Schleswiger Entscheidung : Itzehoe als Sitz für das Landestheater?

Mit dem theater itzehoe bietet die Stadt ideale Voraussetzungen als Spielstätte des Landestheaters.
Mit dem theater itzehoe bietet die Stadt ideale Voraussetzungen als Spielstätte des Landestheaters.

Entsetzen über die Schleswiger Entscheidung - auch in Itzehoe. Doch die Stadt sieht das mögliche Ende des Schleswiger Theaters auch als Chance - und bringt sich als neuen Standort ins Gespräch

23-2176985_23-54650629_1377767596.JPG von
01. März 2014, 08:00 Uhr

Itzehoe | Bricht das Landestheater in seiner bisherigen Form zusammen? Nachdem die Schleswiger Ratsversammlung den Bau auf dem Hesterberg abgelehnt hat, scheint dieses Szenario wahrscheinlicher denn je. Auch in Itzehoe ist das Entsetzen darüber groß. „Ich bin schockiert. Nach allem, was uns in den vergangenen Wochen präsentiert wurde und was wir diskutiert haben, hätte ich das nicht gedacht“, sagt Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen. Er vermisst einen Aspekt in den Diskussionen: „Es wird viel über Finanzierung und Gebäude geredet, aber es geht auch um Menschen und Arbeitsplätze!“

Doch auch für das theater itzehoe hätte ein Aus des Landestheaters weitreichende Konsequenzen. Derzeit kommt Itzehoe als Gesellschafter in den Genuss von rund 15 Landestheater-Aufführungen pro Spielzeit. Müssten diese Stücke woanders eingekauft werden, könnte man sich höchstens drei oder vier leisten, was einen deutlichen Einschnitt im Abo-Spielplan mit sich brächte.

Es müssten jetzt auf vielen Ebenen Gespräche geführt werden, so Koeppen. Und dabei könnte auch Itzehoe eine gewichtige Rolle spielen: Könnte die Stadt womöglich statt Schleswig neben Flensburg und Rendsburg dritte Spielstätte werden – und sogar Hauptsitz? „Wir machen uns seit Wochen Gedanken darüber und haben begonnen, Hintergründe zusammenzustellen, was das bedeuten würde“, sagt Koeppen. Es werde jetzt über das Wochenende noch einmal sehr genau gerechnet.

Koeppen ist sich sicher: „Für die Stadt Itzehoe wäre es ein großer Gewinn. Das Landestheater hat einen guten Ruf und zieht viele Menschen an. Für unseren Standort im Hinterland der Westküste, der nicht massenweise touristische Anziehungspunkte hat, wäre das sehr bedeutsam.“ Mit dem theater itzehoe sei ein passendes, großes Haus vorhanden. Und Räume für Werkstätten, Probebühne und Büros ließen sich in der Stadt auch finden. „Es wäre der richtige Weg“, ist Koeppen überzeugt. Allerdings unter einer Voraussetzung: „Es müsste eine Einheit mit unserem Theater und seinem Team bilden, wir wollen unsere Arbeitsplätze natürlich nicht verlieren.“

Obschon er dafür noch kein Mandat durch die Ratsversammlung habe, wolle er schnellstens Sondierungsgespräche führen, „ob und unter welchen Bedingungen es für Itzehoe eine Chance gibt“. Entscheidend sei dabei, was die anderen Gesellschafter sagen.

Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Jörn Klimant habe er gestern bereits gesprochen: „Er findet den Vorschlag sehr konstruktiv und will ihn der Geschäftsführung vorlegen.“

Auch Ulrike Schanko, Direktorin des theater itzehoe, könnte sich eine solche Lösung vorstellen. „Es könnte sicherlich nicht eins zu eins übertragen werden, aber es gibt andere Spielarten, die möglich wären. Das Problem eines maroden Hauses haben wir auf jeden Fall nicht.“

Für das theater itzehoe ändere sich durch die aktuelle Situation zunächst nichts. Die nächste Spielzeit laufe noch wie geplant. Doch sollte es tatsächlich zu einem Aus für das Landestheater kommen, „wird das Flächenland zur kulturellen Diaspora“. Deshalb sei sie „fassungslos“ über die Entscheidung. „Ich kann nicht verstehen, wie so ein wichtiger Baustein der kulturellen Versorgung des Landes so zum Spielball der Politik gemacht wird.“ Es gehe wertvolle Zeit verloren, womöglich steigen Gesellschafter aus, 90 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. „Es ist auf ganzer Linie völlig unverständlich für mich.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen