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Katastrophe in Schützenstrasse : Itzehoe: Ursache der Gasexplosion bleibt unklar

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Nach der Explosion mit vier Toten in Itzehoe im März liegt jetzt das offizielle Gutachten vor. „Eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände“ führte zur Katastrophe.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 11:06 Uhr

Itzehoe | Wie konnte das nur passieren? Seit dem 10. März steht diese Frage im Raum. Nun ist klar: Es war eine Gasexplosion. Doch eine eindeutige Antwort, wie es zu der Katastrophe in der Schützenstraße kam, wird es wohl nicht geben. Das hat die Polizei gestern mitgeteilt.

Demnach haben die Sachverständigen des Kieler Landeskriminalamtes ein „abschließendes Gutachten“ vorgelegt. Dieses nennt „eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände“, die schließlich zu der Gasexplosion geführt habe. Polizeisprecherin Merle Neufeld betont: „Es hat eine Gasexplosion stattgefunden, das ist keine Frage mehr.“ Ausgeschlossen sind danach andere Ursachen wie ein Anschlag oder die Entzündung im Haus gelagerter Chemikalien. Entsprechende Spekulationen waren nach dem Unglück laut geworden.

Das Unglück hatte drei Hausbewohner und einen Bauarbeiter das Leben gekostet sowie 15 Menschen teils schwer verletzt. In der Schützenstraße liefen Arbeiten an der Kanalisation, doch der erste Verdacht, dass dabei die Gasleitung zum Haus beschädigt worden war, wurde schnell widerlegt. Eine Druckprobe zeigte: Bis zum Unglückshaus hatte die Leitung kein Leck. Im Raum stand die Frage, ob Erschütterungen durch die Bauarbeiten zu Schäden im Haus geführt haben. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf Gas-Hausanschluss und Heizung.

Dafür gruben sich die Experten des Landeskriminalamtes durch die Trümmer im Keller des explodierten Gebäudes. Sie legten den Hausanschluss frei, trennten Absperreinrichtung, Regler und Zähler ab und transportierten sie zur Begutachtung ab. Außerdem arbeiteten sich die Ermittler zum früheren Standort der Heizung vor. Einzelteile wurden gesammelt, um Rückschlüsse ziehen zu können. Diese fasste die Polizei nun so zusammen: „Eine hundertprozentig sichere Aussage dazu, ob der Zustand der Leitungen oder die Bauarbeiten die Hauptursache für den Gasaustritt gesetzt haben, ist auch nach eingehender Untersuchung der Beweismittel nicht möglich.“

Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt, die Ermittler der Polizei fertigen nun einen Abschlussbericht. „Zeitnah“ soll das geschehen, dann geht der Bericht an die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Dort laufen weiterhin Ermittlungsverfahren zu der Frage, ob jemand für die Toten und Verletzten verantwortlich zu machen ist.

Es sieht nicht danach aus. Das heißt für die Betroffenen: Es fehlt eine Klarheit, die „für die Verarbeitung äußerst hilfreich“ gewesen wäre, so Professor Dr. Arno Deister, Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin im Klinikum Itzehoe. Dieses war vor allem direkt nach dem Unglück gefordert, um bei der akuten Krisenbewältigung zu unterstützen. Als wesentliche Folgen einer solchen Katastrophe nennt Deister Verunsicherung und das Gefühl des Kontrollverlusts. Diese würden durch die nicht endgültig geklärte Ursache zwar nicht verschlimmert, aber auch nicht gelindert: „Je mehr ich darüber weiß, was passiert ist, desto mehr Sicherheit und Vertrauen gewinne ich.“

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