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Fachkonferenz : Inklusion fängt im Kindergarten an

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alle Kinder sind gleichwertig. Das ist das Ziel der Inklusion. Die soll nun in den Dithmarscher Kitas umgesetzt werden. Fragen behandelt eine Fachkonferenz in Albersdorf.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Ein komplexes Thema beschäftigte gestern im Albersdorfer Dithmarsenpark Kindergartenleiterinnen, Elternvertreter aus den Kitas, Bürgermeister und Vertreter heilpädagogischer Einrichtungen: die Inklusion von Jungen und Mädchen mit körperlichen und anderen Einschränkungen in den Dithmarscher Tagesstätten. 120 Teilnehmer trafen sich nach einem Fachvortrag zu verschiedenen Workshops, um das Thema zu vertiefen.

Man könne Kinder nicht in der für sie wichtigsten Sozialisierungsphase trennen und später von ihnen als Erwachsene verlangen, dass sie sich gegenseitig respektieren, so wie sie sind. Damit umriss Referentin Prof. Dr. Annedore Pengel aus Potsdam die Zielsetzung der Inklusion. Das gemeinsame Aufwachsen sei eine Geisteshaltung und nicht etwas, das einfach von oben verordnet werden könne, so die Professorin.

Der Kreis, so Landrat Dr. Jörn Klimant, habe bereits den Anfang gemacht und den bisher an der Meldorfer Astrid-Lindgren-Schule angesiedelten Sonderkindergarten aufgelöst. Diese Kinder müssten nun in den jeweiligen Kindergärten ihres Wohnorts betreut werden. „Das ist eine Umwälzung“, gab Klimant zu. Denn dadurch ergäben sich eine Reihe von Fragen etwa nach Ausstattung der Kitas, nach der fachlichen Betreuung betroffener Kinder und auch der praktischen Umsetzung der Zielvorgabe „Inklusion“.

Hintergrund: In Dithmarschen gibt es 67 Kindertagesstätten, die insgesamt 2945 Kinder über drei Jahren und 618 Kinder unter drei Jahren versorgen. Eine heilpädagogische Förderung erhalten zurzeit 216 Kinder: 29 Kinder in Integrationsgruppen, 24 Einzelintegrationsmaßnahmen, 163 ambulante Versorgungen (z.B. Kita-Assistenzen). Hinzu kommen 35 Neuanträge, dafür muss der Bedarf noch eingeschätzt werden. „Ständig werden uns neue Bedarfe bekannt. Das bedeutet für die Kitas, auf individuelle Bedürfnisse reagieren zu müssen“, betonte Renate Agnes Dümchen, seit kurzem verantwortlich in der Kreisverwaltung für den Geschäftsbereich Familie, Soziales, Gesundheit. „Jedes Kind hat Besonderheiten“, betont sie. Diesem Gedanken müsse man sich nähern.

Das unterstrich auch Prof. Dr. Prengel in ihrem Vortrag. Die Gesellschaft müsse weg vom Schubladendenken. Es gebe nicht einfach Kinder mit einer Behinderung, einer Lernschwäche oder sozialen Defiziten oder einfach auch nur Migrationshintergrund. Jedes Kind habe auch Stärken – und das Recht auf Bildung. Und die beginne bereits im Kindergarten. Die Erzieher seien als Erwachsene Vorbilder, sie müssten die Inklusion vorleben. Denn, das steht für Prengel fest: „Kinder müssen erst lernen, sich gegenseitig als gleichwertig zu betrachten.“

Da sei Dithmarschen aber bereits auf einem guten Weg, betonte Renate Agnes Dümchen. „Viele Kitas haben inzwischen ihre Wahrnehmung verfeinert. Die Bedenken und Ängste, besondere Kinder aufzunehmen und sie als Teil aller Kinder zu betrachten, werden spürbar weniger.“ Ein Netzwerk aus Anlaufstellen liefe den Tagesstätten wichtige Unterstützung.

„Es steckt mehr dahinter, als zu sagen: ‚Wir müssen Behinderte in unsere Gruppen holen!‘“, erklärte Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck gegenüber unserer Zeitung. Er nahm gemeinsam mit Gabriele Hoschek, im Rathaus zuständig für den Bereich Kindergärten, am Fachtag teil. Er habe aus dem Vortrag „eine Menge mitgenommen“. Jetzt gelte es, das Thema in die Köpfe zu bekommen. „Das ist ein Prozess, der bei allen Entscheidungen im Hintergrund mitlaufen muss.“ Der Verwaltungschef der Schleusenstadt verglich dies mit dem Thema Brandschutz. Daran müsse längst nicht mehr erinnert werden, wenn es um bauliche Maßnahmen gehe. So werde sich auch die Inklusion als unerlässlich verfestigen. „Dann haben wir ein Ziel erreicht.“ Von den sieben Kitas in Brunsbüttel sind vier in kirchlicher Verantwortung und drei in städtischer Trägerschaft. Auch für die Stadt stelle sich die Frage: „Wie müssen wir möglicherweise die Einrichtungen ausstatten?“ Handlungsbedarf werde kreisweit bestehen. Daraus machte Jörn Klimant keinen Hehl. Der Landrat betonte in seiner Begrüßung: „Inklusion ist kein Sparmodell.“

Gleichwohl bedeute dies nicht automatisch mehr Mitarbeiter, so Birgitt Encke vom Kreisjugendamt. Für die Inklusion könnten auch unterschiedliche Fähigkeiten der Erzieherinnen genutzt werden. „Wir brauchen in der Kita ein multiprofessionelles Team“, skizzierte sie eine Marschrichtung.

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