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Beratungen : Jeder zehnte Steinburger ist verschuldet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Schuldnerquote im Kreis steigt. Eine kostenlose Beratung gibt es ab dem 1. April bei Steinburg Sozial in Itzehoe.

von
erstellt am 10.Mär.2016 | 12:35 Uhr

Im Kreis Steinburg ist die Schuldnerquote entgegen dem landesweiten Trend das vierte Jahr in Folge gestiegen und liegt jetzt bei 11,85 Prozent. Im landesweiten Vergleich ist der prozentuale Anstieg mit 0,19 Prozent sogar in 2015 der stärkste. 301 Steinburger haben im vergangenen Jahr die allgemeine Schuldnerberatung von Steinburg Sozial in Anspruch genommen. Darauf wiesen Christoph Feige, Leiter der Schuldnerberatung Steinburg Sozial, Maiken Carstens, Steinburg Sozial, Geschäftsbereichsleiterin Arbeit, Familie und Bildung bei der Diakonie Altholstein, und Sibylle Schwenk, Fachbereichsleitung Schuldnerberatung bei der Diakonie im Pressegespräch hin. Schwenk hat von 2013 bis 2015 die Schuldnerberatungsstelle im Kreis Steinburg geleitet, seit dem 1. Januar dieses Jahres hat Christoph Feige (56), Schuldnerberater und Sozialpädagoge, diese Position inne. War bislang die Beratungsstelle in der Beethovenstraße im Klosterforst, steht nun der Umzug bevor, um im Stadtzentrum leichter erreichbar zu sein: Ab 1. April ist die Schuldnerberatung in der Timm-Kröger-Straße 2, nahe dem Dithmarscher Platz.

„Es war uns ein großes Anliegen, mehr ins Zentrum zu kommen“, betont Maiken Carstens. Dort werde die Beratungsstelle besser wahrgenommen, die Hemmschwelle werde geringer. Das sei wichtig, denn der Bedarf sei da: „Viele Menschen haben Schulden.“ Zu groß sei das Angebot, mit verlockend niedrigen Raten scheinbar einfach an Besitz zu kommen – von Autos über Möbel bis hin zu Elektronik-Geräten. Doch die langfristigen Zahlungsverpflichtungen werden spätestens dann zum akuten Problem, wenn Arbeitslosigkeit, Trennung oder Erkrankung zu Einkommensminderung führen. Klassische Gründe für eine Ver- oder Überschuldung.

Wer in die Schuldenfalle gerät, sollte so schnell wie möglich in die Schuldnerberatung kommen, die übrigens kostenlos ist. Dabei gehe es um akute Hilfe zum Beispiel bei einer Stromsperre oder Mietschulden, aber auch die Sicherung des Einkommens und Hilfe bei Rechtsstreitigkeiten. Zentrale Frage sei dabei, wie die Schulden entstanden sind, um eine erneute Verschuldung zu vermeiden. Zahlreiche dieser Beratungen würden in der Verbraucherinsolvenz münden, von denen es im vergangenen Jahr im Kreisgebiet 410 gegeben habe. Oft würden Betroffene zu lange den Weg in die Beratung scheuen – aus falscher Scham. Sie versuchten zunächst, das eine finanzielle Loch zu stopfen, indem allerdings ein anderes aufgerissen werde.

„Wir haben viel mit Hartz IV zu tun – damit kann man zwar überleben, aber nicht leben“, sagt er. Dabei gehe es vor allem um Energieschulden – 26 Euro für Stromverbrauch enthalte der Regelsatz für einen Alleinstehenden im Monat. Seit Jahren sei der Betrag annähernd gleich geblieben – für Menschen, die im Grunde gezwungen seien, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und dafür eigentlich mehr Strom bräuchten. Doch das werde nicht berücksichtigt.

Und Feige zeigt – natürlich anonymisiert – einen Beispielfall auf von einem Mann, der über sich selber sagt, nie gelernt zu haben, mit Geld umzugehen und immer tiefer in Schulden rutschte. Er machte eine Ausbildung, kaufte das erste Auto, baute einen Unfall. Die Folge: Totalschaden, Restschulden von 5000 Euro. Ein neuer Wagen, ebenfalls finanziert, dann Arbeitslosigkeit. Die Verpflichtungen häufen sich weiter an auf schließlich 30  000 Euro – Zahlungsverzug beim Mobilfunkanbieter, später auch beim Vermieter und beim Energieversorger. In schon aussichtslos scheinender Situation wendet er sich an die Schuldnerberatung, mit deren Unterstützung er schließlich einen Insolvenzantrag stellt.

„Wir arbeiten in der Beratung sehr darauf hin, mindestens einen Einnahmen- und Ausgaben-Gleichstand zu erreichen.“ Das Ganze vor dem Hintergrund, dass der Betroffene weiter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, in seinem Lebensgefühl gestärkt werde. Psychosoziale Aspekte, so Sibylle Schwenk, stünden gerade im ersten Teil der Beratung im Mittelpunkt. „Die Menschen haben starke Ängste, ein schlechtes Gewissen – und schlafen schlecht.“ Je früher sie zur Beratung kämen, desto leichter sei es oft, zu helfen. Schwenk: „Wenn der Strom erst abgestellt wird, wird es richtig schwierig etwas zu machen.“

Darum der Appell: Nicht die Augen verschließen, sondern den Schritt in die Beratung wagen. Welche Unterlagen dazu mitgebracht werden sollten, darüber informiert auch die Internetseite www.steinburg-sozial.de.

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