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Gasexplosion vor einem Jahr : Itzehoe: „Eine Lücke bleibt in der Stadt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Jahr nach der Gasexplosion mit vier Toten in der Schützenstraße plant Bürgermeister Andreas Koeppen zusammen mit Propst Thomas Bergemann eine Gedenkfeier.

Itzehoe | „Ich saß in einer Besprechung als es knallte“, erinnert sich Propst Thomas Bergemann an die Explosion in der Schützenstraße vor einem Jahr. Ein ganzer Häuserblock wurde von einer Druckwelle getroffen. Selbst in anliegenden Straßen barsten die Fensterscheiben, als am 10. März, gegen 9 Uhr, eine Gasexplosion ein komplettes Wohnhaus mit sich riss. Vier Menschen kamen zu Tode, 15 wurden verletzt. Bilder wie im Krieg verbreiteten sich von Itzehoe aus im ganzen Land. Ein Jahr später wird eine Gedenkfeier an den verstorbenen Bauarbeiter und die drei Hausbewohner erinnern.

Es soll eine Feier für alle werden, die das Ereignis getroffen und betroffen gemacht hat. „Mein Wunsch ist, es genau zu der Stunde zu machen, in der es passiert ist“, sagt Bürgermeister Andreas Koeppen, der schon vor einem Jahr an der Unglücksstelle das Gedenken als persönliches Anliegen geäußert hatte. „Es war ein prägendes Ereignis, das viele Menschen mitgenommen hat“, blickt Koeppen zurück. Die Anteilnahme sei groß gewesen. 170  000 Euro wurden damals gespendet, um den Menschen zu helfen, die plötzlich ohne Wohnraum da standen – „das ist eine bemerkenswerte Summe für eine Stadt wie Itzehoe“, findet Koeppen.

Zusammen mit Propst Bergemann hat er nun vorgestellt, wie das einjährige Gedenken am 10. März aussehen soll. Für 9 Uhr ist ein ökumenisches, stilles Gedenken in der St. Laurentii-Kirche geplant. Propst Bergemann wird begrüßende Worte finden. Dann können, begleitet von Orgelmusik, Kerzen angezündet werden. Dazwischen lesen der Propst und Pfarrer Ulrich Krause von der St. Ansgar-Gemeinde im Wechsel kurze Texte. Wenn Menschen Kerzen anzünden, sei es immer ein Zeichen dafür, dass keine Worte da sind. „Man kann etwas tun“, so Bergemann.

Um nach dem Gedenken wieder in Bewegung zu kommen, verklingt die Musik nach einer halben Stunde. Ein Ortswechsel in die Schützenstraße ist geplant. Dort wird eine Gedenktafel zunächst symbolisch in ein Kiesbett vor dem Unglückshaus eingelassen. Die etwa DIN A3 große Tafel wird später in den Gehweg integriert, der im Frühling fertiggestellt werden soll. Die Tafel hat Lutz Bitomsky von der Firma Walter Otto Müller gestiftet. Sie sei „schön gemacht, aber schlicht“, berichtet Koeppen. Die Leute, die im Viertel rund um die Schützenstraße wohnten, seien bescheidene Leute, so Koeppen. Ihrem Wunsch entsprechend, möchte er das Gedenken bescheiden gestaltet sehen. „Man muss sich nicht krampfhaft erinnern. Es ist präsent“, findet auch Bergemann. Erst kürzlich sei er wieder in der Schützenstraße gewesen: „Da ist immer noch eine riesige Lücke – in der Stadt und in den Menschen“, sagt er. Für alle, die an diesem Tag Redebedarf spüren, bietet die katholische Kirchengemeinde ab 9 Uhr bis zum Mittag ein Gesprächsangebot im Familienzentrum an.

Um auch vormittags Berufstätigen eine sichtbare, aber nicht aufdringliche Anteilnahme zu ermöglichen, werden alle städtischen Gebäude mit Fahnenmast am 10. März trauerbeflaggt. Eine Schweigeminute über die ganze Stadt hinweg ist nicht geplant. Schulen sind eingeladen an der Gedenkfeier teilzunehmen.

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erstellt am 01.Mär.2015 | 08:10 Uhr

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