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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 04:20 Uhr

Kernkraftwerk : Infocenter hat ausgedient

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Als das Kernkraftwerk in Brunsbüttel noch in Betrieb war, steuerten Besucher das Infocenter an, um sich über die Stromerzeugung aus Kernkraft schlau zu machen. Jetzt ist es geschlossen.

Für Besucher bietet das Brunsbütteler Kernkraftwerk keine Anlaufe stelle mehr, das Informationszentrum ist geschlossen. Der Leiter der Regionalen Kommunikation im KKB, Olaf Hiel, nennt einen plausiblen Grund: Kosteneinsparung. „Weil wir keinen Strom mehr erzeugen, verdienen wir kein Geld mehr“, merkt er an. Mit Brunsbüttel haben auch alle weiteren Kernkraftwerke in Deutschland wegen des Kostendrucks ihre Informationszentren geschlossen.

„Das Kommunikations- und Informationszentrum unseres Kernkraftwerks wird nur noch für Sonderveranstaltungen genutzt.“ Für interne Schulungen, Besprechungen und Fachveranstaltungen wie das egeb-Forum Energie sowie für den jährlichen Energiedialog „Klönschnack am Deich“ mit Kommunalpolitikern und Behördenvertretern der Region.

Dennoch: Nach wie vor suchen Vattenfall und dessen Kernkraftwerk Brunsbüttel den Dialog mit den Bürgern aus der Nachbarschaft. In diesem Zusammenhang erinnert Hiel an zwei Informationsveranstaltungen zum bevorstehenden Rückbau des stillgelegten Kraftwerks – eine Aufgabe, die sich über mindestens zwei Jahrzehnte erstrecken wird. Nach den beiden Auftaktveranstaltungen, die im letzten Quartal 2013 im Elbeforum stattfanden, ist jetzt eine weitere Veranstaltung geplant, deren Termin rechtzeitig bekannt gegeben werden soll.

Dann will das Unternehmen auch über den Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle informieren. Die Halle für dieses so genannte LaSmA wird größer als das atomare Zwischenlager werden und mehrere Millionen Euro verschlingen. „Der Bauantrag wird in Kürze gestellt“, kündigt Olaf Hiel gegenüber unserer Zeitung an.

Die ersten Schritte für den Rückbau des Kraftwerks sind bereits getan. Unlängst wurde ein über 300 Tonnen schwerer Transformator ausgebaut, zerlegt und teilweise verschrottet. Teile der maschinellen Anlagen sollen an andere Kraftwerke verkauft werden, aber: „Alles, was nicht freigemessen werden kann, muss eingelagert werden.“ Das soll im LaSmA sichergestellt werden.

Im Reaktorgebäude kann erst Hand angelegt werden, wenn die dort noch eingebrachten 513 Brennelemente in sicheren Castoren eingeschlossen und ins Zwischenlager verbracht worden sind. Jeder Castor fasst maximal 52 Brennelemente. Angesichts der fast noch jungfräulichen Brennstäbe zieht Olaf Hiel einen sinnhaften Vergleich: „Das ist so wie ein Auto vollgetankt zum Schrottplatz zu fahren.“ Hiel bedauert, dass der Schacht Konrad immer noch nicht für die Endlagerung zur Verfügung steht.

In den letzten Monaten hat das Kernkraftwerk Brunsbüttel die Zahl der Mitarbeiter von ursprünglich 380 und zuletzt noch 342 auf gegenwärtig 284 abgebaut – Tendenz fallend. Dennoch: Die Fachleute werden weiter gebraucht, um die Großaufgabe des Rückbaus zu meistern. Die Planungen sehen vor, das Maschinenhaus nach dem Ausbau der technischen Anlagen für die Reinigung und Reststoffbearbeitung zu nutzen, um diese Reststoffe dann in die Pufferlagerung zu verbringen. „Wir bemühen uns, so viele Reststoffe wie möglich nach der Freimessung dem Wertstoffkreislauf zuzuführen“, beschrieb Olaf Hiel einen Entsorgungsweg. Für Großteile bediene sich Vattenfall zentralen Dienstleistern wie der GNS, die diese Teile einschmelzen oder verbrennen.

Eindeutig stellt der Kommunikationschef heraus, dass es beim Rückbau nur einen äußerst geringen Anteil von radioaktiven Abfällen geben würde. Die Gesamtmasse von 300 000 Tonnen bestehe größtenteils aus Beton – 90 Prozent Bauschutt und sieben Prozent metallische Schrotte. Nur drei Prozent gelten als radioaktive Abfälle, die in die Zwischen- beziehungsweise Endlagerung gebracht werden müssen. „Das ist unsere größte Herausforderung“, sagt Olaf Hiel.

 

>Informationen zum Kernkraftwerk und dessen Rückbau im Internet unter www.perspektive-brunsbuettel.de


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