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Grippewelle in SH : Itzehoe: Grippe hat die Region fest im Griff

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ärzte verzeichnen vor allem im Süden von SH einen starken Anstieg der Atemwegserkrankungen, doch der Grippe-Impfstoff ist weniger wirksam als in den Vorjahren.

Itzehoe | Hohes Fieber, Erschöpfung sowie Kopf- und Gliederschmerzen − diese Beschwerden verspüren derzeit viele Menschen aus Itzehoe und Umgebung. Die diesjährige Grippe-Saison ist in vollem Gange. In den Arztpraxen bietet sich fast überall das selbe Bild: Die Wartezimmer sind voll. Entsprechend hat auch die Zahl der Krankmeldungen ein hohes Niveau erreicht.

Bis zu 100 Patienten versorgt Anja Roß, Allgemeinmedizinerin in Itzehoe, täglich − ein Großteil davon mit Grippe-Symptomen. Ihre Praxis hat sie erst am 5. Januar von ihrer Mutter übernommen. „Seitdem ist das Wartezimmer immer voll. Die Grippe-Welle ist wirklich enorm“, so Roß.

Auch in der Itzehoer Stadtverwaltung spürt man die Auswirkungen. „Es gibt einen erhöhten Krankenstand“, sagte Stadtsprecher Frank-Dieter Simon. Dieser sei zwar nicht geschäftsgefährdend, doch jeder Mitarbeiter, der nicht an seinem Platz sei, mache sich bemerkbar. „Denn es muss jemand anders einspringen“, so Simon. Eine Grippe-Welle, die sich anhand steigender Krankschreibungen zeige, gebe es jedes Jahr, so der Stadtsprecher. Doch die derzeitige sei stärker als üblich.

Tendenz steigend: Die Karte zeigt die Verbreitung der amtlich gemeldeten Influenza-Fälle in Schleswig-Holstein in dieser Woche. Die Dunkelziffer ist jedoch sehr hoch, erklärt Jochen Wiese vom Kreisgesundheitsamt. Nur ein kleiner Anteil der tatsächlichen Grippe-Fälle werde erfasst. Viele Menschen suchten schlicht keinen Arzt auf und nicht bei jedem Patienten in den Praxen werde eine Laboruntersuchung gemacht.
Tendenz steigend: Die Karte zeigt die Verbreitung der amtlich gemeldeten Influenza-Fälle in Schleswig-Holstein in dieser Woche. Die Dunkelziffer ist jedoch sehr hoch, erklärt Jochen Wiese vom Kreisgesundheitsamt. Nur ein kleiner Anteil der tatsächlichen Grippe-Fälle werde erfasst. Viele Menschen suchten schlicht keinen Arzt auf und nicht bei jedem Patienten in den Praxen werde eine Laboruntersuchung gemacht. Foto: Quelle: Institut für Infektionsmedizin, Kiel

Ein optischer Beleg dafür, dass die diesjährige Grippe-Saison in vollem Gange ist, lässt sich auch auf dem Parkplatz vor der Gemeinschaftspraxis Herzhorn ablesen: Zur Sprechzeit ist dort kaum mehr ein Parkplatz zu bekommen. „Ja, der Eindruck täuscht nicht – es ist viel los“, sagt Dr. Ursula Preuß, Fachärztin für Allgemeinmedizin, die hier mit ihren vier Kollegen Patienten behandelt. „Die Grippe schlägt dieses Jahr wohl wieder etwas stärker zu.“

Eine „stark erhöhte Influenza-Aktivität“, meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin, der zentralen Forschungs- und Überwachungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten, aktuell für alle Teile Deutschlands. Influenza-Viren sind die Erreger der „echten“ Grippe, die im Vergleich zur banalen Erkältung in der Regel deutlich hartnäckiger verläuft und öfter zu Komplikationen führt. Nach neuesten Berechnungen des RKI stehen in Jahren mit schweren Grippe-Ausbrüchen bis zu 30.000 Todesfälle in Deutschland mit dem Influenza-Virus in Verbindung.

