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Übung am Bahnhof Itzehoe : Inszenierter Albtraum: Zwei Züge kollidieren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehr als 250 Einsatzkräfte proben am Itzehoer Bahnhof den Ernstfall. Das Szenario: Ein mit Chemikalien beladener Güterzug kollidiert mit der Regionalbahn. 40 zum Teil schwer verletzte Menschen müssen gerettet, auslaufende Giftstoffe beseitigt werden.

Nach Luft ringend liegt ein Mann auf dem Boden und ruft um Hilfe. Schmerzensschreie von zum Teil schwerstverletzten Personen gellen aus einem Personenzug, während andere Passagiere der Regionalbahn dazu nach der scheinbar schweren Katastrophe gar nicht mehr in der Lage sind. Sie liegen leblos neben den Gleisen. Neben ihnen laufen Chemikalien aus einem Güterzug, Rauchschwaden wabern über die Köpfe der Unfallopfer hinweg – der Itzehoer Bahnhof bot am Sonnabend ein Bild des Grauens. Für die Einsatzkräfte wurde ein Albtraum wahr, glücklicherweise nur als eine Katastrophenschutzübung des Kreises Steinburg. Mehr als 250 Einsatzkräfte aus den Kreisen Steinburg und Pinneberg waren an der Einsatz- und Stabsrahmenübung „Chemielage 2013“ beteiligt und stellten sich den schweren und nahezu real wirkenden Aufgaben.

Punkt 11 Uhr erfolgte die Alarmierung, nachdem wenige Minuten zuvor im Bahnhof eine Regionalbahn und ein Güterzug kollidiert waren. Rund 40 Personen wurden dabei schwer verletzt, für zwei weitere kam jede Hilfe zu spät. Verschärft wurde die Lage zudem durch den Austritt eines bislang unbekannten Gefahrstoffes aus einem Bahnkesselwagen. Den Erstangriff übernahmen die beiden Atemschutzträger Andreas Hüser und Carsten Schlüter von der Feuerwehr Itzehoe. Über Funk erfahren sie, dass es sich bei der auslaufenden Chemikalie um Ammoniak handelt. Zur Hilfe eilen Kameraden des Gefahrgutzuges - dann geht alles ganz schnell. Während einige Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehrbereitschaft zunächst für die Absicherung der Unfallstelle sorgen, erden andere die Oberleitung, in der noch eine Restspannung von 7000 Volt mit Hilfe eines Messstabes gemessen werden. Andere wiederum retten und bergen die Unfallopfer, die von Reservisten der freiwilligen Reservistenarbeit der Bundeswehr und den Blaulichtkids dargestellt wurden. Integriert in die Übung war außerdem die Dekontamination, die rettungsdienstliche Versorgung der Verletzten sowie die Maßnahmen zur Eindämmung des Austritts von Gefahrstoffen.

So war es die gemeinsame Aufgabe der SEG (Schnellen Einsatz-Gruppe) des Steinburger DRK, des THW und des Rettungsdienstes (RKiSH), einen Behandlungsplatz zu errichten und zu betreiben. „Wir arbeiten hier nach einem Sichtungskonzept“, erklärt Dr. med. Achim Marx, ärztlicher Leiter des RKiSH. Das bedeute, dass in verschiedenen Zelten die Leicht- bis Schwerstverletzten zunächst notfallmedizinisch versorgt werden, um auch den Transport in weiterführende medizinische Versorgungseinrichtungen gewährleisten zu können. „Unsere Behandlung in einem solchen Notfall zielt darauf ab, Leben zu erhalten“, betont der Mediziner die Wichtigkeit der Kategorisierung der Verletzten.

Zum Einsatz aber kamen auch der Löschzug Gefahrgut Steinburg und der ABC-Dienst aus Pinneberg. Unter anderem waren sie mit der Dekontamination der Verletzten und Einsätzkräfte sowie der Abdichtung des beschädigten Kesselwagens beschäftigt. Unterdessen sorgte die Bundespolizei für die Absperrung und Evakuierung des Bahnhofes. Ein Verbindungsbeamter der Bundespolizei war außerdem in der Technischen Einsatzleitung eingebunden, so dass zur Lagebeurteilung neben dem Feuerwehrflugdienst auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt werden konnte. „Dieses ist wichtig, damit der Einsatzleiter vor Ort das ganze Schadensausmaß erkennt und gegebenenfalls Kräfte nachfordern kann.“ Außerdem sei die Bundespolizei für die polizeiliche Ermittlung im Nachgang zuständig. Als Einstieg in den Katastrophenschutz sah Volker Susemiehl von den Reservisten des Kreises Steinburg die Vollübung. Auch Frank Raether vom Kreisfeuerwehrverband lobte die Durchführung der vom Kreis organisierten Vollübung, die einen regelmäßigen Platz im Kalender finden solle. „Die Übung der Einsatzkräfte ist als Vollübung, die Übung des Katastrophenabwehrstabes als Stabsrahmenübung ausgestaltet“, sagt Polizeioberkommissar Hanspeter Schwartz von der Bundespolizei und fügt hinzu, dass das reale Übungsszenario für die Einsatzkräfte so konzipiert worden sei, dass dieses durch die Einsatz- und Führungsstrukturen bei örtlichen Großschadenslagen bewältigt werden könne. Auf die Vollübung aufbauend, spielte der Leitungsdienst ein Szenario für den Abwehrstab ein, welches die Auslösung des Katastrophenalarms und die Einleitung von Katastrophenabwehrmaßnahmen erforderlich machte. Ziel der Übung sei, so Schwarz weiter, die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den übenden Einheiten und Einrichtungen. Zudem solle der Ausbildungsstand überprüft werden. Als Kriterien wurden unter anderem die richtige Lagebeurteilung und Befehlsgebung sowie die fachlich richtige Umsetzung der angeordneten Maßnahmen herangezogen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden im Rahmen einer Nachbesprechung aufgearbeitet.

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