Nordjob in Brokdorf : Jobsuche in der Eissporthalle

Gestern und heute: Rund 5000 Gespräche zwischen Schülern und Betrieben wurden vereinbart.
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Gestern und heute: Rund 5000 Gespräche zwischen Schülern und Betrieben wurden vereinbart.

Rund 2500 Schüler nutzten auf der großen Ausbildungsmesse die Beratungsangebote von 65 Ausstellern.

shz.de von
30. Mai 2018, 05:00 Uhr

Gelungener Messeauftakt: Mit einem großen Besucherinteresse startete gestern die 15. Nordjob Unterelbe/Westküste im Brokdorfer Elbe Ice Stadion. Im Zuge der zweitägigen Veranstaltung, die auch heute noch einmal stattfindet, präsentieren sich mehr als 65 Unternehmen, Institutionen, Berufs-, Fach- und Hochschulen interessierten Schülern aus den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg.

Angesprochen werden hier nicht nur jene Schüler, die sich frühestens im kommenden Jahr mit dem Bewerbungsverfahren auseinandersetzen müssen, sondern auch jene, die für das laufende Jahr noch keinen Ausbildungsplatz ergattern konnten. „Wir haben hier eine Informationsecke eingerichtet, in der über 180 Last Minute-Angebote vorgehalten werden“, sagt Projektleiterin Tanja Büll vom Institut für Talententwicklung (IFT). Wenn sich die Tore der diesjährigen Messe am heutigen späten Nachmittag wieder schließen werden, werden sich annährend 2500 Schüler einen Eindruck über die derzeitige Ausbildungssituation eingeholt haben. „Wir haben rund 5000 Messegespräche zwischen Schülern und Betrieben terminiert“, so Tanja Büll. Gespräche, in denen sich die Schüler nicht nur über die Ausbildungsmöglichkeiten der Unternehmen hinreichend informieren können, sondern auch etwas über die Anforderungen erfahren, die die unterschiedlichen Ausbildungsbetriebe den Bewerbern abverlangen.

„Bis zum 30. April lag die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge für das laufende Jahr, bei den Kammern Flensburg, Kiel und Lübeck bei 4089“, so Mathias Pein von der IHK zu Kiel und weiter: „Bis zum Ausbildungsbeginn im August wird diese Zahl noch deutlich steigen.“ Auch wenn immer noch Ausbildungsverträge unterschrieben werden, so dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in diesem Jahr voraussichtlich jeder dritte Ausbildungsplatz unbelegt bleiben wird und die Bewerberzahlen weiter rückläufig seien.

„Der Grund hierfür ist unter anderen ein bemerkenswerter Akademisierungstrend“, erklärt Pein. Immer mehr Schüler strebten das Abitur als Schulabschluss an und fixierten sich trotz Einwänden von außen auf ein Hochschulstudium. „Leider bricht jeder Dritte und im Bereich des Ingenieurwesens sogar jeder zweite Hochschüler das Studium vorzeitig ab“, betont er. In den Köpfen vieler Schüler sei noch nicht gänzlich angekommen, dass die berufliche Ausbildung ein Karrieresprungbrett mit zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten ist. „Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielseitig und reichen vom Meister bis zum Betriebswirt, der dem Hochschulabschluss gleichgestellt ist“, so Paul Raab, Zweigstellenleiter Elmshorn der IHK zu Kiel. Auch die Möglichkeit der Selbstständigkeit ist gegeben, sodass nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung durchaus höhere Verdienste als nach einem Studium winken können.

Während sich die allgemeinbildenden Schulen zunehmend ihrer Verantwortung im Bereich der Berufsorientierung bewusst geworden sind und ihre Arbeit deutlich verbessert haben, gibt es auf der Seite der Eltern noch viel Handlungsbedarf.

Die IHK sieht aber auch die Erziehungsberechtigten in der Pflicht, sich über Ausbildungsmöglichkeiten und den entsprechenden Anforderungen zu informieren und den Kindern als wichtige Ratgeber zur Seite zu stehen.

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