Arbeitsmarkt : Jobcenter zieht eine Erfolgsbilanz

Sie sehen das Jobcenter nach zehn Jahren gut aufgestellt (v.li.): Ronald Geist, Axel Pietsch, Martin Görtzen und Torsten Wendt.
Sie sehen das Jobcenter nach zehn Jahren gut aufgestellt (v.li.): Ronald Geist, Axel Pietsch, Martin Görtzen und Torsten Wendt.

Nach holprigem und hektischem Auftakt vor zehn Jahren: Zahl der Kunden in Itzehoe hat sich fast halbiert .

shz.de von
18. Januar 2015, 08:18 Uhr

An seinen ersten Arbeitstag im Dienste von Hartz IV-Empfängern kann sich Ronald Geist noch gut erinnern. Am 2. Januar 2005 war er mit 100  000 Euro in der Tasche und einem mulmigen Gefühl auf der Dienststelle erschienen. Mit dem Geld sollten notfalls Hilfsbedürftige versorgt werden, weil es bei der Kontenumstellung massive Probleme gegeben hatte. Heute ist Ronald Geist Chef der auch für Steinburg zuständigen Arbeitsagentur Heide. Und gemeinsam mit Torsten Wendt (Landrat), Martin Görtzen (Geschäftsführer Jobcenter) und Axel Pietsch (Bereichsleiter) zieht er nach zehn Jahren eine Erfolgsbilanz für das Jobcenter Steinburg, das damals noch Leistungszentrum hieß.

Der Start in die Grundsicherung für Arbeitssuchende sei allerdings hektisch gewesen. 4800 Bedarfsgemeinschaften waren prognostiziert worden, am Ende waren es 6000, in Spitzenzeiten sogar 6900. Gleichzeitig musste das aus Mitarbeitern der Arbeitsämter sowie der Sozialämter beim Kreis und den Städten und Gemeinden zusammengewürfelte Team sich finden. „Wir waren eine recht bunte Truppe, die nur mit Block und Bleistift an die Arbeit ging“, erinnert sich auch Axel Pietsch als Mann der ersten Stunde. Diese Erfahrungen hätten die Mannschaft aber auch zusammengeschweißt. Für Martin Görtzen war es „die vielleicht größte Arbeitsmarktreform der Nachkriegszeit“. Im Ergebnis könnten den Kunden des Jobcenters heute sehr viel bessere Chancen und Perspektiven geboten werden.

Der Startschuss fiel noch am Itzehoer Lornsenplatz. Weil später das Land die angemieteten Räume kündigte, zog das Jobcenter in einen Neubau auf dem Alsen-Gelände um. Mit einem Schmunzeln erinnerte Torsten Wendt daran, dass am Lornsenplatz jetzt ausgerechnet das Sozialgericht untergebracht ist. Im Zuge von Hartz IV hatte auch die Justiz immer mehr Arbeit bekommen.

Gut 130 Mitarbeiter hat das Jobcenter, etwa 30 davon in den Außenstellen in Glückstadt und Kellinghusen. Sie mussten sich immer wieder mit veränderten gesetzlichen Grundlagen auseinander setzen. Auch zwei Arbeitsschwerpunkte sind geblieben: Der Kampf gegen die gerade in Steinburg hohe Jugendarbeitslosigkeit und der große Bestand an Langzeitarbeitslosen. Das Jobcenter hat nicht nur Mitarbeiter, sondern inzwischen auch Kunden „der ersten Stunde“. Insgesamt hat sich die Lage aber deutlich entspannt. Ronald Geist erinnerte an die Zahl von bundesweit fünf Millionen Arbeitslosen. Heute sind es knapp drei Millionen bei zunehmendem Fachkräftemangel. Die erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich auch im Jobcenter nieder. Die Zahl der Hilfeempfänger hat sich fast halbiert. „Leider“, so bedauern Görtzen und Geist, „partizipieren unsere Kunden noch nicht ausreichend von der allgemein guten Entwicklung.“ Mit einer gemeinsamen Kooperation am Übergang Schule-Beruf und dem Aufbau eines Aktivierungs- und Integrationscenters will das Jobcenter seine Bemühungen weiter verstärken.

Noch kein Thema ist hingegen der Mindestlohn. Ronald Geist hofft, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. Ob es umgekehrt aber auch verstärkt zu Entlassungen komme, sei noch nicht absehbar. Eine neue Herausforderung bilden Asylbewerber. Aktuell geht Martin Görtzen davon aus, dass rund 200 Menschen vom Jobcenter betreut werden. In naher Zukunft könnte die Zahl auf 500 steigen. Für diese Menschen wolle man – allein schon wegen der Sprachprobleme – die Bürokratieschwelle so niedrig wie möglich legen. Görtzen geht davon aus, dass unter den Flüchtlingen viele mit guter Ausbildung sind. „Da ist eine Mittelschicht unterwegs, die auf uns zukommt“, sieht er für den Arbeitsmarkt eher eine Bereicherung als eine Belastung.

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