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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 19:04 Uhr

Grossbrand : Jugendbande als Brandstifter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heide: Mindestens ein Verdächtiger soll der Feuerwehr angehören. Bei der Suche nach einer Übergangslösung für den Sport sind Hallen der Bundeswehr im Gespräch.

„Der Turnhallenbrand in Heide haut den Alltagsbetrieb im Rathaus um“, das erklärte Bürgermeister Ulf Stecher am Morgen nach dem Großbrand in einer offiziellen Lagebesprechung. Manch anderes Thema würde nun erstmal liegen bleiben. Doch bereits 48 Stunden nachdem in Heide wieder einmal die Sirenen tönten, konnte er mit einem konkreten Arbeitsplan an die Öffentlichkeit gehen und auch ein Wunschzettel der beiden Schulleiter Günter Orgis (Gemeinschaftsschule) und Gerhard Thomas (Gymnasium) traf auf offene Ohren.

Denn noch während die Feuerwehr gestern in der Friedrich-Evers–Straße literweise Löschwasser auf die zähen Brandherde in den Turnhallentrümmern pumpten, hatten sich bereits alle betroffenen Abteilungen und Ausschüsse im Rathaus zusammengesetzt und fieberhaft mit den Folgen beschäftigt. Gleichzeitig liefen die Ermittlungen der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Insgesamt fünf neue Tatverdächtige wurden ermittelt, gegen drei Jugendliche (zwischen 17 und 19 Jahren) wurde noch gestern Vormittag Haftbefehl erlassen. Die Polizei geht davon aus, dass eine Tätergruppe von mindestens sieben jungen Erwachsenen in wechselnden Konstellationen für die Heider-Feuerserie verantwortlich gemacht werden kann. Angefangen mit brennenden Mülltonnen am Berufsbildungszentrum am 18. August über den Großbrand in einer Lagerhalle mit etwa 2500 Strohballen in der Dorfstraße bis hin zu dem Millionenschaden am Schulzentrum Heide-Ost, gehen wohl 16 Brände auf das Konto der Jugendbande, von denen mindestens ein Tatverdächtiger offenbar aus den Reihen der Feuerwehr stammt.

Im Rathaus wollte man sich dazu gestern zunächst nicht äußern. Bürgermeister Ulf Stecher betonte die herausragende Arbeit der Feuerwehrleute mit ihrem Wehrführer André Eichert. Seine Arbeit sei hochprofessionell. „Eine Berufsfeuerwehr hätte es nicht besser machen können“, erklärte er.

Was die Ermittlungen der Täter betreffe warte man auf eine offizielle Stellungnahme der Polizei. Doch Gerüchten aus dem Internet darüber, dass alle Brände auf der Karte möglicherweise ein Hakenkreuzbild ergeben könnten, wollte er keinen Platz einräumen. Das sei Spekulation und in seinen Augen „totaler Quatsch“.

Im Rathaus kamen andere Fragen auf den Tisch. Hier wurde konkret über den Folgen der abgebrannten Turnhalle gebrütet. Das Hallenzentrum hatte in der Kreisstadt mit einer Auslastung von nahezu 100 Prozent große Bedeutung für den Schul- und Vereinssport und auch die Frage der Trümmerentsorgung stellt sich der Stadt. Vor allem müsse die Heizungsanlage am Schulzentrum innerhalb der Schulferien wieder zum Laufen gebracht werden. Solange das Schulgelände als Brandstätte eingestuft ist, ist der Strom abgestellt. Nun muss alles wieder auf Vordermann gebracht werden, damit dort in zwei Wochen wieder regulär der Unterricht stattfinden kann. Hiermit haben nun Torsten Lütjens und seine Kollegen vom städtischen Gebäudemanagement alle Hände voll zu tun.

Neben der Gewährleistung, dass der Unterricht nach den Herbstferien wieder stattfinden kann, sieht sich Ulf Stecher mit seinen Mitarbeitern im Rathaus vor der Herausforderung, eine auf bis zu drei Jahre ausgelegte Übergangslösung, primär für den Schulsport und auch für den Vereinssport zusammenzustellen. Es könne nicht sein, dass die Schulen am Standort Heide-Ost in die Röhre gucken, während sich an den anderen Schulen nichts ändere, so Stecher. Die bestehenden Hallenkapazitäten sollen neu aufgeteilt werden, auch die Mitnutzung von zwei Hallen der Bundeswehr sei konkret im Gespräch.

Damit die Schüler die Ausweichsportstätten erreichen können, werden Busse nötig sein. Die Stadt arbeite an der Lösung dieses logistischen Problems.

Darüber freuten sich die Schulleiter beider Schulen. Günter Orgis kam direkt aus einer Sportlehrerkonferenz. „Wir möchten, dass in jeder Klasse Sport gemacht wird, nicht nur die Kleinen oder die Großen. Sport hat eine wichtige Funktion“, sagte er und stellte auch erste Ideen vor, wie dies möglich sein könnte: Mehr Schwimmunterricht oder Tanzunterricht in den Klassenräumen gehörten zu den ersten kreativen Ideen. Gerhard Thomas stand vor einem anderen Problem. Seine Schüler brauchen den Sportunterricht für die Zulassung zum Abitur. Auch stehe eine Examensprüfung einer Sportreferendarin an. „Es wird Einschränkungen geben. Aber wir sind bemüht, diese möglichst gering zu halten“, erklärte Ulf Stecher. Doch langfristig sollen die Schulen profitieren: Stecher möchte Schritt für Schritt zu einem modernen, neuen Sportzentrum am Standort Heide-Ost kommen, das auf dem Stand von 2016 gebaut werden soll. Gutachter prüfen zunächst, ob ob die Nordhalle noch zu halten ist. Das sei entscheidend für den politischen Prozess. Sollte die Halle nicht saniert werden können, müssen Pläne geschrieben und Ausschreibungen geführt werden. Vor Herbst nächsten Jahres rechnet der Bürgermeister mit keinem Ergebnis. „Ich werde die Kommunalpolitik Heide nicht unter Druck setzen, so eine weit greifende Entscheidung zu fällen“, betonte er. Insgesamt rechnet die Stadt mit einer Summe von 3 Millionen Euro, für einen Neubau des Sportzentrums samt Ausstattung. Der Schaden könne sich durch die Entsorgungsarbeiten stark steigern, wenn beispielsweise das komplette Erdreich ausgetauscht werden muss.

 

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erstellt am 11.Okt.2014 | 08:00 Uhr

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