Fassadenstreit : Initiative beklagt Täuschungsmanöver

Sie vertreten die Initiative für den Bürgerentscheid:  (v.li.): Rechtsanwältin Karin Dietrich-Olsen, Baubiologin Siegrid Kröger und Diplom-Designerin Silke Nießing.
Sie vertreten die Initiative für den Bürgerentscheid: (v.li.): Rechtsanwältin Karin Dietrich-Olsen, Baubiologin Siegrid Kröger und Diplom-Designerin Silke Nießing.

Im Endspurt zum Bürgerentscheid über die Gestaltung des Kreishauses in Itzehoe zieht die Fassadeninitiative noch einmal alle Register.

shz.de von
29. Juni 2014, 09:00 Uhr

Eine Woche vor dem Bürgerentscheid fährt die Initiative zum Erhalt der Kreishaus-Fassaden noch einmal schweres Geschütz auf: Sprecherinnen der Gruppe werfen dem Kreis Täuschung, Manipulation und Irreführung vor. Nach Einschätzung der Initiative fange dies mit den an alle Steinburger verschickten Wahlunterlagen an. Silke Nießing spricht von „irreführenden Bildmontagen.“ So werde die Ansicht des geplanten Neubaus vom Bahnhof aus bewusst vermieden. „Dann würde man das gigantische Ausmaß des Neubaus erkennen.“ Stattdessen würden lediglich „zwei gestauchte Ausschnitte gezeigt“. Nießing weiter: „Der Neubau ist doppelt so lang wie das alte Landratsamt. Auf den Bildern aber ist die Perspektive so verzerrt, dass der Neubau sogar kleiner wirkt.“

In der Diskussion um die fehlende Barrierefreiheit in den bestehenden Gebäuden moniert die Initiative, dass der Kreis nicht einmal ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, um die baulichen Möglichkeiten genau zu untersuchen. Architekt und Stadtplaner Hans-Peter Wiencke ist im Gegensatz zu Kreisverwaltung und -politik überzeugt: „Alles ist machbar, wenn man es will und den Architekten nach Lösungen fragt.“

Als „geradezu skandalös“ empfindet es die Initiative, dass Bahnhofshotel und Bollhardt’sches Gebäude „passend zum Bürgerentscheid “ aus der Denkmalliste gestrichen worden seien. Laut Kreis seien die Gebäude auch deshalb nicht mehr historisch, weil sie nicht mehr im originalen Erhaltungszustand seien. Ein Argument, das Margrit Schwarck nicht gelten lässt: „Auch unter strengen Denkmalschutz gestellte Bauernhäuser in der Marsch sind heute nicht mehr im originalen Errichtungszustand.“ Nach Ansicht der alteingesessenen Itzehoerin wird hier „Denkmal- und Umgebungsschutz mit Füßen getreten“.

Großer Streitpunkt sind auch die Kosten. Nach wie vor gilt die vom Kreistag verordnete Deckelung der Neubaukosten auf 15 Millionen Euro. Ganz genaue Zahlen seien beim jetzigen Planungsstand nicht seriös bezifferbar, hatte Landrat Torsten Wendt mit Blick auf die derzeit eingefrorenen Planungen und die Unwägbarkeiten bei Ausschreibungsergebnissen stets betont. Die Initiative mutmaßt aber, dass die Kosten noch explodieren werden. Aber schon bei 15 Millionen Euro würde jeder Arbeitsplatz Kosten von 134 000 Euro verursachen. Anwältin Karin Dietrich-Olsen rechnet in bester Milchmädchen-Manier vor: „Mit diesem Geld könnte man jedem Kreismitarbeiter ein Haus mit Garten anbieten.“

Als „haltlose Drohung“ empfindet die Initiative schließlich Überlegungen, das Kreishaus könne im Falle einer Abstimmungsniederlage auch an ganz anderer Stelle neu errichtet werden. Weder sei die Wirtschaftlichkeit eines solchen Schrittes geprüft worden, noch habe man die Steinburger und die Kreismitarbeiter gefragt, ob diese das überhaupt wollten.

Für Karin Dietrich-Olsen wird „der Wahlkampf des Kreises immer härter und unsachlicher“. Süffisant fügt sie hinzu: „Das Gerüst am Bahnhofshotel hat seine wahre Bestimmung gefunden: Es ist ein 7500 Euro teurer Plakathalter für die Wahlwerbung des Kreises.“ Tatsächlich kann sich jeder Steinburger umfassend selbst informieren und sich schließlich ein eigenes Bild machen. Die Sicht des Kreises findet man unter www.steinburg.de, die der Initiative für den Bürgerentscheid unter www.fassadenerhalt-iz.de. Heute und am Sonnabend vor dem Bürgerentscheid steht die Initiative auch noch einmal jeweils von 10 bis 16 Uhr an einem Info-Stand im Holstein Center für persönliche Gespräche zur Verfügung. Entscheidend sei, so abschließend Siegrid Kröger, dass „die Visitenkarte der Stadt an dieser prägnanten Stelle erhalten bleibt.“

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