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Finnentag : Jäger legten Samenkorn der Demokratie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jubiläums-Finnentag mit hunderten Gästen in Hohenlockstedt. Besucher würdigen das Engagement der Gemeinde für die Tradition.

von
erstellt am 02.Mär.2015 | 04:45 Uhr

Fast 100 Jahre ist Finnland ein freies und unabhängiges Land – der Grundstein dafür wurde im damaligen Lockstedter Lager gelegt. Am 25. Februar 1915 kamen die ersten 19 von insgesamt fast 2000 Finnen dort an, um sich militärisch ausbilden zu lassen. An den Mut und die Opferbereitschaft der meist nationalgesinnten jungen Männer erinnerten Sonnabend die Redner beim 100. Jahrestag der Ankunft dieser ersten Freiwilligen. „Finnen und Deutsche können heute die Freiheit und Unabhängigkeit genießen, die die Jäger vor 100 Jahren vor Augen hatten“, sagte Generalmajor Hans-Werner Wiermann, Kommandeur territoriale Aufgaben der Bundeswehr, bei der Kranzniederlegung im Ehrenhain.

Neben hochrangigen Soldaten der Bundeswehr und zahlreichen Politikern aus Bund, Land und Kreis war die Veranstaltung an der Gedenkstätte, in der die Jägerstatue steht, vor allem von finnischen Militärangehörigen und Besuchern aus dem nordeuropäischen Land geprägt. Die Bedeutung der Ausbildung der Jäger in Deutschland verdeutlichten General Jarmo Lindberg, Oberbefehlshaber der finnischen Verteidigungskräfte, und Jussi Niinistö, Vorsitzender des finnischen Verteidigungsausschusses. Die im königlich-preußischen Jägerbataillon 27 zusammengefassten Finnen waren beim Unabhängigkeitskampf von Russland 1918 federführend dabei, ebenso wie bei der Verteidigung der Freiheit im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion. „Die Jäger haben starke Impulse für die Verteidigungskräfte in Finnland gesetzt“, betonte Niinistö. Dabei verschwieg er nicht, dass der Kampf der Jäger 1918 auch ein Bruderkampf im eigenen Land war, denn die Unabhängigkeit musste vor allem gegen die mit Russland verbündeten Kommunisten erlangt werden. „Ein Sieg der Roten hätte den Anschluss an Russland bedeutet.“ Aus den fast 2000 im Lockstedter Lager ausgebildeten Jägern sind später 80 Generäle und 850 Offiziere hervorgegangen.

Auch Bürgermeister Jürgen Kirsten wies auf den Mut und die Opferbereitschaft der jungen Finnen auf dem Weg zur Freiheit und zur Demokratie hin. „Das Samenkorn der Demokratie ist aufgegangen. Heute ist Finnland wie auch Deutschland ein Garant der Demokratie in Europa.“

Für Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt ist diese Episode der Geschichte ein Ereignis, dass noch bekannter gemacht werden müsste. „Keine Region außerhalb des Landes hat eine solch hohe Bedeutung für Finnland wie Hohenlockstedt“, sagte er. Damals sei auch der Grundstein für die Freundschaft beider Völker gelegt worden.

Beim obligatorischen Kaffeetrinken im Anschluss an die Kranzniederlegung, die im großen militärischen Rahmen mit Ehrenformation, Fahneneinzug und dem Gardemusikkorps der finnischen Verteidigungskräfte stattfand, würdigten die finnischen Gäste vor allem das Wachhalten der Erinnerung in Hohenlockstedt. „Es freut uns sehr, dass sich so viele Deutsche für die Ehre der Jäger einsetzen“, betonte Botschafterin Päivi Lusostarinen. Und: Die Gemeinde Hohenlockstedt habe eine „wichtigen Platz“ in der Geschichte Finnland. Für die Pflege der Freundschaft und der Tradition hätte die Gemeinde einen Ehrenpreis verdienst, sagte auch Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann, Vizepräsident des Bundes der deutschen Infantrie.

Keinen Ehrenpreis, aber dafür Miniaturausgaben der in Finnland hochgeschätzten Jägerfahne überreichte Asko Kilpinen, Präsident der finnischen Jägerstiftung, unter anderem an Achim Jabusch, Vorsitzender des Vereins für Kultur und Geschichte, sowie Mark Aretz, der als Verbindungsoffizier zu den Finnen und als Dolmetscher am Wochenende viel beschäftigt war. Kilpinen würdigte auch Ex-Bürgermeister Bernhard Diedrichsen, dieser hatte seine Miniaturfahne bereits vor einiger Zeit bekommen.

Auszeichnungen verlieh auch General Kalervo Sipi, Vorsitzender des Traditionsverbandes Finnischer Freiheitskrieg. Mit dem Blauen Kreuz ehrte er die Hohenlockstedter Dierk Hein, dessen Vater 1950 den Finnentag begründet hatte, Birgit Trabandt, Ursel Kreuzmann, Jürgen Schmidt und Friedrich-Wilhelm Helpap. Das Blaue Kreuz wird an Personen überreicht, die sich um die Jägertradition verdient gemacht haben.

Und auch Achim Jabusch erhielt noch ein Geschenk – für das Museum am Wasserturm. Marjut Kristina Schulz, deren Großvater, Oberstleutnant John Rafael Hellmann im Lockstedter Lager ausgebildet wurde, überreichte eine Miniaturstatue eines Jägers.

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