Innovationsstrategie für die Westküste

IZET- Geschäftsführer Professor Ralf Thiericke.   
IZET- Geschäftsführer Professor Ralf Thiericke.  

Problem: Windanlagen produzieren Stromüberschuss, ohne Wirtschaft zu stärken

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02. Juli 2015, 11:54 Uhr

Professor Ralf Thiericke will keine Papierberge produzieren, die in einem Ordner verstauben. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Technologieförderung (IZET) in Itzehoe will Fakten schaffen. Einen Mehrwert für die Region, die Wirtschaft und die Menschen. Gemeinsam mit Professor Michael Berger, Vizepräsident der Fachhochschule Westküste (FHW), und Bernd Bösche, Chef der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH, hat er im Auftrag von Wirtschafts-Staatssekretär Frank Nägele ein Strategiepapier für die Westküste erstellt.

In mühevoller Kleinarbeit haben sie den Ist-Zustand der Region analysiert und Wirtschaftszweige herausgearbeitet, von denen sie sich Wachstum versprechen. Absoluter Spitzenreiter sind die erneuerbaren Energien, die wiederum viele Branchen berühren. Denn auch wenn reichlich Windenergieanlagen in Dithmarschen und Nordfriesland für einen massiven Stromüberschuss sorgen, bleibt an Wirtschaftskraft kaum etwas übrig. Das soll sich ändern.

Potenzial, da sind sich Berger und Thiericke sicher, gibt es reichlich. Es muss nur erkannt und vor allem vermarktet werden. Nicht nur national. Auch international stehen Investoren in den Startlöchern. Das Interesse von Unternehmen an „grünem“ Strom steigt. Green Economy sei ein Wachstumsmarkt, so Thiericke. Diese Firmen in die Region zu holen, ist aus Sicht des IZET-Geschäftsführers dringend notwendig. „Aus uns selbst heraus können wir nicht wachsen.“ Auch vor Ort ist eine stärkere Nutzung sinnvoll: „Statt die Windenergieanlagen abzuregeln, könnte der Strom zum Beispiel durch die Produktion von Wasserstoff genutzt werden“, erklärt Berger. Denn schon jetzt wird an der Westküste ein Stromüberschuss von 300 Prozent erzeugt. „Und es könnte noch mehr werden. Bis 2030 ist die Westküste für mindestens 60 Prozent des Stroms in Schleswig-Holstein zuständig“, macht der Professor das Potenzial deutlich. „Wir können uns zum Beispiel auch als touristischer Energiestandort vermarkten“, ergänzt Thiericke. Wichtig sei, Aufmerksamkeit zu schaffen. „Ich teile die allermeisten der Einschätzungen der Experten und glaube, dass die Westküste gemeinsam mit dem ganzen Land mit diesem Ansatz wirtschaftlich punkten kann“, so Staatssekretär Nägele.

Thiericke und Berger sind überzeugt, dass die Westküste glaubwürdig die Energiewenderegion sein kann. Doch die Zeit drängt. Auch andere Regionen würden sich auf den Weg machen. Größter Konkurrent ist Niedersachsen, das Schleswig-Holstein schon bei Offshore-Häfen den Rang abgelaufen hat. Thiericke: „Wir müssen selbst etwas tun und loslaufen.“ Aber er ist überzeugt: „Aus der Innovationsstrategie werden Funken sprühen.“

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