Interview vor Kommunalwahl : Jetzt sind erst einmal die Kassen leer

Seit fast fünf Jahren Bürgermeister von Neuendorf-Sachsenbande: der 54 Jahre alte Jens Tiedemann.
Seit fast fünf Jahren Bürgermeister von Neuendorf-Sachsenbande: der 54 Jahre alte Jens Tiedemann.

Neuendorf-Sachsenbandes Bürgermeister Jens Tiedemann spricht über die Projekte seiner Gemeinde und die Herausforderungen und Pläne für die Zukunft.

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16. Februar 2018, 05:00 Uhr

Glasfaser, Feuerwehr und Windenergie waren die großen Themen der vergangenen fünf Jahre in Neuendorf-Sachsenbande. In unserer Interview-Serie aus den größeren Gemeinden in der Wilstermarsch sprachen wir diesmal mit Bürgermeister Jens Tiedemann.

Herr Tiedemann, die Legislaturperiode ist fast zu Ende. Was haben Sie und Ihre Gemeindevertretung in den vergangenen fast fünf Jahren erreicht?
Auf jeden Fall Glasfaseranschlüsse. Das ist ein Meilenstein für unsere Gemeinde. Ich bedaure nur, dass es im Gemeinderat keine Vollförderung für die Anlieger gegeben hat. Und dann natürlich die Umrüstung der Straßenlaternen auf LED. In zwei Jahren sind wir damit durch. Dann haben wir die Anschaffung des neuen Löschfahrzeugs beschlossen. Es wird aber erst 2019 ausgeliefert.

Was waren denn die besonderen Herausforderungen?
Auch hier sicher das Glasfasernetz. Und natürlich das Feuerwehrauto, weil es sehr viel an Vorarbeiten bedurfte. Schließlich das immer wiederkehrende Thema der Windenergie. Das ist in einer Gemeinde immer eine Belastung, weil man sich ja gut kennt. Ich habe immer versucht, da Ruhe in das Thema rein zu bringen.

Auf welche Entscheidungen aus den vergangenen Jahren sind Sie besonders stolz?
Auf die Entwicklung unserer Feuerwehr. Wir haben jetzt 35 Aktive, darunter auch viele junge Leute. Auch das jährliche gemeinschaftliche Müllsammeln und Büscheschneiden ist ein Erfolg, allein schon weil viele junge Leute dabei sind. Das sorgt für Zusammenhalt im Dorf.

Bestimmt hat auch nicht immer alles so geklappt, wie Sie sich das vorgestellt haben. Fällt Ihnen dazu auch ein Beispiel ein?
Ganz persönlich: Dass es beim Glasfaseranschluss keine volle Förderung für unsere Haushalte gibt. Da ich selbst betroffen bin, ist das natürlich ein bisschen heikel. Und natürlich ist es auch ein Riesenkostenpunkt.

Gibt es auch etwas, was Sie aus heutiger Sicht vielleicht anders machen würden?

Spontan fällt mir da nichts ein. Es gibt aber bestimmt einiges. Das kann ja auch nicht ausbleiben, wenn man als Bürgermeister aktiv ist.


Stellen Sie sich vor, Sie bekämen einen Anruf von einer Familie aus dem Hamburger Umland, die auf der Suche nach Wohnraum ist. Nennen Sie spontan drei Gründe, warum ausgerechnet Ihre Gemeinde ein besonders attraktiver Wohnort ist.

Sehr viel Ruhe, gute Naherholung und sehr viele freundliche Menschen. Und natürlich sind die Immobilienpreise bei uns in der Gemeinde noch erschwinglich. Jedenfalls so lange man nicht neu bauen will. Das ist in der Marsch ja immer etwas aufwendiger.

Wo sehen Sie für die nächste Legislaturperiode die größten Herausforderungen für Ihre Gemeinde?
Herausforderungen gibt es genug, zum Beispiel die Erhaltung der Gemeindestraßen. Allerdings sind die Kassen erst einmal leer, und wir müssen uns nach der finanziellen Decke strecken.

Wenn Sie für das neue Jahr für Ihre Gemeinde einen Wunsch frei hätten: Was wäre das?
Am liebsten hätte ich in der Gemeinde auch eine Einkaufsmöglichkeit. Aber das ist wohl utopisch. Auch, weil wir ja nicht wirklich einen Dorfkern haben.

Alle paar Jahre taucht ja die Diskussion um eine Kommunalreform auf. Glauben Sie, dass Ihre Gemeinde auch in 10 oder 20 Jahren noch eigenständig ist? Und wo lägen da die Vorteile bzw. die Nachteile?
Erst einmal bin ich mir sicher, dass sich an den Strukturen so schnell nichts ändert. Ich glaube aber nicht, dass alle Gemeinden in ihrer jetzigen Form auf Dauer zu halten sein werden. Das ergibt sich allein schon aus dem Umstand, dass in der einen Gemeinde Mangel herrscht, in der anderen finanzieller Überfluss. Generell wollen wir alle natürlich unsere Selbstständigkeit erhalten.

Ihre persönliche Zukunft? Treten Sie bei der Kommunalwahl wieder für das Amt des Bürgermeisters an?
Ja, ich werde noch einmal antreten. Auf längere Sicht wäre es natürlich schön, wenn die Gemeinde auch einmal eine Frau als Bürgermeisterin bekäme.

Und was sind Ihre Pläne für die nächsten fünf Jahre?

Bei meinem ersten Amtsantritt hatte ich mir die bessere Vermarktung der Tiefsten Landstelle auf die Fahne geschrieben. Da haben wir auch einiges erreicht. An der Autobahn steht jetzt ein großes Hinweisschild, und unsere Homepage verzeichnet täglich im Schnitt 20 Klicks. Das ist eine ganze Menge. In einer neuen Amtsperiode möchte ich gerne eine Partnergemeinde in Norwegen gewinnen. Ich habe schon mit der Gemeinschaftsschule über einen Schüleraustausch gesprochen. Die skypen sogar schon. Sehr am Herzen liegt mir auch ein Erinnerungsstein für die Fusion der Gemeinden Neuendorf und Sachsenbande. Es soll ein großer Findling mit unserem Wappen darauf werden.

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