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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 23:38 Uhr

Hobby : Jäger aus Liebe zur Natur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Warum der Vaaler Oliver Buldtmann sich mit 46 Jahren einen Kindheitstraum erfüllte und den Jagdschein machte. Bei seinem ersten Bock kamen ihm die Tränen. Der Familienvater ist einer von 1011 Jäger im Kreis Steinburg.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 18:00 Uhr

Seit Dienstag Abend büffeln gut 20 Teilnehmer im Kaakser Gasthaus „Zum Wildwechsel“ Gesetze und Vorschriften, lernen alles über Wildtiere, ihre Krankheiten und wie man Wildbret verwertet. Die Haltung von Jagdhunden, Brauchtum der Jägerei, Natur- und Umweltschutz runden den Lehrplan ab. 55 solcher Unterrichtsabende hat die Gruppe noch vor sich. Hinzu kommen 14 Exkursionen in Wald und Flur sowie zwölf Termine, um den Umgang mit der Jagdwaffe zu trainieren. Am Ende – im Mai 2014 – stehen schriftliche und mündliche Prüfung sowie eine Schießprüfung.

Das alles hat Oliver Buldtmann schon hinter sich. Der Familienvater aus Vaale hat in diesem Jahr seinen Jagdschein gemacht, als Bester seines Lehrgangs. Jetzt darf er sich Jungjäger nennen. Mit seinen heute 46 Jahren hat er sich so fast einen Kindheitstraum erfüllt. Schon der Urgroßvater war Jäger, der Vater hatte einen Resthof. „Schon als Kind war ich immer sehr verbunden mit der Natur“, sagt der gelernte Landschaftsgärtner. Beruflich hat er mit Natur inzwischen nichts mehr zu tun. Buldtmann ist als Disponent in der Schrottverwertung tätig. Ein Job mit vielen Stunden und oft auch viel Stress. „Ich bin nach Möglichkeit jeden Tag draußen an der frischen Luft“, hat Buldtmann einen idealen Ausgleich zum anstrengenden Berufsleben gefunden. Nur warum dann gleich Jäger werden ?

Die Initialzündung sei durch zwei Arbeitskollegen gekommen, die sich über das Thema unterhalten hätten. „Das hat bei mir etwas ausgelöst.“ Buldtmann machte sich schlau, sprach mit gestandenen Jägern. Was ihn von Beginn an beeindruckte, war der Zusammenhalt innerhalb der Jägerschaft. „Da geht man respektvoll miteinander um“, findet er. Und genau diesen Respekt will auch dem Tier gegenüber zeigen. „Jäger ist ja nicht nur schießen“, will er das Hobby auf keinen Fall auf diesen einen Aspekt reduziert sehen. Im übrigen komme er aus dem Naturschutz. Und den Jagdschein habe er auch deshalb gemacht, um „besser mitreden zu können“.

Immer wieder betont Oliver Buldtmann, dass seine Auffassung von Jägerei vor allem mit Respekt und Anstand dem Tier gegenüber zu tun hat. „Ich will da auch als Jäger anerkannt und ein Vorbild sein“, sagt er. Ohnehin sei es ja nicht so, dass man nach Lust und Laune die Flinte oder die Büchse packt, und auf die Jagd geht. Die Jagdgründe seien genau reglementiert, die Abschussquoten festgelegt. „Immerhin haben wir ja auch einen staatlich vorgegebenen Hegeauftrag.“ Für ihn „ein ganz großes Thema“: Waidgerechtigkeit. Buldtmann erinnert sich noch genau, wie er seinen ersten Bock geschlossen hat. „Man muss die Witterung lesen können, das Stück Wild überlisten. Das ist das Spannende. Man muss sich das alles erst richtig erarbeiten.“ Sein erstes erlegtes Tier war ein Fuchs. Und dann der Bock. „Vor dem habe ich so großen Respekt gehabt, dass ich geweint habe“, macht Oliver Buldtmann auch aus einem Gefühlsausbruch keinen Hehl. Ohnehin ist er nicht darauf aus, möglichst viele Tiere vor die Flinte zu bekommen. „Meine Lebensstrecke wird sicher nicht so groß sein. Mir geht es ja auch nicht darum, Fleischberge in der Kühltruhe anzuhäufen.“ Insofern sieht er sich auch der Jägerdevise von der Hege und Pflege eng verbunden. Die Sprecherin der Steinburger Kreisjägerschaft, Ute Lange-Friedrichs, betont denn auch, dass es die erste Aufgabe der Jäger sei, die schwachen Tiere zu selektieren, um einen gesunden und kontrollierten Bestand zu gewährleisten. Vielfach gehe es auch darum, Gefahrenherde an Wildwechseln zu beseitigen. Buldtmann und Lange-Friedrich betonen zudem, dass es sich entgegen aller möglichen Vorurteile bei den Jägern um ganz normale Steinburger handele. Und davon gibt es nicht wenige. Aktuell zählt die Jägerschaft genau 1011 Mitglieder, die für bejagbare Flächen von fast 92 000 Hektar zuständig sind. Auf ein eigenes Revier muss Oliver Buldtmann allerdings noch eine ganze Weile warten. Als Jungjäger hat er zunächst nur einen Begehungsschein. Und auch mit dem kann er nur in einem Revier auf die Pirsch gehen, dessen Inhaber grünes Licht gegeben hat. „Jetzt geht die Saison erst richtig los“, freut sich der Vaaler auf die Stunden in freier Natur. Da müssen sich die aktuellen Lehrgangsteilnehmer noch gedulden. Kein ganz billiges Vergnügen übrigens. 900 Euro kostet die Teilnahme, Schüler, Studenten und Azubis bis 25 zahlen 500 Euro. Hinzu kommen 130 Euro Schießstand- und 180 Euro Prüfungsgebühr. Und die Erstausstattung für einen Jäger schlägt auch schnell mit 2000 bis 3000 Euro zu Buche. Dafür bekommt man, wie Oliver Buldtmann glaubhaft vorlebt, ein Hobby mit Leidenschaft, Respekt und Anstand.

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