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Blutkrebs : Jendrik fährt sein wichtigstes Rennen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor vier Wochen kam die Diagnose: Der fünfjährige Junge aus Breitenberg ist an Blutkrebs erkrankt. Große Typisierungsaktion am 24. Mai.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Jendrik lässt seine Hot Wheels flitzen. Das sind kleine Rennautos, erzählt er und seine Augen funkeln dabei. Auf seiner Rennbahn legt sich sein bester Wagen ganz schön für ihn in die Kurven. Das kleine grüne Auto schafft jeden Berg und fliegt auch im schnellsten Tempo nicht aus der Bahn. Genauso wenig wie Jendrik und seine Eltern Torben und Ulrike Rademacher nach Jendriks Diagnose.

Jendrik weiß, dass er ein ganz besonderer Junge ist: „Mein Blut ist krank“, erklärt er. Und seine Eltern wissen: Nur eine Knochenmarkspende kann ihrem Sohn jetzt helfen. Sie hoffen auf die große Typisierungsaktion am 24. Mai. Sie findet zwischen 10 und 16 Uhr in der ehemaligen Grundschule in Breitenberg statt. Jeder zwischen 18 und 55 Jahren könnte Jendriks Retter werden. Alles was ein Spender braucht ist ein bisschen Mut, um sich kostenlos durch einen Bluttest oder einen Wangenabstrich in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen.

Mut, den der kleine Jendrik jetzt jeden Tag aufbringt: „Also morgen darf ich nichts zum Mittag essen, weil ich dann Medikamente krieg’, weil ich schlafen muss und während ich schlafe gepiekst werden muss. Dann sehe ich alles unscharf“, beschreibt er selbst. Jendrik fährt jetzt regelmäßig mit seinen Eltern ins Klinikum Hamburg Eppendorf. Er weiß genau darüber Bescheid , was die Ärzte dort mit ihm machen, wenn sie zum Beispiel sein Knochenmark punktieren: „Mit der Nadel pieken die dann in meinen Poschi“, sagt er. Angst hat er nicht. „Dafür gibt’s solche Pflaster, die solche Salbe haben, dass man den Pieks nicht merkt.“

Jendrik leidet an einem Myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer schweren, bei Kindern seltenst auftretenden Blutkrebserkrankung. „Das ist eine Verformung der Stammzellen“, erklärt seine Mutter das Krankheitsbild, das einer Leukämie ähnelt. Mit blauen Flecken habe alles angefangen. „Aber damit haben wir nicht gerechnet“, sagt sie. Ein Besuch beim Kinderarzt, dann sei alles ganz schnell gegangen. Jendriks Chancen einen passenenden Spender zu finden stehen 1:20 000.

Wenn Jendrik selbst über seine Krankheit spricht, sieht er nachdenklich aus. Das wahre Ausmaß kann er noch nicht begreifen, was er spürt sind die Einschränkungen. Seit Wochen darf er nicht in den Kindergarten und Stubentiger Socke wird nur gestreichelt, nicht eng gekuschelt. Der Junge könnte sich sonst eine Infektion einfangen. Auch zum Einkaufen darf Jendrik nicht mehr mit in den Supermarkt und muss manchmal im Auto warten. „Aber er macht das gut mit“, betonen seine Eltern. Auch sie müssen ihren Alltag anders strukturieren. Einfache Tätigkeiten, die sie sonst selbstverständlich mit ihrem Sohn gemeinsam machten, müssen sie jetzt allein bewältigen.

Umso mehr genießt die Familie Momente, in den alles ‚normal‘ erscheint. Jendrik lacht, wenn er draußen im Garten mit seinem Papa Fußball spielt. Besonders wenn er mit dem Ball auf Papas Po zielen darf. Erst vergangenes Jahr im Sommer hat Jendrik in Wrist in der G-Jugend der vier bis sechs Jährigen mit dem Fußballtraining begonnen. Einige Techniken kann er schon. Und auch für die Zukunft macht Jendrik Pläne. Er möchte in die Vorschulgruppe kommen, später ein großer Baumeister werden und ein stattliches Haus mit bunten Fenstern bauen. Aus der Bahn werfen lässt er sich nicht.

 

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