Itzehoer Muslime : „Islam bedeutet Frieden“

„Islam bedeutet Frieden“, erklärt der Imam Selahattin Getkin.
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„Islam bedeutet Frieden“, erklärt der Imam Selahattin Getkin.

Die Vorstandsmitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins verurteilen die Anschläge in Paris. Zwar fühlen sie sich durch die Karikaturen gekränkt, das rechtfertige aber keinesfalls die Taten der Terroristen.

Kay Müller von
17. Januar 2015, 08:00 Uhr

Als er vor einer guten Woche die ersten Nachrichten vom Attentat aus Paris hörte, kamen Bülent Özsimsek zwei Gedanken. „Zuerst habe ich an die Opfer gedacht – und dann daran, was das für uns Muslime bedeutet“, sagt der zweite Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Itzehoe. Gemeinsam mit seinen anderen Vorstandsmitgliedern sitzt er in der Moschee in Itzehoe und bespricht die Vorfälle. „Wir verabscheuen, was in Paris passiert ist“, sagt der Vorsitzende Adnan Vural. „Die Terroristen haben zwar Allahu akbar gerufen, aber solche Taten geschehen nicht im Namen Gottes.“

Die Itzehoer fühlen mit den Opfern, aber sie erheben auch Vorwürfe gegen Karikaturisten, die sie in ihrem Glauben kränken. „Für einen Moslem ist es eine Sünde, Karikaturen des Propheten überhaupt anzusehen. Ich kann nicht verstehen, warum das Journalisten nicht respektieren können. Da wünsche ich mir mehr Feingefühl“, sagt Özsimsek. Die Grenze der Presse- und Meinungsfreiheit sei überschritten, wenn Religionen als ganzes angegriffen und beleidigt würden. Charlie Hebdo sei eine Provokation für die islamische Welt. „Aber dennoch rechtfertigen solche Karikaturen nie und nimmer das, was die Terroristen in Paris getan haben. Im Koran steht, dass es verboten ist, Menschen zu töten – das ist die größte Sünde, die ein Moslem begehen kann“, sagt Vural. „Und es steht auch darin, dass man Menschen retten soll.“ Deshalb gebe es auch keine islamischen Terroristen, so Özsimsek. Um eine Zeitschrift abzulehnen, gebe es andere Mittel. „Wir können demonstrieren oder sie einfach nicht kaufen.“

Özsimsek und seine Vorstandskollegen bedauern, dass jetzt viele Menschen nur auf den Anschlag von Paris schauen, aber nicht auf die vielen Attentate in der arabischen Welt, bei denen viel mehr Menschen ums Leben gekommen sind.

Doch was bringt Menschen dazu, solche Anschläge zu begehen? Sind Muslime anfälliger als Mitglieder anderer Religionen? „Für viele Jugendliche – auch aus dem Westen – scheint es attraktiv zu sein, was manche Möchtegern-Imame so von sich geben“, sagt Vural. „Dann schauen sie sich ein paar wirre Sachen im Internet an – und glauben das, statt mal einen Gelehrten zu fragen, wie es ihn bei uns in der Moschee gibt.“

Dass es wegen der Anschläge einer kleinen Gruppe jetzt Konsequenzen für alle Muslime geben könnte, fürchtet Ibrahim Var. Nach dem 11. September 2001 hat er selbst erlebt, wie Witze langsam ernster wurden. Eine Arbeitskollegin fragte ihn damals: „Bist Du auch einer von den Terroristen?“ Var sagt: „Es war witzig gemeint, aber so richtig lachen konnte ich nicht mehr darüber.“ Denn so fingen Vorurteile an, von Menschen, die alles in einen Topf würfen.

Vorurteilen begegnet die Vorsitzende der Frauen in der Gemeinde, Asuman Özsimsek auch in Itzehoe. „Manche Menschen sehen mich schon komisch an, weil ich ein Kopftuch trage.“ Sie will erreichen, dass mehr Menschen ihre muslimischen Mitbürger kennenlernen – das schaffe Nähe und beseitige Vorurteile. „Wir öffnen unsere Moschee und unsere Herzen.“

Und der Imam Selahattin Getkin, der erst seit wenigen Monaten in Deutschland ist, und die Diskussion lange schweigend verfolgt hat, sagt am Ende noch mit leiser Stimme, warum die Attentäter für ihn keine Muslime sind: „Sie haben das Wort Islam nicht verstanden.“ Denn das habe eine Bedeutung: „Frieden“.

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