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Arbeiten am Muttertag : Itzehoe: Kampf gegen den offenen Sonntag

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Verkäuferinnen in Itzehoe protestieren gegen die Terminierung. Der Verein Wir für Itzehoe weist die Vorwürfe allerdings zurück.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Es hätte so schön sein können. Mit Kindern und Ehemann einen Ausflug machen – am Muttertag 2015. Doch der 10. Mai ist für Cora Fischer wohl kein Tag, an dem sich die zweifache Mutter einmal richtig von der Familie verwöhnen lassen kann. Denn an diesem Tag muss sie eigentlich in ihrem Juweliergeschäft in der Feldschmiede stehen, am zweiten von vier verkaufsoffenen Sonntagen in Itzehoe. Dagegen formiert sich jetzt Widerstand der Verkäuferinnen in der Fußgängerzone, die Konzept und Termine in Frage stellen.

„Die letzten beiden verkaufsoffenen Sonntage waren eine Katastrophe“, sagt Cora Fischer. „Die Leute laufen vorbei, aber es kauft kaum einer was.“ Andrea Heßberg, die in einem Geschäft für Damenbekleidung arbeitet, ergänzt: „Die Leute haben nicht mehr Geld, nur weil sonntags geöffnet ist. Sie sollen an zwei verkaufsoffenen Sonntagen im Herbst und an allen langen Sonnabenden im Dezember hier shoppen – das macht keiner.“ Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr seien zu viel. Dazu komme die Konkurrenz aus Städten wie Elmshorn oder Hamburg. „Da fahren die Leute doch lieber dorthin, weil es mehr Auswahl gibt“, sagt Heßberg.

Helmut Seifert vom Verein Wir für Itzehoe, der die Termine für die verkaufsoffenen Sonntage der Ratsversammlung vorschlägt, sieht ebenfalls die Konkurrenz. „Aber es kommen wenige Sonntage für solche Aktionen in Betracht, deswegen wählen viele Städte die gleichen Tage.“ Die Ferien fallen aus, und viele Geschäftsleute wollen die Termine zu Beginn des Monats, weil die Leute dann noch in Kauflaune seien. „Wir versuchen, alle Wünsche der Geschäftsleute zu berücksichtigen“, sagt Seifert. Er kenne viele Arbeitnehmer, die etwa wegen der Zuschläge gern am Sonntag arbeiteten. Kritik der Verkäuferinnen, dass der Verein ihre Interessen nicht berücksichtige, weist er scharf zurück. „Wir hatten eine öffentliche Sitzung unseres Vereins, zu der wir auch über die Presse eingeladen haben, und zu der knapp 30 Interessierte gekommen sind“, sagt Seifert. Dort seien die Terminprobleme intensiv diskutiert worden. „Wir haben erst ein Meinungsbild eingeholt und dann im Vorstand einen Mehrheitsbeschluss erzielt“, sagt Seifert. Mehr Transparenz sei nicht möglich. „Die Sitzung ist immer im Herbst. Wer informiert werden will, wann sie stattfindet, kann sich gern bei uns informieren“, sagt Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula. Auf der Sitzung habe sie wie Seifert von den weiblichen Gästen mehr Protest gegen den Muttertag als verkaufsoffenen Sonntag erwartet, doch der sei nur vereinzelt gekommen. Seifert: „Und jetzt kommt der Widerstand von Leuten, die samt und sonders nicht da waren.“

Für Seifert stehen die Termine fest, auch wenn sie in der Ratsversammlung noch beschlossen werden müssen. Das war bislang jedoch reine Formsache. Die Verkäuferinnen hoffen dennoch darauf, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Denn neben einem freien Muttertag wollen sie auch den 4. Oktober als verkaufsoffenen Sonntag verhindern. „Da geht doch wie am Muttertag niemand shoppen, denn viele Familien haben da anderes im Sinn“, sagt Andrea Heßberg. „Und für uns Verkäuferinnen wäre es wegen des Feiertages endlich mal ein normales Wochenende mit zwei freien Tagen hintereinander.“ Doch wenn der verkaufsoffene Sonntag von der Stadt vorgegeben werde, müssten vor allem die Verkäuferinnen in den Filialen großer Ketten ran – egal, ob viel oder wenig Umsatz gemacht werde.

Helmut Seifert hält den verkaufsoffenen Sonntag dennoch weiter für sinnvoll – mit allen Terminen. „Wir müssen mit den anderen Städten mithalten, sonst wandert die Kaufkraft dorthin ab.“ Daran könnten auch die Arbeitnehmer kein Interesse haben, denn das gefährde auch deren Jobs.

Cora Fischer denkt vor allem erst einmal an ihren Umsatz. „Es lohnt sich einfach nicht, dass wir an einem Sonntag zu dritt im Geschäft stehen und kaum etwas verdienen. Da mache ich lieber zu.“

 

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