Die Zahlen schwanken jedoch von Jahr zu Jahr stark. Die Erreger verändern sich ständig und sind nicht in jeder Saison gleich aggressiv. Nachdem im Winter 2012/2013 eine heftige Grippewelle durch Deutschland rollte, war die Lage 2013/2014 wesentlich entspannter. Nun scheinen die Viren in diesem Winter wieder kräftiger zuzuschlagen. Wie lange die Viren noch ihr Unwesen treiben, ist auch für die Experten schwierig einzuschätzen. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts wagt gegenüber unserer Zeitung keine Prognose darüber, ob der Höhepunkt der Grippe-Welle in Deutschland bereits erreicht ist.

„Der Kreis Steinburg ist in dieser Grippesaison bisher besonders betroffen“, sagt Jochen Wiese, Abteilungsleiter für Infektionsschutz im Kreisgesundheitsamt. Auch er wagt keine genaue Prognose über den weiteren Verlauf. „Die Tendenz ist aber noch ansteigend.“ Ursula Preuß rechnet für das Einzugsgebiet ihrer Praxis noch mit einem etwa zweiwöchigen Anstieg der Erkrankungen, bevor sie wieder abflauen.

Unterscheiden lasse sich die Influenza-Grippe von einem normalen Infekt am Verlauf: „Während eine banale Erkältung meist langsam mit Halsschmerzen und laufender Nase beginnt, fühlt sich der Patient bei der klassischen Influenza-Erkrankung oft schlagartig sehr krank“, erklärt Preuß den Unterschied. Hohes Fieber bis zu 40 Grad und trockener Husten seien weitere Anzeichen für eine echte Grippe.

Vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder chronischen Atemwegs-Erkrankungen sei eine Influenza-Grippe gefährlich, sagt Dr. Hans-Christoph von Zezschwitz, Allgemeinmediziner in Glückstadt. Komplikationen wie Lungenentzündungen sind für diese Patienten unter Umständen lebensbedrohlich. Der Mediziner rät deshalb auch jetzt noch zur Grippeschutz-Impfung. „Risikopatienten sollten sich noch Impfen lassen, wenn sie es noch nicht getan haben. Auch wenn der Impfschutz erst nach 14 Tagen wirkt – ein paar Wochen wird die Grippe noch unterwegs sein.“

Allerdings wirkt der Impfschutz in diesem Jahr nicht so effektiv wie in anderen Jahren. „Der Impfstoff wird immer aus den Erfahrungen der letzten Saison und berechneten Veränderungen der Viren zusammen gestellt“, erklärt Ursula Preuß. „Es ist eine gute Portion Prognose darin und dieses Jahr haben die Viren sich leider etwas anders entwickelt als erwartet.“ Deshalb erkranken vermehrt auch Menschen mit Impfung. „Die Krankheit verläuft bei ihnen aber in der Regel milder.“ Das Immunsystem ist besser auf die Erreger eingestellt.

An Grippe erkrankten rät die Medizinerin vor allem zur Ruhe. Zwar gebe es Medikamente, so genannte Neuraminidase-Hemmer, die die Genesung beschleunigen können, aber deren Einsatz sei nicht unproblematisch. „Für Risikopatienten, etwa mit einer schweren Herzerkrankung, ist das eine Option.“ Bei ansonsten gesunden Menschen verschreiben sie und ihre Kollegen die Präparate mit Nebenwirkungen aber nicht. Denn am Besten helfen immer noch die alten Hausmittel: Viel trinken, viel Schlaf und viel frische Kost. „Es klingt immer etwas großmütterlich, aber es ist tatsächlich so“, sagt Preuß. „Für unsern Körper ist eine echte Grippe biologisch gesehen Schwerstarbeit. Da hilft es, wenn alles andere, was Energie verbraucht, auf Sparflamme läuft. Die Hausmittel seien übrigens auch die beste Vorsorge, um gar nicht erst krank zu werden, fügt sie hinzu.

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erstellt am 27.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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