zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 00:15 Uhr

Sport-Projekt : Integration auf dem Tennisplatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jeden Donnerstag: Beim TV Fortuna Glückstadt trainieren junge Flüchtlinge den Ballsport – mit hohem Spaßfaktor.

von
erstellt am 10.Sep.2015 | 17:03 Uhr

Flagge zeigen für Flüchtlinge und Integration praktisch umsetzen: Das ist Ziel eines Projekts beim Tennisverein Fortuna Glückstadt. Jeden Donnerstag trifft sich auf dem Gelände an der Nordmarkstraße eine Gruppe von zwölf Flüchtlingen zum Tennistraining. Die jungen Leute, meist Syrer, sind zwischen 16 und 24 Jahre alt und vor allem eines: voller Begeisterung für das Angebot.

Das geht zurück auf eine Idee von Klaus Schade. „Ich habe nach den ganzen Medienberichten über die Situation der Flüchtlinge gedacht, wir müssten als Verein etwas für sie tun“, erzählt der Sportwart beim TV Fortuna. Als er seine Idee im Vorstand vorstellte, erntete Schade einhellige Zustimmung. Nachdem einige rechtliche Dinge abgeklärt waren, konnte es losgehen. Über Kaja Warnke, Mitglied im Jugendvorstand des Vereins kam der Kontakt zum Jugendzentrum zustande. Dort ist Kaja Warnke im Sprach-Café aktiv. Schon waren die ersten gefunden, die sich zum Probetraining einfanden. Inzwischen hat sich eine Gruppe gebildet, die aber für Neuzugänge offen ist.

„Viele von ihnen kennen den aktiven Sport so nicht“, sagt Schade. „Hier können sie ausprobieren, ob ihnen Tennis liegt.“ Und das ohne Leistungsdruck, aber mit den fundierten Kenntnissen der beiden Übungsleiter Horts Wirsing und Hermann Grafmüller. Die kümmern sich ehrenamtlich um ihre ausländischen Spieler, führen sie langsam an Spieltechniken heran. Das Ergebnis ist inzwischen schon sehr unterschiedlich: Während einige passable Ballwechsel übers Netz zustande bringen, ringen andere noch ein wenig mit der Technik. Aber letztlich sei das zweitrangig, betont Schade. Spaß an der Sache sei wichtiger. Es gehe ja nicht darum Tennisstars aus den Flüchtlingen zu machen. „Wie wollen ihnen hier ein Stück Heimat anbieten.“

„Ich bin überrascht, wie gut das angenommen wird“, sagt Schade, während von den Plätzen Gelächter herüberschallt. Bierernstes Training wird hier nicht durchgezogen. Spaß wird bei den jungen Syrern und ihren beiden Trainern groß geschrieben. Schade sagt: „Tennis ist eine ganz normale Sportart, das wollen wir vermitteln.“ Kaja Warnke bestätigt seinen Eindruck: „Sie freuen sich über das Angebot des Vereins.“ Und sie betont: „Sie wollen sich integrieren.“ Wie Klaus Schade hofft sie, dass sich auch mal Mädchen und junge Frauen aus den Reihen der Flüchtlinge auf den Platz trauen.

Beiträge zahlen Mahmoud, Karim und die anderen derzeit nicht. Langfristig werde es natürlich darum gehen, den einen oder anderen als Vollmitglied für den TV zu gewinnen, ihn in Mannschaften zu integrieren, gibt der Sportwart zu. „Dann müssen wir sehen, in welche Richtung das Projekt gehen kann.“ Was ihm derzeit Kopfzerbrechen bereitet, ist das bevorstehende Ende der Außensaison. Eine Halle hat der Tennisverein nicht. Die Winterpause würde eine Unterbrechung des Projekts bedeuten – bis Ende März, Anfang April kommenden Jahres. Deshalb sucht Klaus Schade nach einer Lösung, um die Zeit bis dahin zu überbrücken. Damit der Kontakt nicht verloren geht.  

>Infos: www.fortuna-tennis.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen