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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 05:48 Uhr

Jujutsu : Itzehoer Kampfsportler weltweit vorn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Besser als die Japaner: Tim Weigel ist einer der drei am besten ausgebildeten Lehrer in der Kampfsport-Art Moto-Ha-Yoshinryu-Jujutsu.

Er ist gebürtiger Itzehoer, 32 Jahre alt – und einer der bestausgebildetsten Trainer seiner Stilrichtung weltweit. Tim Weigel ist Cheflehrer für Moto-Ha-Yoshinryu-Jujutsu in Deutschland. Etwa 100 Schüler besuchen regelmäßig sein Dojo, seine Jujutsu-Schule, im Feldschmiedekamp.

Mit fünf Jahren stand er selbst zum ersten Mal auf der Matte – damals noch im Judoanzug. „Ich wollte es schon immer gerne machen. Warum, kann ich gar nicht sagen“, erinnert er sich. Weil es ihm gefiel, blieb er dabei. Doch nach einigen Jahren orientierte er sich innerhalb des Kampfsports neu, besuchte verschiedene Seminare. Eher zufällig stieß er auf die Stilrichtung im Jujutsu, der er heute angehört. „Ich habe den Kontakt nach Japan gesucht – und auch gefunden“, sagt Weigel: Das Oberhaupt dieser Richtung, Akiyoshi Yasumoto, gab ein Seminar in Schweden, an dem Weigel teilnahm. „Er hat mich fasziniert – als Person und mit dem, was er lehrt“, sagt Weigel. 16 Jahre jung war er damals.

Seitdem ist Yasumoto sein Lehrer. Mehrmals im Jahr nahm der Itzehoer europaweit an seinen Seminaren teil, beschäftigte sich intensiv mit den Inhalten. Während seiner Ausbildung zum Zahntechniker nutzte er seinen Urlaub, „um jede Minute mitzubekommen, die möglich war“. Heute besucht der Lehrer seinen Schüler regelmäßig in seiner Schule in Itzehoe. Auch Weigel fährt jedes Jahr für drei bis vier Wochen nach Japan. Für ihn sei der 80-jährige Meister inzwischen „wie ein Großvater“.

2004 wagte der Itzehoer den „Sprung ins kalte Wasser“: Nachdem er eine Weile als Zahntechniker gearbeitet hatte, setzte er alles auf eine Karte und eröffnete seine eigene Jujutsu-Schule. Anfangs komplett ohne Schüler. Doch die kamen recht schnell. Trainiert wird nicht nach Leistungsgraden, sondern nach Alter – wie in Japan. Wichtig sei dieses Verfahren, „weil Fortgeschrittene sich immer wieder mit den Basics beschäftigen müssen, aber auch weil Anfänger sich die Fortgeschrittenen als Vorbild nehmen.“

„Es geht um Bewegung“, erläutert Weigel. Ausweichen gilt als Grundprinzip. Die Techniken, die dann folgen, richten sich nach dem Angriff. „Im Grunde genommen lernen wir, wie man aus einem Kampf möglichst unverletzt rauskommt.“ Schwerpunktmäßig wird an der Schule die Verteidigung gegen Fußtritte und Faustschäge gelehrt, für Erwachsene auch mit Stock, Schwert und Messer. Die Techniken sind vorgegeben, dürfen und sollen ab einem bestimmten Leistungsniveau aber auch abgewandelt und miteinander kombiniert werden.

Obwohl es sich ursprünglich um ein Ausbildungssystem für Krieger handelte, könne man es heutzutage durchaus zur Selbstverteidigung gebrauchen, so Weigel. Aus diesem Grund kämen die meisten Schüler zu ihm, aber auch, weil sie sich für die Tradition und Geschichte der knapp 400 Jahre alten Kampfkunst interessieren oder weil sie sich sportlich betätigen wollen. Alle fünf Jahre nimmt Weigels Dojo an einem Wettkampf in Japan im Heimatort seines Lehrers teil. Im nächsten Frühjahr reist er mit einer Gruppe von rund 25 Personen dorthin.

Die Leistungsgrade werden traditionell in Form von Schriftrollen untergliedert: Auf etwa 3 Metern Papier steht in japanischen Schriftzeichen alles geschrieben, was der Schüler bis dahin gelernt hat. Erst viel später kamen die Gürtel hinzu. An die Farbgürtel schließen sich acht schwarze Gürtel (Dan) an. Tim Weigel trägt den sechsten Dan und ist damit nach seinem Lehrer Yasumoto einer der drei am besten ausgebildeten Trainer weltweit in seiner Stilrichtung. Auch die ersten drei Schriftrollen finden sich in seinem Regal. Nur Kaiden, die vierte Schriftrolle, umfasst das komplette Können und Wissen und kann nur einem gehören: dem weltweiten Oberhaupt. Wen Yasumotoin absehbarer Zeit zu seinem Nachfolger ernennt, stehe noch nicht fest – aber „es kann sein, dass ich es werde“, so Weigel. „Ich bin weiter als sämtliche japanische Schüler.“

Wenn Weigel nicht unterrichtet oder selbst trainiert, arbeitet er stundenweise als Fitnesstrainer. In seiner verbleibenden Freizeit ist er „so viel wie möglich draußen“, geht wandern oder klettern, reist gern nach Skandinavien und spielt Gitarre. Denn er weiß: „Man braucht Hobbys, um sich neu zu motivieren.“

>Am Ende der Samurai-Zeit gab es in Japan etwa 6000 verschiedene Stilrichtungen im Jujutsu. Nur 200 davon sind heute noch lebendig, wovon 50 weltweit unterrichtet werden. Eine davon ist Moto-Ha-Yoshinryu-Jujutsu. Rund 400 Jahre alt ist diese Strömung. In 15 Ländern wird die traditionell geprägte Kampfrichtung heute unterrichtet, drei Schulen gibt es in Deutschland. Die Stilrichtung ist nicht auf Wettkampf ausgerichtet. Verglichen mit anderen Kampfsportarten wie zum Beispiel Judo ist Moto-Ha-Yoshinryu-Jujutsu mit 2000 Schülern weltweit eher klein und überschaubar.

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