Kulturerbe : Jüdischer Friedhof jetzt unter Denkmalschutz

Vor den Grabsteinen: (von links) Joachim G. Jacobs, Ruth Möller,  Dr. Margita Meyer, Wolfgang Fischer-Ohl und Christian Boldt.
Vor den Grabsteinen: (von links) Joachim G. Jacobs, Ruth Möller, Dr. Margita Meyer, Wolfgang Fischer-Ohl und Christian Boldt.

Restaurierung des Glückstädter Friedhofes schreitet voran

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16. Juli 2014, 17:00 Uhr

Wolfgang Fischer-Ohl und Wilfried Christiansen haben den Rasen abgenommen, ein Vlies gelegt und Kies aus der Ostsee geschüttet. Auf diesen Steinen haben die Steinmetze Grabsteine gelegt. „Vorne sind wir nicht so tief in den Boden gegangen, um die Wurzeln der Bäume nicht zu beschädigen“, erklärt Wolfgang Fischer-Ohl.

Die Berliner Steinmetze restaurieren den jüdischen Friedhof. Dabei ist an diesem Tag Joachim G. Jacobs. Er hat das Konzept erstellt und bespricht letzte Einzelheiten. Gekommen ist auch Dr. Margita Meyer, Fachreferentin des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. Sie hat die 40 000 Euro für die Restaurierung bewilligt. Dr. Meyer trägt Kopfbedeckung, so wie es bei dem Besuch eines jüdischen Friedhofs üblich ist.

Als Gäste gekommen sind von der Detlefsen-Gesellschaft Christian Boldt, Elke Witt und Ruth Möller. Ihnen erzählt Meyer, dass der jüdische Friedhof jetzt unter Denkmalschutz gestellt und ins Denkmalbuch eingetragen worden ist.

Gemeinsam folgen sie den Ausführungen von Wolfgang Fischer-Ohl und stellen Fragen, was mit den kaputten Grabplatten passiert. „Die Steine werden verklebt, dann gedübelt und Risse mit mineralischen Stoffen verklebt.“

Die Grabplatten sind alle hochgenommen und gereinigt worden. Zum Teil sind sie auch neu geordnet. „Nach Familien“, sagt Fischer-Ohl. Diese Anregung hatte er von dem Glückstädter Stadtführer Werner Gosau bekommen, der sich intensiv mit der jüdischen Geschichte in Glückstadt auseinandergesetzt hat. Möglich ist es die Steine neu zu ordnen, weil sie nicht mehr auf den Ursprungsgräbern liegen. In der Nazizeit wurden sie eingesammelt, gestapelt und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Fläche gelegt. Ohne Zuordnung zu den ursprünglichen Gräbern.

Da es aber eine Liste des Bestands an Grabplatten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gibt, weiß Joachim G. Jacobs: „Es sind Grabsteine verschwunden.“ Er hofft, dass es sie noch gibt und diese zurückgebracht werden.

Interessant sind für alle die Ornamente und Wappen auf den Steinen, denn normalerweise sind jüdische Grabsteine sehr schlicht gehalten. Was aber üblich ist: Das Ornament einer „Hand aus dem Himmel.“ Dies bedeute, dass dort ein junger, verstorbener Mensch liege, erklärt Dr. Margita Meyer.

Joachim G. Jacobs regt an, dass die Gräber künftig einmal im Jahr gereinigt werden sollten.

Thema ist auch der kleine Zaun aus den 60er Jahren, den keiner schön findet. Es sind niedrig stehende Stangen, die an einigen Stellen nicht sehr stabil wirken. Jacobs hat die Vorstellung, dass dort ein 1,60 Meter hoher „schlichter Gitterzaun“ stehen sollte. Was fehlt ist das Geld. Die Besitzer des Friedhofs, die jüdische Gemeinde in Kiel, hat keines.

Christian Boldt schlägt zudem eine Info-Tafel vor, um das Kulturdenkmal Friedhof zu beschreiben. „So wie die Info-Tafeln am Hafen“, sagt Boldt.

Der Friedhof wurde 1622 kurz nach der Stadtgründung Glückstadt angelegt. Da die Stadt 2017 dann 400 Jahre alt wird, hat Christian Boldt deshalb Joachim G. Jacobs gebeten, einen Vortrag über den jüdischen Friedhof zu halten. Er sagt zu, zudem will er einen Beitrag für das Steinburger Jahrbuch schreiben, dessen Mitherausgeber Boldt ist.

In diesem Zusammenhang regte Jacobs an, einen Leuchter aus London zurückzuholen und auszustellen. Dieser Leuchter stand einst in der Synagoge in der Königstraße und wurde von den Engländern als Kriegsbeute mitgenommen. „Im Londoner Museum liegt er nur im Archiv“, weiß Jacobs.

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