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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 16:02 Uhr

Infrastruktur lässt zu wünschen übrig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Diskussionsrunde über stärkere Verlagerung von Transporten auf Schiene und Binnenschiff sieht noch viel Handlungsbedarf

von
erstellt am 26.Mär.2015 | 20:05 Uhr

Ohne funktionierende Infrastruktur kann sich das Industriegebiet Brunsbüttel nicht vernünftig entwickeln. Um vermehrt Güter von der Straße zu bekommen, müssen sinnvolle Konzepte her für den Transport per Schiene oder Binnenschiff. Zu diesem Ergebnis kam eine Gesprächsrunde über die Verkehrsentwicklung im Unterelberaum. Eingeladen hatten Hafen Hamburg Marketing und Brunsbüttel Ports.

Dass es an einer leistungsfähigen Infrastruktur hapert, machte Hafenchef Frank Schnabel deutlich. Der Ausbau der B5 werde seit Jahren diskutiert, aber umgesetzt wurde bislang nur ein Teilabschnitt bei Itzehoe. Und bei der Schiene – die Industrie wünscht sich die Zweigleisigkeit bis Itzehoe, um mehr Güter transportieren zu können – werde gesagt, das vorhandene Angebot reiche aus. Genau das sei nicht der Fall, erklärte Schnabel. „Wir müssen an Morgen denken!“, forderte er. Beim niedersächsischen Jade-Weser-Port sei man auch in Vorlage gegangen und habe Millionen investiert. Dies, obwohl in dem neuen Hafen nur wenig bewegt werde.

Warum nicht mit dem Finger auf die Deutsche Bahn gezeigt werden dürfe, wenn es um den Streckenausbau geht, machte Dr. Bernd Pahnke, Hafenbeauftragter Nord der Bahntochter DB Schenker Rail Deutschland AG, deutlich. Nicht die Deutsche Bahn entscheide über den Ausbau, sondern die Bundespolitik, die Gelder zur Verfügung stelle – oder eben nicht. Für Schnabel das Stichwort: „Wir haben ein Wahrnehmungsproblem.“ Noch immer müsse Bundespolitikern erklärt werden, wo Brunsbüttel überhaupt liege und welche wirtschaftliche Bedeutung dieser Standort habe. Mit Blick auf den stellvertretenden Wirtschaftsstaatssekretär des Landes, Kurt-Christoph von Knobelsdorff, forderte Schnabel mehr Nachdruck Richtung Berlin: „Wer am lautesten ruft, kriegt auch was er will.“

Von Knobelsdorff, der am 1. April die Aufgabe des Brunsbüttel-Beauftragten der Landesregierung übernehmen wird, versprach nichts. Er verwies aber darauf, dass die Industrieregion in Kiel besonderen Stellenwert genieße. Obwohl von Knobelsdorff ganz aktuell die schlechte Botschaft mitbrachte, dass die Bahn derzeit keinen Anlass für den Ausbau der Strecke bis Itzehoe sehe, forderte er: „Die Potenziale von Schiene und Binnenschiff sollten wir stärker nutzen.“ Grund: Zunehmend schwerere Lasten müssten transportiert werden. Die Straßen verschlissen so schneller.

Das bestätigte Stefan Kunze. Der Vorsitzende der Elbe Allianz sah aber auch Grenzen für den Einsatz der Schiffe. Zwar sei ein Shuttle zwischen Cuxhaven, Stade, Brunsbüttel, Glückstadt und Hamburg problemlos machbar. Aber wenn es darum geht, oberhalb Hamburgs zu fahren, stoßen Binnenschiffer oft an die Grenzen – wenn die Elbe wenig Wasser führt. Für den Transport vergleichsweise leichter Windkraft-Rotoren sei dies kein Thema, wohl aber für schwere Güter aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Auch hier fehlt offenbar Gehör in der Bundespolitik. Binnenschifffahrt werde automatisch mit dem Rhein gleichgesetzt, stellte Kunze ernüchtert fest, die Elbe als wichtige Wasserstraße über Sachsen bis nach Tschechien werde vernachlässigt.

Immerhin, auch das wurde in der Gesprächsrunde vor knapp 80 Gästen vornehmlich aus der Wirtschaft deutlich, es gibt erste Schritte in die richtige Richtung. So hat die Deutsche Bahn vor einem halben Jahr einen Pendelverkehr zwischen der Spedition Kruse und Hamburg eingerichtet. Und der Hamburger Hafen arbeitet daran, Binnenschiffe neben Container-Riesen und Feeder-Schiffen verstärkt in die Logistikkette einzubauen, wie Wolfgang Hurtienne, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, erklärte. Mit der Kooperation zwischen Hamburg und den Unterelbehäfen sei bereits ein zukunftsweisender Kurs eingeschlagen, bestätigte Frank Schnabel. Jetzt müsse nur kräftiger investiert und das Zusammenspiel optimiert werden.

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