Arbeit und Zukunft zu machen, geschah dies unter dem Eindruck des drohenden Verlustes von Vergünstigungen.

Nach Beschwerden bei der EU sind Gemeinnützigkeit und Steuerbefreiung sowie die Gewährung von Beihilfen für Baumaßnahmen bei Jugendherbergen gefährdet. Darüber zeigte sich Volker Lüchau, Vorsitzender des Kreisverbands Steinburg/Pinneberg, sehr besorgt. Grund der Sorge ist die Hostelkette „A&O“ aus Berlin von Betreiber Oliver Winter, die 25 Hostels und Hotels betreibt. Das Unternehmen sah sich benachteiligt, da sie Steuern bezahlen muss, während Jugendherbergen wegen ihrer Gemeinnützigkeit davon befreit sind. Dagegen klagte er bei der EU.

Etwas Entwarnung gab der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann. „Für die Fördergelder kann ich die gute Nachricht überbringen. Die Jugendherbergen dürfen nach einer Stellungnahme der EU-Kommission weiter den Status der Gemeinnützigkeit behalten“, sagte er. „Das hat uns aber nur zur Hälfte gefreut, denn der zweite Teilaspekt, ob bauliche Subventionen als indirekte Beihilfe auch unter die Gemeinnützigkeit fallen, wurde noch nicht entschieden.“

Für Helmut Reichmann, Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Nordmark, ist die Förderung aber notwendig. Den Bedarf des gesamten Landesverbandes Nordmark bis nach Niedersachsen hinein bezifferte er auf 44 Millionen Euro, der überwiegend in die Modernisierung fließen müsse, zumal die „Halbwertzeit“, zu der Gebäude noch baulich „up to date“ seien, sich von früher 35 Jahren auf heute zehn bis 15 Jahren verkürzt habe.

Als Beispiel für eine gelungene Jugendherberge wurde Glückstadt hervorgehoben. „Der Standort mit Hafenblick ist hoch attraktiv“, sagte Reichmann. Und Jugendherbergsleiter Jörg Schönberger konstatierte: „Wir befinden uns im Vergleich unter den Top Ten in Schleswig-Holstein.“ Dass ein derartiger Erfolg am Anfang nicht erkennbar und ein Risiko für die Betreiber war, darauf wies Harry Strößner aus dem DJH-Kreisverband hin.

Mit Blick auf all diese Entwicklungen sagte Dr. Ernst Dieter Rossmann: „Wir müssen der EU verdeutlichen, dass Investitionszuschüsse keine Wettbewerbsverzerrung sind, sondern dem Erhalt der Jugendbeihilfe dienen. Ich finde, wenn die EU populär bleiben soll, muss sie für die Menschen da sein und die Gemeinnützigkeit weiter pflegen.“ Er werde das auch weiterhin bei seinen Kollegen in der Politik ansprechen. „Wenn klar ist, dass es in Glückstadt weiter bauliche Unterstützung gibt, dann wäre schon ein ganz schönes Stück geschafft.“

zur Startseite

von
erstellt am 12.Feb.2015 | 15:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen