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Oelixdorf : Initiative mobilisiert gegen Windkraft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gut besuchte Informationsveranstaltung. Referenten berichten von Erfahrungen mit bestehenden Anlagen.

Die Besucher wurden schon am Eingang mit dem dumpfen Brummen und Zischen eines Windrads empfangen. Alle paar Sekunden klang aus einem Lautsprecher das charakteristische „Flupp – Flupp – Flupp“ der Flügel. Unter dem Motto „Unser Dorf wehrt sich – stoppt den Windwahn!“ stellte die Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind“ in der Gaststätte „Unter den Linden“ in Oelixdorf ihre Bedenken gegen neue Windpark-Pläne vor. Das Interesse war riesig: Mehr als 120 Zuhörer drängten sich in den Saal, es mussten noch Stühle dazu geholt werden. Gegen die Errichtung der Anlagen hat die Initiative bereits einen Bürgerentscheid erwirkt, der am Sonntag, 18. Dezember, stattfinden soll.

Wolfgang Beermann, einer von drei BI-Sprechern, erläuterte „spürbare Nachteile“ von Windkraft für den Menschen anhand von Zahlen, Grafiken und Schaubildern. Er unterstrich die geschilderten Gefahren, die mit der Positionierung zu dicht an einer Wohnbebauung verbunden seien: nicht zu löschende Brände, Schall und Infraschall bis hin zu körperlichen Beschwerden und Krankheiten. Und er beklagte einen Wissensmangel bei den Ärzten. „Bei einer Planung über 20 Jahre sind die Schäden einfach nicht zu überblicken.“ Gleichzeitig stellte er klar: „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber wir sind nicht einverstanden mit der Abstandsregelung in Schleswig-Holstein.“ In Oelixdorf würde der geringste Abstand 800 Meter zu Wohngebieten und 400 Meter zu Einzelgebäuden betragen. „Das ist viel zu wenig.“ Er forderte wie in Bayern die zehnfache Höhe als Mindestabstand zu nehmen.

Zwei Gastreferenten berichteten von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. Der Diplom-Ingenieur Gerhard Artinger (Vattenfall) aus Bargteheide wies auf Unstimmigkeiten und Tricksereien bei der Schallmessung hin, die allein schon durch eine zu geringe Zahl an Messungen zu nachteiligen Ergebnissen gelangt seien. Und er ergänzte: „Es wird nicht mehr am Haus gemessen, sondern der ankommende Schall anhand der Entfernung errechnet. In realer Messung gibt es aber immer bis zum Vierfachen höhere Werte.“ Er riet, sich die Gutachten, auf denen die Planung fußt, gut anzusehen und auf Ungenauigkeiten zu achten, mit denen Einsprüche begründet werden können. In Oelixdorf wären in einem Kilometer Entfernung noch 78 Dezibel zu hören, also selbst in Itzehoe oder Richtung Hohenlockstedt. „Dann wäre eine Nachtabschaltung notwendig.“ Susanne Kirchhof aus Holtsee, Vorsitzende der „Windkraft-kritischen Bürgerinitiativen“ und Sprecherin im Landesverband, zog im Jahr 2009 in eine „idyllische Landarbeitersiedlung“ in der Eckernförder Bucht. 2013 habe sie ihr Haus gekauft und vergrößert. „Dann standen da auf einmal mehrere Windkraftanlagen nur 800 Meter entfernt. Von den Problemen, die dann kommen würden, wussten wir alle nichts.“ Die Geräusche müssen sie tagsüber und nachts mit bis zu 45 Dezibel ertragen. Druck auf den Ohren, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Resonanzen im Dachstuhl seien nur einige der Folgen. Bei Nachbarn gesprungene Glasfenster, rotes Blinken in der Nacht und der Wertverlust von Grundstück und Immobilie seien weitere Begleiterscheinungen, ebenso wie weniger Fledermäuse und Vögel und das Ansteigen von Fällen von Tinnitus.

Kritisiert wurden von der BI auch die elf Grundeigentümer, die ihr Land „für das persönliche eigene Wohl verkauften und dafür das Leiden von einigen Hundert Mitbürgern in Kauf nehmen“. Beermann: „Die Antwort darauf können wir nur durch den Bürgerentscheid geben.“ An den Bürgerentscheid sei die Gemeinde zwei Jahre lang gebunden, so dass „zunächst einmal das Schlimmste blockiert werden kann“.

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