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Guten Rutsch : Itzehoe: Silvester-Feier auf Arabisch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Itzehoerin Martina Jacobi feiert den Jahreswechsel mit syrischen Flüchtlingen – nach deren Gewohnheiten.

von
erstellt am 30.Dez.2015 | 16:56 Uhr

Itzehoe | Das neue Jahr feiern, während in seinem Heimatland Krieg herrscht? Das fällt dem Syrer Feras Abo Hassoun, der im August als Flüchtling nach Itzehoe kam, nicht leicht. „In Gedanken werde ich bei meiner Familie sein, die noch in Syrien ist“, sagt der 39-Jährige. Trotzdem plant er am heutigen Silvester-Abend bewusst eine Feier: „Denn das Leben muss ja weitergehen“, sagt er und erntet ein Nicken von seinem Mitbewohner Mohannad Azzam (35), dem befreundeten Ehepaar Mohamed Rahim (35) und Nareman Razuk (25) und der Itzehoerin Martina Jacobi (58).

Jacobi, Lehrerin an der Grundschule Edendorf, unterstützt Feras und seine Freunde seit ihrer Ankunft in der Kreisstadt, begleitet sie bei Behördengängen, sorgte dafür, dass sie Fahrräder bekommen. Zu Weihnachten nahm sie Mohannad Azzam mit in die Kirche. Am heutigen Silvester-Tag soll nun in großer Runde zusammengefeiert werden – und zwar gemäß syrischer Tradition.

In dem arabischen Land, in dem die Zeit nach dem westlich-christlichen Kalender gezählt wird, ist der Jahreswechsel ebenso wie in Europa ein großes Fest. „Die wichtigste Regel bei uns ist eigentlich, dass wir den Tag mit Leuten verbringen, die wir mögen“, erklärt Feras Abo Hassoun. Das könnten Freunde oder Familie sein. Meist habe er vor Mitternacht mit der Familie zusammengesessen und danach mit Freunden weitergefeiert.

Auf den Tisch kommen typisch arabische Speisen, wie Fatousch, ein Salat aus Tomaten, Gurken und frittiertem Fladenbrot, dazu Fleisch und Fisch. Die gelernte Köchin Nareman Razuk hat für heute Abend bereits einiges vorbereitet. Alkohol gehört für Abo Hassoun, der der Religion der Drusen angehört, dazu. Seine Freunde Mohamed Rahim und Nareman Razuk werden als Muslime dagegen abstinent bleiben. Eine CD mit orientalischer Musik liegt bereit. „Nur Tanzen werden wir wahrscheinlich nicht, dafür ist unsere Wohnung zu klein“, sagt Abo Hasoun.

Ansonsten unterscheiden sich die Silvester-Bräuche in Syrien nicht wesentlich von den deutschen Gewohnheiten. „Feuerwerk gehört besonders für Familien mit Kindern dazu. In diesem Jahr werden wir aber darauf verzichten“, sagt der Neu-Itzehoer. Aber natürlich werde man um Mitternacht nach draußen gehen, die letzten zehn Sekunden des alten Jahres abzählen, das Feuerwerk über Itzehoe anschauen und sich ein frohes neues Jahr wünschen.

Wehmut und Hoffnung werden in den Neujahrswünschen der Syrer mitschwingen: „Ich möchte, dass 2016 endlich Frieden in meinem Land herrscht. Denn erst jetzt verstehe ich, wie wertvoll dieser Frieden ist“, sagt Feras Abo Hassoun und erntet wieder ein Nicken von seinen Landsleuten. Und was wünscht sich Martina Jacobi? „Dass wir weiterhin befreundet bleiben und die Familien der Syrer bald nach Deutschland kommen können.“

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