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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 00:12 Uhr

KOCHEN : Integration geht durch den Magen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Beim Internationalen Kochen in Itzehoe lernen sich Frauen aus verschiedenen Ländern kennen und erfahren viel über die Heimat der anderen.

Sprachkurse, Wissen über Land und Leute, Auseinandersetzung mit der Kultur – es gibt viele Voraussetzungen für erfolgreiche Integration. Aber Kochen? Ausgerechnet am Herd sollen Menschen mit Migrationshintergrund ihrer neuen Heimat näher kommen? Diese Skepsis schlägt der Itzehoer Gleichstellungsbeauftragten Karin Lewandowski und Pastorin Maren Schlotfeldt vom Frauenwerk des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf oft entgegen, wenn sie von ihrem Projekt „Internationales Kochen“ erzählen.

„Kochen hört sich so banal an“, weiß Karin Lewandowski. Doch es stecke viel mehr dahinter, als nur ein Gericht auf den Teller zu bringen, wenn sich die Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft an jedem letzten Dienstag im Monat treffen und gemeinsam Spezialitäten aus verschiedenen Ländern zubereiten. „Irgend etwas kochen kann jede. Und man braucht dafür nicht unbedingt gute Deutschkenntnisse“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Dadurch sei die Hemmschwelle niedrig.

Das gemeinsame Kochen und Essen schaffe eine Verbindung, die Teilnehmerinnen helfen sich gegenseitig, kommen ins Gespräch, üben die deutsche Sprache – und lernen beinahe nebenbei viel über die jeweilige Heimat: Welche Essgewohnheiten gibt es dort? Welche Bräuche? „Es kommt auch zu einem Austausch zwischen den Religionen“, sagt Maren Schlotfeldt. Zwar werden nicht gezielt religiöse Themen diskutiert, aber die Teilnehmerinnen werden durch das Kochen beispielsweise ganz automatisch mit den Speisevorschriften für muslimische Frauen konfrontiert.

„Der Blick wird erweitert. Es ist immer eine Horizonterweiterung, wenn Frauen aus anderen Ländern von ihrem Land und ihrem Leben und ihrem Lebensschicksal erzählen“, sagt Maren Schlotfeldt. „Es ist etwas ganz anderes, als nur Fakten über das Land zu lesen.“ Man nehme hinterher auch Nachrichten von dort ganz anders auf. „Plötzlich bekommt ein Land in dieser großen Welt ein Gesicht.“

Das Interesse an fremden Kulturen hat auch Catherine Reinhardt zum Internationalen Kochen gelockt. „Ich habe in der Zeitung davon gelesen, meinen Korb gepackt und bin hin gegangen“, erzählt die Itzehoerin, die aus Malaysia stammt. „Es war sehr schön. Erst sind sich alle fremd, aber man tastet sich heran, und es dauert nicht lange, bis das Eis gebrochen ist. Jede kann kochen – und das ist der Anfang.“ Catherine Reinhardt ist längst integriert in Deutschland. 1974 kam sie erstmals her, arbeitete bei Hoechst in Frankfurt, wo sie ihren Mann kennen lernte. Auslandsaufenthalte in verschiedenen Ländern folgten, bevor die Familie vor 20 Jahren endgültig nach Deutschland zurückkam. „Die Kinder sollten in Deutschland ihre Ausbildung bekommen.“

Doch auch wenn Itzehoe längst ihre zweite Heimat geworden ist, schaut Catherine Reinhardt gerne über den Tellerrand hinaus. „Ich bin interessiert an anderen Menschen und Ländern“, sagt sie. Deshalb ist das Internationale Kochen für sie eine „sehr gute Idee“. Essen zu teilen, bereite Freude.

Und es schafft Freunde: Es seien in den gut anderthalb Jahren, seit es das Projekt gibt, schon „Patenschaften“ entstanden, in denen Itzehoerinnen Frauen mit Migrationshintergrund bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleiteten, aber auch tiefe Freundschaften hätten sich entwickelt, sagt Karin Lewandowski.

Das Lernen über die anderen Länder – es sind unter anderem Frauen aller Altersgruppen aus der Türkei, dem Iran, aus Afghanistan und Indien dabei – soll künftig noch verstärkt werden, indem spezielle Themen oder Zutaten aufgegriffen werden. Catherine Reinhardt hofft, dass viele weitere Frauen den Weg zum Internationalen Kochen finden. „Es ist eine ganz nette Runde“, sagt sie. „Wir haben immer viel Spaß. Es ist ernsthaft, lustig – und manchmal auch traurig.“


> Nächster Termin: Dienstag, 28. Januar, 18 Uhr, in Haus 2 der AVS. Anmeldung: karin.lewandowski@ itzehoe.de, 04821/603362.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 16:45 Uhr

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