Jagd und Wild : Jagdgatter im Revier Wacken abgebaut

Wildmeister Herbert Schröder hat viele Kilometer des Zaunes rund ums Revier Wacken-Süd entfernt, nur die Pfähle stehen noch.
Wildmeister Herbert Schröder hat viele Kilometer des Zaunes rund ums Revier Wacken entfernt, nur die Pfähle stehen noch.

Die Jagdgatter gehören in Schleswig-Holstein der Vergangenheit an: Viele Kilometer Zaun rund ums Revier Wacken sind entfernt worden. Damit soll auch ein positives Zeichen Für Jagd und Jäger gesetzt werden.

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09. Dezember 2014, 11:48 Uhr

160 Hektar Wald, Wiesen, Wasser – umschlossen mit einem kilometerlangen Zaun. So zeigte sich das Revier Wacken auf Gebiet der Gemeinden Wacken und Agethorst bisher. Ein „Paradies aus Menschenhand“ nennt Wildmeister Herbert Schröder das Areal. Es gehört seit langem der Verlegerfamilie Jahr. Jetzt hatte Schröder eine ganz besondere Aufgabe: er musste den 1,70 Meter hohen Zaun öffnen. So sieht es die Landesjagdverordnung vor. Die Ausnahmegenehmigung für so genannte Jagdgatter lief zum Ende Oktober ab.

„Jetzt ist der Zaun löchrig wie ein Käse“, sagt Schröder. Er wurde nicht auf gesamter Länge komplett entfernt. An den Landstraßen und an fremden Privatgelände blieb er stehen – zur Verkehrssicherheit und als Abgrenzung. Die Maßnahme erfolgte in Abstimmung mit der Kreisverwaltung, und die „hat sich sehr kooperativ gezeigt“, berichtet der Wildmeister.

1984 hatte Verleger Alexander Jahr das Gatterrevier zu Jagdzwecken anlegen lassen. Rot- und Damwild tummeln sich dort, aber auch Muffelwild. Ein Schwerpunkt lag auf Enten und Niederwild. Es entstand eine gesunde Population mit hoher Artenvielfalt – und die war keineswegs weggeschlossen hinter Tor und Zaun, wie Herbert Schröder erklärt. Außerhalb der Jagdzeiten seien die Wege frei zugänglich gewesen, 350 Tage um Jahr. Und davon hätten viele Menschen gerade aus der näheren Umgebung ausgiebig Gebrauch gemacht. „Am Wochenende war es hier richtig voll. Die Menschen wollten Tiere sehen. Das war fast wie ein kostenloser Zoobesuch“, sagt der Berufsjäger. Er habe dann alle Hände damit zu tun gehabt, alles in geordnete Bahnen zu lenken. Doch das ist jetzt endgültig vorbei.

Besucher sind nach wie vor willkommen. Auch, um frisches Wild zu kaufen, das dort angekauft und dann auch an Restaurants ausgeliefert wird. Allerdings gibt es die lebendigen Tiere nicht mehr hautnah. Durch das natürliche Fluchtverhalten werden die Spaziergänger nicht viel mehr Rehe, Hirsche und Hasen zu Gesicht bekommen als irgendwo anders im Wald. „Das ist schon schade“, meint Herbert Schröder, fügt aber gleich hinzu: „Aber ein Jagdgatter ist auch nicht mehr zeitgemäß.“ Vielmehr will der Wildmeister jetzt für ein besseres Ansehen der Jäger werben und kann dabei auf die Unterstützung seiner Chefin setzen. Auch Alexandra Jahr setzt sich für Natur und Umwelt, Jagd und Angelsport sowie verschiedene soziale Projekte ein. Nach Wacken kommt die Verlegerin regelmäßig – allein, um mit ihren Labradoren für die Hundeprüfung zu trainieren.

Die Geschichte des Reviers Wacken fand auch das NDR-Fernsehen interessant und stattete Herbert Schröder einen Besuch ab. Sie begleiteten den Berufsjäger bei seiner Arbeit und vor allem beim Abbau der Zäune. Und sie berichten auch über die beiden anderen Jagdgatter in Schleswig-Holstein, die sich der Anordnung des Landes widersetzen wollen. Nach Auskunft des Umweltministeriums sollen die Umzäunung in Wiedenborstel und im Sachsenwald stehen bleiben. Damit wäre Alexandra Jahr die einzige Gatterbetreiberin, die der Anordnung folgt.

>In der Reihe NDR NaturNah zeigt N3 heute um 18.15 Uhr die 30-minütige Reportage „Der Wildmeister von Wacken“.

>Informationen zum Wildverkauf gibt es im Internet unter www.gourmet-wild.de und telefonisch 04827/95269.

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