Gottesdienst : Itzehoe gedenkt der Explosionsopfer

Itzehoe Trauerfeier Gottesdienst
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Die Itzehoer Hauptkirche St. Laurentii war überfüllt beim Gottesdienst am Donnerstagabend. Es wurde den Opfern der Explosion gedacht.

In einem Gottesdienst in der überfüllten St. Laurentii-Kirche gedenkt Itzehoe der vier Opfer der Explosion vom Montag. Propst und Bürgermeister danken den Helfern - und allen Unterstützern nach der Katastrophe.

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13. März 2014, 20:08 Uhr

Itzehoe | „Wie sollen wir es fassen, was nicht zu fassen ist? Viel schneller, als wir ahnten, zerriss des Himmels Blau...“ Es sind Zeilen aus einem Lied, das gestern im ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer der Explosionskatastrophe vom Montag gesungen wurde. Und es sind Worte, die wohl alle der mehreren hundert Besucher in der St. Laurentii-Kirche bewegten.

Es fällt tatsächlich schwer zu fassen, was am Montag passierte, im wahrsten Sinne aus „heiterem Himmel“, wie Propst Dr.Thomas Bergemann sagte. Denn es war eigentlich ein schöner Morgen – bis der Knall der Explosion alles veränderte. „Damit wurde für manche aus einem schönen Morgen Nacht, eine Nacht ohne Morgen“, so Bergemann. Vier Menschen hätten ihr Leben verloren, viele ihr Zuhause und viele auch die Hoffnung und Unbekümmertheit. „Alle miteinander haben lernen müssen, dass Sicherheit oft nur vermeintliche Sicherheit ist.“

Es gebe so viele Fragen – und keine Antworten. Fassungslos, unendlich traurig seien alle. „Es ist niemand hier, der nicht erschüttert wäre.“ Manche stünden vor dem Nichts, manche wüssten sich glücklich dem Schicksal entkommen und manche seien einfach erschöpft. Im Gottesdienst waren sie alle zusammengekommen: Angehörige, Betroffene, Nachbarn und Vertreter der vielen Organisationen, die am Montag selbst geholfen haben, vom Technischen Hilfswerk über das Rote Kreuz bis zur Freiwilligen Feuerwehr. Aber auch Vertreter aus der Politik und Verwaltung der Stadt, des Kreises und des Landes. Bergemann dankte insbesondere Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen, der Stunde um Stunde am Unglücksort gewesen sei. „Es tut gut, dass die Verantwortlichen wissen, wo sie hingehören, wenn Not am Mann ist.“

Der Propst hob zudem die überwältigende Hilfsbereitschaft der Bürger hervor. „So habe ich die Stadt in den letzten Jahren kennen gelernt“, sagte Bergemann. „Wenn Not ist, gibt es unzählige Menschen, die Hand anlegen und helfen. Das tut gut.“ Es nehme die Not nicht weg, doch es lindere sie. „Und das macht Mut, den nächsten Schritt nach vorne zu machen.“

Itzehoe sei ein Stück näher zusammengerückt, sagte auch Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen und dankte allen, „die geholfen haben und dabei bis an ihre eigenen Kräfte gegangen sind“, ob dies nun Polizisten waren, Helfer des THW und der Feuerwehr, Ärzte, Psychologen oder Seelsorger.

Der 10. März 2014 habe sich unwiderruflich ins Gedächtnis eingebrannt, so Koeppen. „Was als normaler Montagmorgen begann, endete in einer Tragödie. In Sekundenbruchteilen wurden vier Menschen aus dem Leben gerissen.“ Das mache traurig, hilflos und wütend. Man stelle sich immer wieder die Frage nach dem Warum. Das zeigte auch ein Blick ins Kondolenzbuch: Neben vielen persönlichen Einträgen und Widmungen für die vier Toten hatten dort auch jemand nur dieses eine Wort hinein geschrieben: Warum?

Es sei schwer, die richtigen Worte zu finden, sagte Koeppen. Und so ging es auch den Besuchern. Stumm lagen  sie sich  in den Armen und ließen spätestens, als Yasmin Reese   das ergreifende „You Raise Me Up“ anstimmte, ihren Tränen freien Lauf. Hunderte Kerzen, die während der Fürbitten angezündet wurden, verwandelten den Altarraum am Ende des Gottesdienstes in ein Lichtermeer und machten sichtbar, was Bürgermeister Koeppen den Angehörigen und Betroffenen mit auf den Weg gab: „Wir stehen in diesen schweren Stunden an Ihrer Seite und fühlen mit Ihnen.“

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