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Ehemaliges Prinovis-Gebäude : Itzehoe: Betten machen für Flüchtlinge

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Montag werden ersten 200 Ankömmlinge in Itzehoe erwartet. Polizei, Johanniter und Reservisten richten ehemaliges Druckerei-Gebäude her.

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erstellt am 26.Sep.2015 | 16:50 Uhr

Eine Handvoll Polizisten stehen vor dem Tor der ehemaligen Prinovis-Druckerei. Ein Handy klingelt. „Was habt ihr an Bord?“, fragt Rüdiger Smal von der Landespolizei den Anrufer. „Hygieneartikel? – Dann fahrt direkt in die hintere Halle.“ Kurz darauf taucht ein Lkw auf, den Smal sogleich über das Gelände lotst. Nachdem er bereits Flüchtlingsunterkünfte in Kiel, Lübeck und Neumünster aufgebaut hat, macht er sich jetzt in Itzehoe ans Werk.

Am Freitag fiel die endgültige Entscheidung, dass in einigen der ehemaligen Druckerei-Gebäude vorübergehend bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Kurz darauf begannen Einsatzkräfte von Landespolizei, Bundeswehr und Johannitern, die Räume herzurichten. Am Montag sollen die ersten 200 Flüchtlinge einziehen, weitere sollen folgen.

Auf dem Gelände herrscht ein einziges Gewusel: Vor dem Gebäude lädt ein Kran einen Dusch-Container ab, drinnen reinigen Putzfrauen die Waschräume, in der Kantine rücken Helfer die Stühle zurecht. In einer großen Fabrikhalle, wo früher Bücher zusammengeklebt wurden, riecht es jetzt nach Holz: Ein gutes Dutzend Reservisten ist damit beschäftigt, Betten aufzubauen. Knapp 300 stehen schon, 650 sollen es an diesem Wochenende noch werden. Einige Männer bespannen Bauzäune mit Planen. „Die dienen als Sichtschutz und sollen den Flüchtlingen, die hier einziehen, wenigstens ein Minimum an Privatsphäre bieten“, sagt Rüdiger Smal, der als einziger hier den Überblick hat. Auch wenn der Anlass eigentlich ein trauriger sei: „Der Aufbau der Einrichtungen macht mir Spaß. Um so mehr, wenn die Räume in solch einem guten Zustand sind, wie hier in Itzehoe.“

Kantinen-Trakt und eine 7800 Quadratmeter große Produktionshalle stehen für die Notunterkunft zur Verfügung. Insbesondere die Kantine und die Waschräume seien hervorragend und wichtige Voraussetzung für ein Flüchtlingslager. In den Räumen, wo einst der Betriebsarzt saß, könne auch jetzt die medizinische Versorgung stattfinden. Das Klinikum bereite sich darauf vor. Übernachten in den alten Produktionshallen werde sicher eine Herausforderung, aber so sei das eben in einer Notunterkunft.

Geplant sei, dass die Flüchtlinge am Eingangstor in Empfang genommen und registriert werden. Anschließend würden Helfer ihnen die Betten zuweisen. Dafür werden die Johanniter zuständig sein, die ab Montag mit 30 Ehrenamtlern im Einsatz sind. Lars Bessel leitet ihren Einsatz, wie er gestern überraschend erfuhr.

Auch er schaut sich im Gebäude um: „Das ist ein Traum. Die Räume sind deutlich besser als in Kellinghusen.“ Auch dort ist seine Truppe bereits, neben dem DRK, unterstützend tätig. „Wir versuchen, alles, was möglich ist, auch wirklich möglich zu machen. Aber unsere Helfer arbeiten jetzt schon am Limit.“ Am Wochenende werde man sich organisieren müssen und eventuell auch hauptamtliche Strukturen schaffen müssen.

Doch meckern will Bessel nicht. „Ich habe Haus, Hund und Hof. Die Flüchtlinge tragen ihr ganzes Leben in einem Rucksack. Ich habe keinen Grund zu klagen.“ In der Notunterkunft habe er ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. „Die Menschen, die dort ankommen, sind sehr dankbar und benehmen sich sehr ordentlich.“ Auch in Itzehoe bestehe daher kein Grund zur Panik. Ähnlich wie in Kellinghusen rechnet Bessel mit einer großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Im Moment könne er jedoch noch keine Sachspenden oder andere Hilfe annehmen. „Das werden wir nach und nach organisieren. Jetzt lassen wir erst einmal die Menschen ankommen.“

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