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Weltraumforschung : Jörg Dewitz greift nach den Sternen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Lehrer des Marner Gymnasiums darf bei SOFIA mitfliegen. Das Projekt ist ein gemeinsamer Forschungsflug von es Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahr und NASA.

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erstellt am 26.Jan.2014 | 08:45 Uhr

Für Jörg Dewitz ist es wie ein Sechser im Lotto: Der Lehrer des Marner Europa-Gymnasiums hat die Einladung bekommen, an zwei Flügen teilzunehmen, bei denen die Erforschung des Weltraums im Mittelpunkt steht. Unter den vier als Beobachter zugelassenen Lehrern ist der 45-Jährige, der in Marne Mathe, Physik und Astronomie unterrichtet, der einzige Schleswig-Holsteiner an Bord des fliegenden Observatoriums SOFIA (Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie). Anfang Februar geht es los.

Die Beobachterplätze an Bord der umgebauten Boing 747SP sind heiß begehrt. Vor drei Jahren hatte sich der Epenwöhrdener schon einmal beworben. Damals bekamen andere den Vorzug. Dann kam plötzlich im Dezember eine Nachricht vom Deutschen SOFIA Institut (DSI). „Das war spätabends, ich saß gerade über Klausuren, als ich eine Mail bekam“, erzählt Jörg Dewitz: „Ich war erstmal sprachlos.“ Zunächst gab es ein Zeitfenster im Frühjahr, dann kam der konkrete Termin: vom 4. auf den 5. und vom 5. auf den 6. Februar startet SOFIA im kalifornischen Palmdale. Zwölf Stunden dauert jeder der Flüge, bei denen Wissenschaftler bestimmte Beobachtungen im All vornehmen. „Wir gucken uns die interstellare Materie an, das, was zwischen den Sternen ist“, erklärt Dewitz. Die Flüge sind ein gemeinsames Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA. Auf deutscher Seite koordiniert das DSI der Universität Stuttgart die Mission.

Eigentlich bekam Dewitz vor einigen Jahren eher zufällig Kontakt zu dem Forschungsprojekt. Er hatte bei einem wissenschaftlichen Treffen an der Kieler Uni den Projektleiter der NASA angesprochen. Der verwies ans DSI. Dort erfuhr er, dass das Marner Gymnasium zunächst mal Partnerschule werden müsste. Das wiederum war die einfachste Übung für den 45-Jährigen – seit 2009 wird das an der Europaschule umgesetzt. Mit großem Erfolg, wie Dewitz begeistert erzählt: „Das Fach liegt mir am Herzen. Und es interessiert die Schüler.“ Die Nachfrage nach Astro-Kursen ist groß.

Dank Unterstützung von Bayer konnte Dewitz für das Marner Gymnasium sogar acht transportable Spiegelteleskope zur Sternenbeobachtung anschaffen und mit Schülern das Projekt „Planetenpfad“ realisieren. Dort wird, ausgehend vom Gymnasium als Sonne, maßstabsgerecht unser Sonnensystem dargestellt – eine Infotafel über den Neptun steht in Friedrichskoog. Inzwischen hat der Pädagoge seine Begeisterung für Astronomie auf eine weitere Schule übertragen können. Das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Heide ist die zweite Partnerschule im Land für SOFIA. Seine Teilnahme an den Forschungsflügen komme letztlich seinen Schülern zu Gute, ist Dewitz überzeugt. „Da kann man ganz viel für die Schule rausholen“, freut er sich: „Das ist Lehrerfortbildung auf sehr hohem Niveau.“

Das lässt sich die DLR einiges kosten: Pro Flugstunde schlagen etwa 80 000 Euro zu Buche, erzählt der Lehrer, der ebenso wenig wie das Gymnasium etwas dazubezahlen muss. Finanziert wird SOFIA vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Uni Stuttgart.

Und weil dieser „Raumflug“ (Dewitz) so teuer ist, müssen die Teilnehmer zahllose Regeln beachten, um die während der Flüge angesetzten Forschungsprojekte nicht zu gefährden. Selbst die Dauer der Ruhezeiten vor den Starts ist vorgeschrieben. „Die haben sogar schon mal einen Flug abgebrochen, weil ein bestimmter Schraubenzieher vergessen worden war“, hat der Lehrer am Montag bei einer Einführung in Stuttgart erfahren. Spannend werde es, so Dewitz, wenn im Flugzeug das Teleskop zum Einsatz komme. Dann öffnet sich nämlich der Rumpf des Fliegers. Ab dann seien die Piloten nur dafür verantwortlich die Boing in der Luft zu halten, den Kurs steuere der Leiter der Mission. Die Beobachter können auf Monitoren nachvollziehen, was gerade von dem gewaltigen, 17 Tonnen schweren Spezialteleskop des SOFIA ins Visier genommen wird.

>Infos: www.dsi.uni-stuttgart.de

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