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Ausstellung : Jens Rusch und die Schule der Atheisten

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In jungen Jahren wurde er von Arno Schmidt geprägt. Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers zeigt der Brunsbütteler Künstler jetzt eine Ausstellung.

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erstellt am 11.Jan.2014 | 08:30 Uhr

Hochbetrieb herrscht in diesen Tagen in der Galerie Rusch an der Schulstraße in Brunsbüttel. Noch hängen die Bilder der Ausstellung „Vogelmenschen“, die gestern zuletzt öffentlich zugänglich war. Doch bereits nebenher laufen die Vorbereitungen für die kommende Ausstellung. Und die hat es in sich: Sie ist dem Schriftsteller Arno Schmidt gewidmet und zugleich für Jens Rusch ein besonders persönliches Anliegen. Das zeigt sich auch darin, dass er in dieser Schau über Schmidts „Schule der Atheisten“ Arbeiten von Prof. Eberhard Schlotter zeigt. Der war enger Vertrauter des Schriftstellers – und künstlerischer Lehrer des Brunsbüttelers im spanischen Altea. Eröffnet wird die Ausstellung am 18. Januar.

„Es könnte kein besseres Datum für diese Vernissage geben“, sagt Jens Rusch. Denn: „An diesem Tag wäre der bedeutendste Wortmetz der deutschen Nachkriegsliteratur 100 Jahre alt geworden. Und weitsichtig hatte Arno Schmidt seine 1972 veröffentlichte Zukunfts-Novelle ‚Schule der Atheisten‘ im Jahr 2014 angesiedelt.“

Am liebsten hätte Rusch die Ausstellung in Tellingstedt gezeigt. Denn dort hatte der damalige Ministerpräsident Björn Engholm eine frühe Ausstellung Ruschs zur Schule der Atheisten eröffnet. Aber dort habe es kein Interesse gegeben. Vor allem: Im nördlichen Dithmarschen ist die Handlung des Romans angesiedelt. Die Gegend an der Eider erweist sich als neben den USA und China als einziges Überbleibsel eines Atomkriegs, regiert von Friedensrichter William T. Kolderup. Und dieser Friede ist bedroht. Simpel zu lesen ist die Schule der Atheisten nicht. Arno Schmidt verlangt seinem Leser einiges ab. Künstlerisch aufgegriffen hat Jens Rusch dies bei seinen Bildern zum Thema. Die dargestellten Personen sind Menschen aus Tellingstedt, die er zu den gleichfalls abgebildeten Textpassagen entsprechend illustriert hat.

Diese Arbeiten seien zugleich etwas sehr Persönliches, das ihn mit Schmidt verbinde, erzählt Rusch: „Arno Schmidt hat in meinem Leben eine große Wende provoziert.“ Rusch, damals junger Elektriker im Betrieb des Brunsbüttelers Günther Ahlf, stieß 1972 in Spanien auf die komplexe Literatur Schmidts. „Die Bücher waren für mich reizvoll, aber unverständlich“, sagt er rückblickend. Da passte es, dass der Schmidt-Vertraute Prof. Eberhard Schlotter ebenfalls in Altea lebte. Durch den Künstler fand Jens Rusch schließlich selbst zur Kunst. Stets unterstützt von seinem Arbeitgeber, der dem jungen Brunsbütteler mächtig viel Spielraum ließ. Rusch lebte buchstäblich das Leben des brotlosen Künstlers: „Wenn das Geld alle war, fuhr ich nach Hause, um mir etwas zu verdienen. Das waren sieben magere Jahre.“ 1979 schließlich nahm ihn Schlotter als Meisterschüler in Altea an. Rusch begann, Arno Schmidts Schule der Atheisten zu illustrieren, stellte seine frühen Arbeiten in Tellingstedt aus.

Für die erneute Schau der Bilder jetzt in Brunsbüttel, ergänzt um Originale von Eberhard Schlotter, gelang es ihm, wieder Björn Engholm zur Vernissage zu holen. „Ich habe ihn gefragt, ob er das nochmal machen würde.“ Diese Ausstellungseröffnung ist allerdings nur für geladene Gäste. Rusch befürchtet, dass das Interesse an Arno Schmidt, dessen 100. Geburtstag bundesweit mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt wird, den räumlichen Rahmen in der Galerie sprengen könnte. Ab Montag, 19. Januar, ist dann die Öffentlichkeit eingeladen. „Bis 14. Februar ist dann nur Arno Schmidt angesagt.“

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