Kringelmarkt : Jubiläum: 150 Jahre Anis-Kringel

Kringelbäcker in der vierten Generation: Willi Lehmann freut sich auf die 150. Auflage des  Herhorner Dorffestes.
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Kringelbäcker in der vierten Generation: Willi Lehmann freut sich auf die 150. Auflage des Herhorner Dorffestes.

Herzhorn feiert traditionellen Kringelmarkt am Montag / Neben Glücksradverlosung buntes Rahmenprogramm geplant

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26. Juli 2014, 08:30 Uhr

Der Marktplatz wird schon im wahrsten Sinne des Wortes herausgeputzt: Gemeindemitarbeiter Thomas Kahlke entfernt mühselig alle Spuren von Unkraut zwischen den Pflastersteinen. „Das muss ja alles schön sein für den Kringelmarkt.“

Auch nebenan in der Backstube von Willi Lehmann laufen bereits die Vorbereitungen für das Fest am kommenden Montag, 28. Juli. Hier werden sie gebacken, die traditionellen Herzhorner Kringel mit Anis, die auch in diesem Jahr wieder beim Verdrehen an den zwei Glücksrädern vor der Bäckerei gewonnen werden können. „So langsam geht es jetzt richtig los mit dem Kringel backen“, berichtet Lehmann. „Einige Sonderbestellungen haben wir schon in den vergangenen Wochen gehabt. Zum Beispiel von einer Kundin aus Herzhorn, die ihren Sohn in den USA besucht und einen Kringel mitnehmen wollte, damit dort etwas Heimatgefühl aufkommt.“

Für den Herzhorner Bäcker und seine Familie ist es in diesem Jahr ein besonderes Fest: Zum 150. Mal werden die beliebten Kringel per Los an den Mann oder die Frau gebracht. Soweit bekannt, fand der Kringelmarkt auch während der beiden Weltkriege und in den Krisenjahren danach immer durchgehend statt. Und immer war es die Familie Lehmann, die in ihrer Bäckerei dafür sorgte, dass für alle genügend Gebäck vorhanden war.

Das Rezept, das bis heute als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weitergegeben wird, entstand eher zufällig: Im Jahr 1864 verkaufte ein in Herzhorn ansässiger Gewürzhändler sein Haus am Marktplatz an einen Vorfahren von Willi Lehmann. Der Kaufmann wanderte nach Amerika aus und übergab daher auch einen Teil seiner Waren an den Bäcker, weil er sie nicht mitnehmen konnte oder wollte. „Unter anderem war Anis dabei, was eigentlich kein typisches Gewürz zum Backen ist“, erklärt Lehmann. Beim Experimentieren mit dem ungewöhnlichen Rohstoff entstanden schließlich die Kringel und die trafen den Geschmack der Kunden. „Sie sind schon etwas Besonderes. Anis kennt man ja sonst eher von Bonbons und ähnlichem. Gebacken entwickelt es aber noch ein anderes Aroma als in Süßigkeiten.“

Beim Kringelmarkt steht aber nicht nur das Gebäck im Mittelpunkt, das ab 14 Uhr und dann, für Berufstätige, nochmal ab 20 Uhr vor der Bäckerei Lehmann verlost wird. Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch zum Jubiläum wieder ein buntes Rahmenprogramm mit Kinderkarussell und Buden. Vor allem geht es aber um die Geselligkeit. „Es kommen nicht nur die Menschen aus dem Dorf, sondern auch immer viele ehemalige Herzhorner, die inzwischen weggezogen sind“, sagt Lehmann. „Der Kringelmarkt ist für viele ein Treffen zum Klönen und Schnacken mit Leuten, die man lange nicht gesehen hat. Bis die letzten nach Hause gehen, wird es sicher spät werden.“

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