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Kultur- und Freizeit : Integration auf dem Pferderücken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Glückstdadt machen Reitverein und freie Wohlfahrtsverbände gemeinsame Sache: Sie bieten Flüchtlingen kostenlos die Möglichkeit zum Reiten an.

„Kultur- und Freizeitspaß in Glückstadt“ – was so beschwingt daherkommt, hat insbesondere für hier lebende junge Flüchtlinge einen ernsthaften Hintergrund: Um sie noch besser zu unterstützen, unterzeichneten das Landes-Bildungsministerium und die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände (LAG) im Mai dieses Jahres einen Vertrag. Er sieht vor, mit Hilfe von Projekten, die Kultur- und Freizeitaktivitäten gleichermaßen betreffen, den Erwerb der deutschen Sprache zu erleichtern. Auf diese Weise könne ein Beitrag dazu geleistet werden, „Menschen nicht-deutscher Herkunft bei der Integration in die deutsche Gesellschaft und beim Aufbau eines selbstbestimmten Lebens in Sicherheit und Würde zu unterstützen“, betonte Michael Selck, Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Vorsitzender der LAG.

In Glückstadt greift dieser Vertrag seit Mitte August. Umgesetzt wird er von der Glückstädterin Nurten Utkun (37), die in Sachen Integration eng mit Katharina Schmidt, Mitarbeiterin in der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Glückstadt und beim AWO-Landesverband, zusammenarbeitet.

Was „Kultur- und Freizeitspaß in Glückstadt“ für junge Menschen aus Syrien, Russland, Serbien, der Türkei und Palästina aber auch aus Deutschland bedeutet, darüber informierte Nurten Utkun während eines Termins auf dem Gelände des Reitvereins Glückstadt (RV). Auch dort beschäftige man sich mit Kindern und Jugendlichen, die nicht selten „in den Herkunftsländern schwere Schicksale erlitten“ hätten, und erleichtere ihnen durch entgegengebrachte Aufmerksamkeit den Zugang zur deutschen Sprache.

Schnell wurde deutlich: Reitlehrerin Birte Schneider legt Wert darauf, dass innerhalb des Unterrichts Deutsch gesprochen wird – von allen. Und wer genau hinhörte, der nahm wahr, dass es schon ganz gut mit der Verständigung klappt. Die vergangenen Monate haben bereits Früchte getragen. „Die jungen Menschen lernen in meinen Stunden den Umgang mit dem Pferd und das Reiten. Und wenn ich die vergangenen Monate betrachte, dann stelle ich fest, dass sie Fortschritte gemacht haben – sowohl auf dem Pferd als auch im Umgang mit der deutschen Sprache“, freut sich Birte Schneider, dass ihr Engagement auf fruchtbaren Boden gefallen ist. „Die Teilnehmer können sich sehr gut mit mir unterhalten, und selbst Fachbegriffe wie Sattel oder Steigbügel hatten sie sehr schnell drauf.“

Für den Vorsitzenden des Reitvereins, Bernd Siems, war selbstverständlich, Hilfe zuteil werden zu lassen und im Sinne der Gemeinschaftsinitiative von Ministerium und LAG zu handeln. „Schon bald, nachdem Katharina Schmidt bei mir angerufen hatte und die Versicherungsfrage über den Landessportverband geklärt war, war klar, dass die Glückstädter Reiter den ‚Kultur- und Freizeitspaß’ in unserer Stadt mit unterstützen werden.“ Sein Verein sei bereit, sich weiterhin in den Dienst der guten Sache zu stellen und das Engagement gegebenenfalls noch weiter auszubauen. „Ich denke, das kann der Integration nur förderlich sein.“

Von ihren jungen Schützlingen ist Birte Schneider jedenfalls ganz angetan: „Es sind liebe, nette Kinder, die auch mit anpacken, hilfsbereit sind und nicht murren. Ich kann mich über sie nicht beschweren.“

Ganz angetan von dem, was sie beim Reitverein miterleben, sind auch die jungen Ausländer. Mohamad Fathi Alkurdi (17): „Da ist eine sehr gute Aktion. Mir gefällt der freundliche Umgang miteinander. Ich bin schon in Syrien geritten und würde das in Glückstadt gern noch weiter fortsetzen.“ Und Mahmud Alkurdi (18) betonte: „Ich habe Reiten erst in Glückstadt gelernt. Es war nicht schwer. Ich finde Reiten für mich interessant und würde es gern weitermachen.“

Doch die Beschäftigung mit dem Pferd in Praxis und Theorie, darauf wies Nurten Utkun hin, ist nur ein Teil dessen, was junge Flüchtlinge derzeit in Glückstadt miterleben können. Kochen, Tanz, Völker- und Fußball, Bowling, Schlittschuhlaufen und Ausflüge, unter anderem in den Heidepark Soltau und in den Tierpark Hagenbeck, würden ebenso dazu führen, dass gesellschaftliches Leben und Sprachförderung nicht zu kurz kämen. Nurten Utkun: „Der positive Nebeneffekt von ‚Kultur- und Freizeitspaß in Glückstadt’ ist insbesondere, dass auch Jugendliche ohne Migrationshintergrund an den Terminen teilnehmen.“ Einige hätten zunächst große Skepsis gehabt: „Doch die hat sich in kürzester Zeit aufgrund der positiven Erfahrungen in große Aufgeschlossenheit gewandelt.“

Das Projekt geht jetzt in die zweite Phase, die im Februar beginnt. . „Falls es interessierte deutsche Schüler gibt, die ebenfalls Lust auf Freizeitaktivitäten haben und darauf, über andere Jugendliche andere Kulturen kennenzulernen, so können sich diese oder ihre Eltern ab jetzt gern zur Voranmeldung bei mir melden“, sagt Katharina Schmidt. Erreichbar ist sie über 04124/930530 oder k.schmidt@glueckstadt.de.

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