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Flüchtlinge :   „Integration funktioniert über Sport“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

 Niklas Naumann bündelt beim SC Itzehoe die Angebote für Flüchtlinge und will möglichst viele Begegnungen ermöglichen.

von
erstellt am 23.Dez.2015 | 14:08 Uhr

Volleyball-Training am Dienstagabend in der Lehmwohldhalle. Schüler sind dabei und Senioren, Männer und Frauen, gebürtige Itzehoer und Menschen aus fernen Ländern. Sie sprechen Deutsch, Englisch, Arabisch, und sie reden mit Händen und Füßen – manchmal alles gleichzeitig. Und es funktioniert. Denn auf dem Volleyballfeld ist es egal, ob sie aus Itzehoe kommen, aus Eritrea oder aus Syrien. Sie sind ein Team. Dazwischen steht zufrieden Niklas Naumann. „So soll es doch sein“, sagt er. „Sport verbindet.“

Die Volleyballmannschaft, zu der schon seit längerem eine feste Gruppe von jungen Männern aus Eritrea gehört und zu der zunehmend auch Bewohner des Camp Itzehoe stoßen, ist für ihn das perfekte Beispiel für Integration. „Und der beste Beweis, dass es ganz einfach ist.“

Dafür, dass es noch einfacher wird, setzt sich der 30-Jährige ein. Als Flüchtlingskoordinator beim Sport-Club Itzehoe (SCI) soll er dafür sorgen, dass die Möglichkeiten im SCI, aber auch gemeinsam mit anderen Vereinen, gebündelt und vernetzt werden. Beim SCI gibt es bereits vielfältige Angebote für Flüchtlinge, von einer Box-Gruppe bis zum Basketball-Training. Es wurde eigens ein Flyer erstellt, in dem sie in deutscher, englischer und arabischer Sprache präsentiert werden. Doch auch in anderen Vereinen funktioniere die Integration, zum Beispiel beim Edendorfer Sportverein oder den Oelixdorfer Schützen. „Aber von vielen Angeboten weiß ich selbst noch gar nichts. Es ist mein Wunsch, alle an einen Tisch zu holen, alles zu bündeln, Synergien zu nutzen und die Angebote transparent zu machen“, sagt der Itzehoer. „Es sollen Begegnungen zwischen Sportlern aus allen Ländern ermöglicht werden. Sie sollen zu uns kommen und Spaß haben. Das ist auch eine Gelegenheit, Deutsch zu lernen.“

Sport sei eine wunderbare Möglichkeit, um miteinander in Kontakt zu kommen. „Wie will man Freundschaften aufbauen, wenn man nicht gemeinsam etwas erlebt?“ Je mehr Begegnungen entstünden und je mehr gute Erfahrungen gemacht würden, umso leichter ließen sich Skepsis und Vorurteile ausräumen, sagt Niklas Naumann. Und das sei auch gut für seine Heimatstadt: „Jeder Mensch, der nach Itzehoe kommt und hier glücklich ist, ist eine Bereicherung für alle – nicht nur für den Sportverein.“

Für den Itzehoer ist diese Integration kein notwendiges Übel, keine lästige Aufgabe. Sie ist einfach total normal. Man könnte die Ursache dafür in seinem eigenen Stammbaum suchen, in der Erziehung oder in den guten Erfahrungen, die Niklas schon während seines Studium für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen mit ausländischen Studenten gemacht hat. Doch ihm ist das alles eine Spur zu pathetisch. „Im Jahr 2015 stellt sich für mich nicht mehr die Frage, ob sowas geht oder nicht“, sagt er. „In Zeiten der Globalisierung ist es selbstverständlich, dass man zusammen lebt und arbeitet und Spaß hat.“ Wenn man der Fußballnationalmannschaft zujubele, frage doch auch niemand, wo die Spieler ihre Wurzeln haben.

Durch seine Arbeit im Kinder- und Jugendbüro der Stadt und bei den Johannitern ist der 30-Jährige fast täglich im Camp Itzehoe, hat dort die Sport- und Freizeithalle mit eingerichtet. Er hat dabei Freundschaften geschlossen und festgestellt, „dass wir alle genau die gleichen Träume und Sehnsüchte haben“. Und er hat großes sportliches Interesse gesehen. Von Tischtennis über Handball bis zum Kampfsport reichen die Talente. Ein Kung-Fu-Meister war schon genauso unter den Camp-Bewohnern wie ein Basketball-Nationalspieler.

Bislang finden sie ihren Weg vor allem über persönliche Kontakte zum Sport. „Wie kriegen wir die Leute aus dem Camp zum Training?“, fragte sich Niklas deshalb und suchte das Gespräch mit den Sportvereinen, schrieb auch überregionale Kontakte wie den DFB an. Überall rannte er offene Türen ein, gerade auch beim SCI. Dort gebe es eine sehr große Offenheit, freut er sich. Ob Vorsitzender Gerd Freiwald, Geschäftsführer Jan Schamerowski oder engagierte Sportler wie André Beltz, der mit weiteren Mitstreitern auch Sportmöglichkeiten im Camp anbietet – allen sei die Integration ein großes Anliegen. Es werde beispielsweise auch nach Möglichkeiten gesucht, das Fitness-Angebot für Flüchtlinge zugänglich zu machen.

Doch es gebe auch noch ein paar Probleme, an denen gearbeitet werden müsse. So sei es für junge Frauen aus dem Camp eine große Hürde, sich abends auf den Weg zur Sporthalle zu machen. „Ein Angebot zu schaffen, das alle unterschiedlichen Bedürfnisse abdeckt, ist noch eine spannende Herausforderung“, sagt Niklas Naumann. Aber eine, die sich lohnt: „Es ist einfach toll zu sehen, dass Integration über Sport funktioniert.“ 

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