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Jugend in der DDR: Schüler sprechen mit Zeitzeugen

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Brunsbütteler Volkshochschule setzt Ausstellungsreihe zu zeitgeschichtlichen Themen fort

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Es ist schwer vorstellbar, dass im anderen Teil Deutschlands schon lange Haare als nicht staatskonformes Merkmal galten - und in letzter Konsequenz sogar berufliche Perspektiven kosten konnten. Wer dem System signalisierte, dass er westlich orientiert ist und nicht alles kritiklos hinnimmt, musste mit der Ausbürgerung rechnen - auch als Jugendlicher. Diesem Thema widmet sich seit gestern eine zeitgeschichtliche Ausstellung der Brunsbütteler Volkshochschule im Elbeforum.

Schleusenstadt und "Jugend-Opposition in der DDR" - wie passt das zusammen? Für VHS-Chefin Elke Heidrun Schmidt-Wessel ist das ganz einfach: "Politische Bildung gehört zu unserem Auftrag." Und da habe die Brunsbütteler Volkshochschule schon mehrfach interessante und erfolgreiche Ausstellungen auf die Beine gestellt, erinnert sie. Die jetzige passe gut in die Zeit um den 17. Juni 1953, als in der DDR ein Protest mit Hilfe der Sowjetarmee niedergeschlagen wurde. Schon damals ging es um die Intoleranz des Systems. Überhöhte Arbeitsnormen ließen die Menschen auf die Straße gehen.

Die im Elbeforum bis zum 23. Juni gezeigte Ausstellung ist von der Robert-Havemann-Gesellschaft zusammengestellt worden. Sie wurde mit dem Grimme Online-Award ausgezeichnet. In erster Linie wendet sich sie sich an Schüler. Die bekommen Gelegenheit zu Gesprächen mit Zeitzeugen. Politikwissenschaftler Dirck Boerma, der die Ausstellung für die VHS betreut, hat Andreas Thieme für diese Aufgabe angeheuert. Der wuchs in einem kirchlich geprägten Elternhaus auf, durfte kein Abitur machen. In einer Rockband schrieb er DDR-kritische Texte, wurde mit 20 Jahren verhaftet und gelangte 1975 über den Häftlingsfreikauf in die Bundesrepublik. "Er passte nicht in die DDR-Kultur", erklärt Boerma, "was denen nicht passte, wurde kriminalisiert."

Für Jugendliche heute sei Freiheit ein selbstverständliches Gut. Dass dem nicht automatisch so ist, wolle die Ausstellung deutlich machen, sagt Dirck Boerma.

Mit Peter Drauschke präsentiert die VHS am 6. Juni um 19 Uhr im Bürgersaal einen überzeugten Kommunisten - der letztlich auch ausgewiesen wurde, weil er nicht ins Staatsbild passte. Elke H. Schmidt-Wessel möchte diesen Abend als Diskussionsrunde gestalten und würde sich freuen, wenn sich auch ehemalige DDR-Bürger zu Wort melden.

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