Fußball : ISV: Überleben nicht ausgeschlossen

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Im Interview erklärt Stephan Ulrich, Vorsitzender des Itzehoer Sportvereins, wie es mit dem Traditionsverein aus seiner Sicht weitergehen wird.

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20. Dezember 2017, 06:01 Uhr

Der Itzehoer SV hat am vergangenen Freitag Insolvenz angemeldet. Darüber waren die Mitglieder auf einer außerordentlichen Versammlung im Vorab informiert worden (wir berichteten). Danach gab es in der Öffentlichkeit reichlich Gesprächsstoff. Was sind die Gründe für die Insolvenz, wie geht es nun weiter beim Lehmwohldclub und gibt es überhaupt noch eine Überlebenschance für den Traditionsverein? Das sind die Fragen, die derzeit überall gestellt werden. Wir haben in einem Interview mit dem ISV-Vorsitzenden Stephan Ulrich nachgehakt.

Herr Ulrich, die Nachricht von der ISV-Insolvenz hat für viel Aufregung nicht nur bei den Vereinsmitgliedern gesorgt. Wie geht es jetzt weiter?

Wie in der Mitgliederversammlung angekündigt, haben wir beim Amtsgericht die Insolvenz angemeldet. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter werden wir nun prüfen, ob sich für den ISV eine positive Fortführungsprognose ergibt.

Sehen Sie noch eine Überlebenschance für den Verein?

Das kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beantwortet werden. Grundsätzlich gilt aber, so lange nicht das Gegenteil bewiesen ist, werden wir uns für einen Fortbestand nach Kräften einsetzten. Eines ist aber sicher, ein „weiter so“ ist völlig ausgeschlossen. Es macht einfach keinen Sinn, wie in der Vergangenheit irgendwie weiter zu machen. Wir müssen jetzt sehen, ob sich eine echte Zukunftschance ergibt, damit Ruhe, Vertrauen und Spaß zum ISV zurückkommt.

Der neue Vorstand ist vor elf Wochen als großer Hoffnungsträger angetreten. Wann ist ihnen klar geworden, dass auf dem Lehmwohld nichts mehr geht?

Der neue Vorstand hat seine Amtszeit dafür genutzt, den Verein kaufmännisch auf links zu drehen, um alles zu verstehen. Es gab in der letzten Novemberwoche ein finales Gespräch mit unserem Steuerberater und unserem Rechtsbeistand. Die Faktenlage war so deutlich, dass es keine Wahlmöglichkeit gab. Unsere Aufgabe bestand nun darin rechtssicher zu handeln, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Was waren die Hauptgründe für das große Defizit im Etat?

Die Kosten der Platzanlage sind für den Verein wirtschaftlich einfach nicht leistbar. Der ISV muss nur diesen Posten jährlich mit zirka 30 000 Euro budgetieren. Das ist sehr viel Geld für einen regionalen Fußballverein. Weiterhin musste ich durch eine Vielzahl an Gesprächen den Eindruck gewinnen, dass man in der Vergangenheit mit großzügigen Unterstützern des Vereins nicht immer pfleglich umgegangen ist. Das war sicherlich ein Fehler. Beim sportlichen Kräfteverhältnis in der Stadt hat der ISV in den letzten Jahren an Boden verloren. Der SCI ist ein top-geführter Verein. Man hätte sich aus der Sicht des ISV vielleicht einen Gefallen damit getan, eine Zusammenarbeit und deren Auswirkungen mit dem SCI genauer zu prüfen, als das mal eine Option war. Aber: Die Vergangenheit zu bemühen ist selten förderlich.

Wird es im nächsten Jahr ISV-Mannschaften geben, die den Punktspielbetrieb wieder aufnehmen? Es soll zum Beispiel einen Sponsor geben, der zumindest die demnächst fälligen Nenngelder für die Jugendmannschaften zahlen will.

Es reicht leider nicht aus, nur die Nenngelder zu zahlen. Grundvoraussetzung für alles Weitere ist das Insolvenzverfahren. Da muss der Verein durch und dann prüfen wir in Absprache mit dem Insolvenzverwalter, wie man sich mit einem positiven Blick nach vorn eine Fortführung des Vereins vorstellen kann. Um es klar auszudrücken, es ist unser erklärtes Ziel mit den Mannschaften im Spielbetrieb zu bleiben. Von einem eventuellen Sponsor habe ich keine Kenntnis.

Ihr Vater hat den ISV vor einiger Zeit durch den Verkauf der ehemaligen Kegelhalle gerettet. Nun könnte der Name Ulrich für das Ende des Traditionsvereins stehen. Wie sehr belastet sie das?

Mein Vater und Uwe Becker haben Anfang der 80er Großartiges geleistet. Es gab aber wesentliche Unterschiede. Damals hatte der ISV 800 Mitglieder und am Wochenende standen immer über 600 Zuschauer pro Heimspiel im Stadion. Ich erinnere nur an das Spiel gegen Kila Kiel vor zirka 4500 zahlenden Zuschauern. Eine bärenstarke Ligamannschaft mit Meisterschaften und vielen Erfolgen. Die Jugendabteilung war in allen Altersklassen doppelt besetzt und spielte in den höchsten Klassen. Hinzu kam ein jährlicher Scheck über 30 000 Mark von der Stadt an den Verein, für die Pflege der Platzanlage. Gelinde gesagt sind diese Eckwerte heute für uns nicht gerade in Schlagdistanz. Für mich persönlich, der jetzt seit zwölf Wochen im Amt ist, gilt es, zuverlässig, seriös und verantwortungsbewusst die kommenden Aufgaben und Entscheidungen gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen und den Mitgliedern zu treffen, dafür stehe ich ein.

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