Neue Ausstellung : Jahrmarkts-Flair weckt Erinnerungen

Freuen sich über die gelungene Ausstellung: (hinten v.li.) Rico Rasch, Michael Wundsam und Klaus Struve, (vorne) Torsten Wendt und Karin Gröwer
Freuen sich über die gelungene Ausstellung: (hinten v.li.) Rico Rasch, Michael Wundsam und Klaus Struve, (vorne) Torsten Wendt und Karin Gröwer

Sonntag wurde die Ausstellung zur Geschichte des Volksfestes im Kreismuseum eröffnet – ein Gang durch die Geschichte des Feierns.

shz.de von
13. Juli 2015, 05:05 Uhr

An der Drehorgel eröffnete Michael Wundsam die Ausstellung „Auf zum Jahrmarkt“, die bis zum 11. Oktober im Kreismuseum Prinzesshof zu sehen ist. „Sie befinden sich heute quasi auf einem Jahrmarkt“, erklärte Landrat Torsten Wendt.

Er finde, es sei „ein ganz besonderes und schönes Motiv für eine Ausstellung“. Zwangsläufig werde er an seine eigene Kindheit erinnert. Er habe von seiner Oma immer ein paar Mark bekommen, damit er mit den diversen Karussells fahren konnte. Auch heute habe der Jahrmarkt mehr zu bieten, als so manches soziale Netzwerk: „Es bietet die Gelegenheit, mit echten Menschen zusammenzukommen und einen wunderschönen Tag zu verbringen.“ Museumsdirektorin Anita Chmielewski bezeichnete die Ausstellung als „klein aber fein“. Sie dankte ihren Mitarbeitern, dem Sponsor Sparkasse Westholstein und den Leihgebern Michael Wundsam, Rico Rasch und Marktmeister Klaus Struve für die Unterstützung.

Die Konzeption erarbeitete Karin Gröwer. Sie führte die Gäste in die Thematik ein. „Irgendwie lässt der Jahrmarkt keinen von uns kalt“, sagte sie. Er sei eines der ältesten Volksfeste mit Wurzeln bis ins Mittelalter. Um 1800 entwickelten sich erste Schaubuden. „Die Neugierde war groß“, erklärte sie. Es gab Akrobaten, Spiegel- und Wachsfigurenkabinette sowie Abnormitätenschauen. Exotische Tiere, aber auch so genannte Riesen, Zwerge, Bartfrauen oder Siamesische Zwillinge wurden dem Publikum gezeigt. „Diese Menschen hatten so die Möglichkeit auf ein einigermaßen normales Leben“, fügte sie hinzu. Mit der Erfindung des Kinematograph 1895 entwickelte sich das Jahrmarktkino, das jedoch schon 20 Jahre später durch die festen Lichtspielhäuser in den Städten abgelöst wurde. Auch Karussells waren von Anfang an beliebt. Die Boden- oder Hängekarussells wurden erst von Menschen oder Pferden angetrieben, ab 1860 von Dampfmaschinen. Schiffsschaukeln, Russische Schaukeln – Vorläufer des Riesenrades – und große Rutschen fanden sich auf dem Jahrmarkt. Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste Berg- und Talbahnen und 1909 die erste transportable Achterbahn. Bis 1964 waren die Untergestelle aus Holz. Die Achterbahnen wurden schnell „zur Krönung jeden Jahrmarktes“. Eine Geisterbahn konnten die Besucher erstmals 1931 auf dem Hamburger Dom bestaunen. Schon 1926 kamen die ersten Autoskooter aus den USA auf unsere Jahrmärkte. Die Entwicklung bis heute verlief rasant. „Schneller, höher, greller“ sei das Motto. Heute gebe es durchaus Fahrgeschäfte, deren Anschaffungskosten sich auf über eine Million Euro belaufen würden. Aber: „Auch Nostalgie ist heute wieder angesagt.“ Der Besuch auf dem Jahrmarkt sei dabei immer wieder schön: „Wir genießen für ein paar Stunden den Rausch der Sinne, abseits vom Alltag.“ Und dazu die Leckereien, die einfach zum Jahrmarkt gehören. Darum gab es zur Eröffnung nicht nur Kaffee, Kuchen und Würstchen, sondern auch Zuckerwatte, Zuckerstangen und gebrannte Mandeln. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen